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Bioenergie: AGES forscht an nachwachsenden Energie-Rohstoffen

12.04.2017

Bioenergie stellt in Österreich den größten Anteil der erneuerbaren Energieträger. Die AGES forscht gemeinsam mit einem Konsortium aus Forschungseinrichtungen und WirtschaftspartnerInnen an nachwachsenden Energie-Rohstoffen. Biomasse aus Sida oder Silphium schützt unser Klima nachhaltig.

In den vergangenen Jahren hat die Gewinnung von Energie aus der Biomasse nachwachsender Rohstoffe enorm an Bedeutung gewonnen. Nur durch eine hinreichende Bereitstellung von Rohstoffen kann das von der EU erklärte Ziel der Reduzierung des CO2-Ausstoßes erreicht werden.

Österreich muss bis 2030 die Emission von klimaschädlichen Treibhausgasen, beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Raumwärme oder Landwirtschaft, um insgesamt 36 Prozent senken. Mit einer Erhöhung des Anteils an Erneuerbarer Energie aus Sonne, Wasser, Biomasse, etc. am Energiemix und einer Steigerung der Energieeffizienz bei der Erzeugung und Verwertung können fossile Energieträger eingespart und der durch den Menschen verursachte Treibhauseffekt reduziert werden.

Energiepflanzen

In den letzten Jahren sind ertragsstarke Energiepflanzen mit ökologischem Mehrwert verstärkt in den Fokus der landwirtschaftlichen Forschung gerückt, um das Energiepflanzenspektrum zu erweitern.

Ein Konsortium aus Forschungseinrichtungen und WirtschaftspartnerInnen beschäftigt sich mit den vielversprechenden, mehrjährigen, hochwüchsigen, blühenden Energiepflanzen Sida (Sida hermaphrodita L.) und Silphie (Silphium perfoliatum L.), entlang der gesamten Wertschöpfungskette, beginnend bei der Produktion bis hin zur Verwertung des Rohstoffes inkl. ökonomischer Bewertung. Das gemeinsame Ziel ist es, konkurrenzfähige Rohstoffe mit maximalem Energieertrag, abgestimmt auf die verschiedenen Nutzungsszenarien, zu schaffen.

Stimmen zu Bioenergie und Bioenergiepflanzen

Franz Kirchmeyr, Vize-Präsident der European Biogas Association und Präsident der ARGE Kompost und Biogas: How important are bioenergy crops for reaching the EU climate goals?

"To tackle global warming and scarcity of raw materials, it is crucial to optimise our biomass potential use. Gasification and Anaerobic Digestion are currently the most promising conversion technologies as they follow the cascading principle and incentivise the recycling of nutrients."

DI Christoph Pfemeter, Geschäftsführer des Österreichischen Biomasse-Verbandes: Welche Rolle werden mehrjährige Bioenergiepflanzen in Zukunft für die Biomasseproduktion in Österreich spielen?

"Neue zusätzliche sowie nachhaltig produzierte Rohstoffe für den Bioenergie-Sektor werden langfristig enorm an Bedeutung gewinnen. Schnell wachsende Bioenergie-Pflanzen versprechen größere Erträge, bei geringerer Pflege und Düngung, und damit eine bessere Kosten-Nutzen-Rechnung."

Dr. Markus Gansberger, Senior Expert / Leiter des Forschungsprojektes SIDecA: Wo sehen Sie den Mehrwert der Implementierung zusätzlicher nachwachsender Rohstoffe?

"Die Implementierung zusätzlicher nachwachsender Rohstoffe ermöglicht eine individuelle Anpassung an vorgegebene Rahmenbedingungen, eine Erhöhung der Biodiversität in der intensivierten Agrarlandschaft, eine Risikostreuung zur Sicherstellung des Biomasseaufkommens, die Chance neue Nischen zu besetzen, neue Einkommensquellen zu schaffen und einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Klimaschutz zu leisten."

Dr. Martin Weigl, Bereichsleiter Bioenergie und Chemische Analytik Holzforschung Austria, Wien: Kann Sida hermaphrodita als Rohstoff für die österreichische Pellet-Produktion in Zukunft eine Rolle spielen?

"Aufgrund der sehr guten Verarbeitbarkeit und Brennstoffeigenschaften sehe ich ein hohes Verwertungspotential, besonders bei regionalen Konzepten wo Anbau, Pelletierung und Verwertung ineinander greifen. Sie ist somit eine sehr interessante Alternative für die ohnehin knappe Ressource Holz."

DI Philipp von Gehren, Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Sind nachwachsende Rohstoffe für die ländliche Region von gesellschaftlicher Bedeutung?

"Die Dezentralisierung der Rohstoffproduktion und der Energiegewinnung stärkt die regionale Attraktivität. Die gewonnenen ökologischen und ökonomischen Mehrwerte bleiben in den ländlichen Regionen und sichern Arbeitsplätze in der Region sowie die Existenz der beteiligten Stakeholder."

Dr. Siegfried Schittenhelm, Wissenschaftlicher Oberrat Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde, Julius-Kühn-Institut, Braunschweig: Worin sehen Sie die Vorteile des Anbaus von mehrjährigen Energiepflanzen gegenüber einjährigen Bioenergiepflanzen wie z.B. Mais hinsichtlich der Biodiversität sowie der Ressource Boden?

"Beim Anbau von Dauerkulturen wie der Durchwachsenen Silphie entfällt die Bodenbearbeitung und der Acker wird deutlich seltener befahren. Dadurch gewinnt der Boden u.a. seine natürliche Wasseraufnahme- und Wasserhaltefähigkeit zurück, wodurch sich das Risiko von oberflächlichen Nährstoffabflüssen infolge Wassererosion verringert. Darüber hinaus sind mit Dauerkulturen positive Wirkungen auf die ober- und unterirdische Biodiversität verbunden (Hummeln, Schwebfliegen, Regenwürmer u.a.)."

Dr. Josef Mayr, Senior Expert / Leiter des Forschungsprojektes Bioenergy-Silphium, AGES, Wien: Welche Vorteile gehen mit mehrjährigen, blühenden Energiepflanzen für die Blütenbesucher einher?

"Die in der Regel über einen langen Zeitraum blühenden Energiepflanzen verbessern die Nahrungsgrundlage von Insekten. Dadurch werden Bienen und andere Blütenbesucher gefördert und die Bestäubung sowie deren positive Auswirkungen auf das Ökosystem gesichert."

Quelle: AGES

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