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Co-Stimulations-Inhibitoren als mögliche Strategie © APA (dpa)
Co-Stimulations-Inhibitoren als mögliche Strategie © APA (dpa)

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Wissenschafter suchen Weg zu Immuntoleranz bei Organtransplantationen

17.02.2017

Immunologen befinden sich auf dem Weg zu einem System, bei dem Organtransplantationen ohne nachfolgende langfristige medikamentöse Unterdrückung der Abstoßungsreaktion möglich werden soll. Bei Mäusen und auch im Versuch mit Affen funktioniert das teilweise, berichtete der Wiener Spezialist Thomas Wekerle bei einer Tagung in Wien.

"Bei den Medikamenten zur Immunsuppression bieten sich heute schon viele Möglichkeiten. (...) Der Kern aber sind die sogenannten Calcineurininhibitoren (Cyclosporin etc.; Anm.) geblieben. Da hat sich die Situation seit 30 Jahren nicht geändert", sagte Wekerle, Transplantationsimmunologe an der Chirurgischen Universitätsklinik der MedUni Wien im Wiener AKH im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie.

Chronische Abstoßung problematisch

Cyclosporin und Substanzen wie mTOR-Inhibitoren (Tacrolimus etc.) sowie weitere immunologisch wirksame Arzneimittel haben auf vielen Gebieten der Transplantationsmedizin zu hervorragenden Resultaten geführt. Während aber die Abstoßungsreaktion unmittelbar nach der Übertragung eines Spenderorgans sehr gut beherrschbar wurde, ist die unterschwellig über viele Jahre laufende chronische Abstoßungsreaktion ein Problem geblieben. Das kann langfristig zum Funktionsverlust des Transplantats führen. Außerdem haben die Arzneimittel zur Dämpfung der Immunantwort Nebenwirkungen.

Eine Strategie dagegen könnten sogenannte Co-Stimulations-Inhibitoren sein. Die Abwehrreaktion beruht auf der Aktivierung von T-Lymphozyten des Organempfängers. Diese benötigen aber Signale über zwei Wege: über die T-Zell-Rezeptoren und dazu noch über andere Rezeptoren, von denen es fast 20 gibt. Mehrere potenzielle Wirkstoffe werden auf diesem Gebiet untersucht.

Gemischter Chimärismus

Doch eine viel elegantere Methode wäre das Herbeiführen einer Immuntoleranz gegenüber dem Spenderorgan beim Empfänger. Wissenschafter haben auf diesem Gebiet das Prinzip des "gemischten Chimärismus" entwickelt. Organempfänger erhielten eine Ganzkörperbestrahlung sowie immunsupprimierende Medikamente. Dann erfolgte - begleitend zur Organtransplantation - auch eine Übertragung von Knochenmarkstammzellen vom Organspender auf den Empfänger. In ersten Studien gelang es, bei 50 bis 60 Prozent der Behandelten eine Immuntoleranz herbeizuführen.

Das Problem bei diesem Prinzip liegt aber in der massiven Vorbehandlung der Patienten mit Strahlen und Zytostatika. Eine andere Möglichkeit könnte eventuell das Verringern der Abwehrreaktion durch die Gabe von sogenannten Treg-Zellen sein. Das sind T-Zellen, die normalerweise Immunreaktionen reduzieren. Im Mausmodell ist das schon recht gut gelungen.

Erst vor wenigen Tagen ist in der Fachzeitschrift "Transplantation" eine wissenschaftliche Arbeit zu solchen Versuchen mit Makaken-Affen erschienen, bei der Wekerle Co-Autor war. "Man konnte die Möglichkeit der Herbeiführung eines immunologischen Chimärismus zeigen. Das funktionierte nach Nierentransplantationen bei den Tieren ohne weitere sonstige Medikation bis zu 200 Tage lang", sagte Wekerle. Es könnte also sein, dass diese Strategie einen Weg in die Zukunft der Transplantationsmedizin darstellt.

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