Medizin & Biotech

In Österreich gibt es rund 350.000 Bienenvölker © APA (Schlager)
In Österreich gibt es rund 350.000 Bienenvölker © APA (Schlager)

Kooperationsmeldung

Zukunft Biene - Grundlagenforschungs-Projekt zur Förderung des Bienenschutzes und der Bienengesundheit

27.12.2018

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

Das Forschungs-Projekt "Zukunft Biene" hat die Bienengesundheit in Österreich und den Einfluss der landwirtschaftlichen Produktion, der Imkerei und der Witterungsverhältnisse auf Völker- und Bienenverluste erforscht. Imkerinnen und Imker waren intensiv eingebunden, um für die Imkerei und Landwirtschaft praxisrelevante Fragestellungen zu bearbeiten und aus den Ergebnissen Schlussfolgerungen und Maßnahmen ableiten zu können.

Arbeitsschwerpunkte der AGES waren Landnutzung und Winterverluste, Ursachenforschung zu Völker- und Bienenverlusten (Beobachtungsstudie, Vergiftungsverdachtsfälle) sowie Trachtpflanzendiversität (Pollenanalysen).

>> Projektseite Zukunft Biene und Endbericht Zukunft Biene

Ausgangslage

Gesunde Bienen sind für eine intakte Natur und für die Landwirtschaft in Österreich unverzichtbar. In Österreich gibt es rund 27.000 Imkerinnen und Imker mit in Summe rund 350.000 Bienenvölkern. Die Anzahl der Bienenvölker ist in Österreich seit 2003 weitgehend stabil. Die Wintersterblichkeit variiert sehr stark und lag in den letzten Jahren zwischen 8 und 28 Prozent. Der Großteil dieser Ausfälle konnte im folgenden Jahr durch intensive Anstrengungen der Imkerinnen und Imker zur Vermehrung der überlebenden Völker wieder ausgeglichen werden. Für den Bienenschutz und die Imkerei ist die Zusammenarbeit aller Sektoren, die Einfluss auf das Wohlergehen der Bienen haben oder aus deren Bestäubungstätigkeit Nutzen ziehen, ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die Erkenntnisse dieses Projektes unterstützen sie dabei, die Bienenvölker gesund zu erhalten und Verluste zu reduzieren. Um die Ursachen für von Wintersterblichkeit und die Auswirkungen verschiedener Einflüsse auf die Bienenvölker zu erforschen, wurde das Forschungsprojekt "Zukunft Biene - Grundlagenforschungsprojekt zur Förderung des Bienenschutzes und der Bienengesundheit" vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT, vormals BMLFUW), gemeinsam mit den Bundesländern und dem Dachverband der österreichischen Imker "Biene Österreich" beauftragt und finanziert. Inklusive der Eigenleistungen der Karl-Franzens-Universität Graz und der AGES wurden knapp 2,5 Millionen Euro investiert. Das Projekt wurde von Forscherteams der Universität Graz in Zusammenarbeit mit der AGES durchgeführt. Die Gesamtprojektleitung lag bei Univ.-Prof. Dr. Karl Crailsheim von der Universität Graz.

Ergebnisse

Im Fokus des Forschungsprojekts standen die Wintersterblichkeit sowie wesentliche Einflussfaktoren auf die Bienengesundheit wie Varroamilbe, Viren und andere Krankheiten, Wetter, Ernährung, Betriebsweise der Imker und aus unterschiedlichen Quellen stammende chemische Substanzen (z.B. Pflanzenschutzmittel, Biozide, Tierarzneimittel):

  • Die Forschungsergebnisse zeigten überwiegend einen positiven Gesundheitszustand der untersuchten Völker. Zwischen Winterverlusten und der Belastung durch die Varroamilbe, die als Parasit an Honigbienen und deren Brut lebt, wurde ein eindeutiger Zusammenhang festgestellt.

  • Weitere Einflussfaktoren waren klimatische Bedingungen, das Umfeld des Bienenstandes (Vegetation und Art der Landnutzung), die imkerliche Erfahrung, die Volksstärke und das Alter der Bienenköniginnen.

  • Laboruntersuchungen zeigten die bedeutsame und sehr spezielle Funktion des Immunsystemes der Honigbiene und seine Beeinflussbarkeit durch Pestizide.

  • Gesundheits- und Rückstandsuntersuchungen im Rahmen einer österreichweiten Studie zur Ursachenforschung von Wintersterblichkeit vertieften den Praxisbezug dieses Projektes. Zwischen den Winterverlusten im untersuchten Zeitraum und der Kontamination des Bienenbrotes mit Pestiziden im vorangegangenen Herbst bestand kein signifikanter Zusammenhang. Zwischen Winterverlusten und der Infektion mit Flügeldeformationsvirus wurde ein positiver Zusammenhang festgestellt.

  • Das Ergebnis der Untersuchung von gemeldeten Vergiftungsverdachtsfällen zeigte, dass die Exposition gegenüber bienenschädlichen Stoffen für betroffene Völker ein Risiko für Bienenverluste darstellt.


Empfehlungen

Aus den Ergebnissen des Projektes lassen sich sowohl für die Imkerschaft als auch für die verschiedenen Arten der Landnutzung und den Einsatz von Pestiziden zur Abwehr diverser Schadorganismen konkrete Empfehlungen ableiten:

  • Die Studie zeigt, dass die Varroamilbe in Kombination mit bestimmten Bienenviren im Beobachtungszeitraum den mit Abstand größten Einfluss auf die Bienengesundheit hatte. Eine rechtzeitige, wirksame Reduktion des Varroabefalles durch den Imker/die Imkerin ist daher eine unumgängliche Maßnahme zur Sicherung der Bienengesundheit und Reduktion von Winterverlusten.

  • Weitere wichtige unterstützende Maßnahmen des Imkers/der Imkerin sind die Wahl eines guten Standortes, eine gute Völkerführung und die Einwinterung starker Bienenvölker mit junger Königin.

  • Die Öffentlichkeit, Land- und Forstwirtschaft, Planer und Betreuer von öffentlichen Flächen und Gartenbesitzer können Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten unterstützen und fördern, indem sie vom Frühjahr bis zum Herbst ihren Beitrag zu einem vielfältigen Pollen- und Nektarangebot leisten und das Risiko einer Exposition gegenüber bienengefährlichen Pestiziden so weit als möglich reduzieren.


Folgeprojekt

Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurden für das Nachfolgeprojekt "Zukunft Biene 2" die Untersuchungsschwerpunkte mit den beteiligten Personen aus der Wissenschaft, des Imker-Dachverbandes "Biene Österreich" und dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) festgelegt. Da die Varroamilbe in Kombination mit Viruserkrankungen den größten Einfluss auf die Bienengesundheit hat, konzentriert sich das Folgeprojekt auf die Wintersterblichkeit, das Vorkommen von Bienenviren und deren Auswirkung auf die Bienengesundheit in Österreich (Virenmonitoring) und die Entwicklung neuer Methoden zur Virendiagnose. Dieses bereits in Angriff genommene Nachfolgeprojekt wird vom BMNT, den Bundesländern, dem Imkerdachverband "Biene Österreich" und Eigenmitteln der Universität Graz, der Veterinärmedizischen Universität und der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) finanziert.

Weiterführende Informationen

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