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Das HI-SEAS Habitat am Mauna Loa Vulkan auf Hawaii © HI-SEAS, University of Hawaii
Das HI-SEAS Habitat am Mauna Loa Vulkan auf Hawaii © HI-SEAS, University of Hawaii

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Ein bisschen Mars auf Hawaii

06.10.2017

Die Architektin Sandra Häuplik-Meusburger untersucht, wie künftige Mars-Habitate gebaut sein sollten und was wir auch auf der Erde davon lernen können. Sie wurde dafür nun mit einem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

Werden wir es erleben, dass Menschen den Mars betreten? Zu den größten Hindernissen auf dem Weg zur erfolgreichen Marsmission gehören psychologische Schwierigkeiten. Wie kann man ein Mars-Habitat so gestalten, dass man sich dort wohlfühlt und soziale Konflikte möglichst unter Kontrolle gehalten werden? Sandra Häuplik-Meusburger vom Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien forscht seit Jahren an dieser Frage und begleitete auch das NASA-Projekt HI-SEAS wissenschaftlich. Bei der bereits fünften Mission lebten nun sechs Personen acht Monate lang auf Hawaii unter Mars-ähnlichen Bedingungen. Nun wurde sie mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

Gute Architektur für gutes Zusammenleben

Unzählige wissenschaftliche Fachbereiche sind für eine erfolgreiche Marsmission nötig - von der Chemie des Raketentreibstoffs bis zur Biomedizin der kosmischen Strahlung. Dass auch die Architektur eine entscheidende Rolle spielen kann, zeigt sich in Langzeit-Experimenten, in denen man das Verhalten von Menschen unter schwierigen Bedingungen erforscht, wie sie bei einer Marsmission auftreten würden.

Bei der NASA-Mission HI-SEAS V wurden drei Männer und drei Frauen für acht Monate in einer Mars-Habitat-ähnlichen Anlage auf Hawaii vom Rest der Welt isoliert. Kommunikation nach außen war nur indirekt mit Zeitverzögerung möglich, wie sie auch bei einer Funkverbindung zwischen Erde und Mars auftreten würde. Sie mussten mit Astronautennahrung und einer kleinen Menge selbstgezogener Pflanzen auskommen, und immer wenn sie die Anlage verließen, mussten sie Raumanzüge tragen. Das Ziel war, potenzielle Schwierigkeiten des Zusammenlebens während so einer Mission besser zu verstehen. Am 19. September ging die fünfte Mission erfolgreich zu Ende, Sandra Häuplik-Meusburger begleitete das Projekt wissenschaftlich, unter anderem durch das Auswerten von Fragebögen und Interviews.

"Ein ganz wichtiges Thema ist immer die Privatsphäre", sagt Häuplik-Meusburger. Jede der sechs Personen hatte eine eigene Schlafkoje, allerdings war die Schallisolation nicht zufriedenstellend, sodass es Klagen über mangelndes Privatheitsgefühl gab. "Außerdem sollte man beim Design einer solchen Anlage auch bedenken, dass man halbprivate Räume braucht, in denen man sich etwa mit einer zweiten Person treffen kann", erklärt Häuplik-Meusburger. Positiv wurde ein Gemeinschaftsteil des Habitats aufgenommen, das etwas großzügiger und deutlich höher angelegt war als der Rest. Auch wenn der Raum nicht unbedingt benötigt wird, fühlt man sich dort freier, und das verbessert letztlich die Stimmung im Team.

"Wir haben gelernt, dass es viele Dinge gibt, auf die man beim Planen für eine Weltraummission speziell achten muss", sagt Häuplik-Meusburger. "Das reicht vom Schallschutz über passende Fenster, an denen man gemütlich nach draußen schauen kann, bis zum ausreichenden Angebot für Sitzplätze in Gemeinschaftsräumen." Der Erfolg einer Marsmission kann letztlich durch scheinbar belanglose Kleinigkeiten entschieden werden.

Wissenschaftspreis

Am 5. Oktober wurde Sandra Häuplik-Meusburger für ihre Arbeit mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet. Dieser Preis wird jährlich für besondere wissenschaftliche Leistungen vergeben, die von Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern vollbracht wurden oder in Niederösterreich entstanden sind. Die Verleihung des Preises erfolgte im Rahmen einer Festveranstaltung im Schloss Grafenegg.

Quelle: TU Wien

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