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EGU - Umweltschäden durch Weltkriegs-Schiff noch heute nachweisbar

11.04.2018

Umweltschäden durch ein deutsches Kriegsschiff im Zweiten Weltkrieg sind noch heute bei Kiefern in Norwegen nachweisbar, berichtete Claudia Hartl von der Uni Mainz (Deutschland) bei einer Geowissenschafts-Konferenz in Wien. Weil sie ständig von den Alliierten angegriffen wurden, versuchten die Deutschen ihr Schiff im Rauch zu verstecken, dessen Gift die Bäume massiv schädigte.

Mit Kollegen habe sie standardmäßig das Wachstum der Kiefern in norwegischen Fjorden anhand ihrer Jahresringe untersucht, erzählte die Forscherin vor Journalisten bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien. Die Wissenschafter entdeckten, dass viele der Bäume im Jahr 1945 kaum oder gar nicht gewachsen sind, dass heißt, der betreffende Jahresring war entweder ganz schwach ausgeprägt, oder fehlte gar.

Aus historischen Dokumenten fanden sie schließlich heraus, dass im Jahr zuvor (1944) die "Tirpitz" im Kafjord im Norden Norwegens vor Anker lag. Sie war das größte jemals in Europa gebaute Schlachtschiff und die Alliierten trachteten danach, es zu zerstören. Die Mannschaft versuchte dem zu entgehen, indem es das Schiff in Rauchwolken einhüllte. Dazu verwendeten sie laut historischen Quellen Gase, die Chlor und Schwefel enthielten. Diese reagierten mit Wasserdampf unter anderem zu Salz- und Schwefelsäure, sagte die Forscherin. Ihre Dämpfe schädigten die Nadeln der Kiefern bis in mehrere Kilometer Entfernung.

Bäume überlebten Kriegsschiff

In der unmittelbaren Umgebung hatten zwei Drittel der Bäume keinen Jahresring für das Jahr 1945, berichtete Hartl. Bei manchen davon fehlten sie sogar für die folgenden vier bis acht Jahre. Offensichtlich hatten die Kiefern also für lange Zeit keine intakten Nadeln, mit denen sie durch Photosynthese Energie zum Wachsen gewinnen konnten. Vermutlich starben damals viele der Bäume, aber einige regenerierten sich und zeugen demnach heute noch in ihren Jahresringen von der damaligen Umweltsünde der deutschen Soldaten. Die Bäume überlebten das Kriegsschiff freilich für Jahrzehnte, denn noch im November 1944 wurde es von britischen Fliegern zum Kentern gebracht.

Service: https://www.egu2018.eu

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