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Feuersalamander konnten sich an den Weg durch ein Labyrinth erinnern © Johannes Hloch
Feuersalamander konnten sich an den Weg durch ein Labyrinth erinnern © Johannes Hloch

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Feuersalamander erinnern sich auch nach der Kältestarre an Futterorte

11.01.2017

Wechselwarme Lebewesen wie Amphibien behalten während der Winterstarre ihre Erinnerung aus der Zeit vor der Kälte. Wie Wiener Forscher am Beispiel von Feuersalamandern zeigen konnten, erinnern sich diese Lurche - im Gegensatz zu Säugetieren - auch nach dem Erwachen aus der Kältestarre an kurz vor der Winterpause Erlerntes, berichten die Forscher im Fachjournal "Scientific Reports".

Die Körpertemperatur von Feuersalamandern (Salamandra salamandra) hängt völlig von der Umgebung ab. In den Wintermonaten verfallen sie in eine dauerhafte Winterstarre, aus der sie erst bei wärmeren Temperaturen erwachen.

"Bei Säugetieren ist bekannt, dass sich die Gehirnaktivität während der Winterruhe deutlich reduziert", erklärte Ludwig Huber, Leiter der Vergleichenden Kognitionsforschung am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien, in einer Aussendung. Verbunden damit ist eine Reduktion der Verbindungsstellen zwischen den Hirnzellen, den sogenannten Synapsen um 50 bis 65 Prozent. Dadurch könne es zum Verlust von Erinnerungen an Erfahrungen oder Eindrücken kurz vor der Winterruhe bei diesen Tieren kommen.

Gemeinsam mit Kollegen von der Uni Wien und der University of Lincoln (Großbritannien) hat Huber nun gezeigt, dass das bei Feuersalamandern nicht der Fall ist und diesen Eindrücke und Erinnerungen aus der Zeit vor der Winterstarre im Kurzzeitgedächtnis haften bleiben. Die Tiere waren auch nach der Aktivitätspause in der Lage, ohne Probleme Futter in einem Versuchsaufbau zu finden.

Lurche wurden in T-Labyrinth trainiert

Die Lurche wurden dafür in einem sogenannten T-Labyrinth trainiert, wo sie sich den Weg zu einer Futtergabe merken mussten. Anschließend wurde eine Hälfte der Salamander für 100 Tage in Kältestarre versetzt, die andere Hälfte blieb dagegen aktiv. Nachdem die eine Gruppe wieder aufgeweckt wurde, konnten bei der Wiederholung des Experiments beide Gruppen gleichermaßen die Aufgabe lösen. Die Forscher achteten dabei besonders darauf, dass die Amphibien nicht durch andere Hinweise, etwa den Geruch des Futters, die Aufgabe lösen konnten.

Nach Ansicht der Wissenschafter ist für die Feuersalamander offenbar derart abgespeicherte Erinnerungen überlebenswichtig. Damit könnten sie sich sofort nach der Winterstarre an bestimmte Umweltbedingungen wie Futterplätze erinnern.

Den Unterschied zwischen Säugetieren und Amphibien erklären die Kognitionsbiologen entweder durch verschiedene Lern- und Merkmuster oder Unterschiede in der Winterruhe. Während Säugetiere während des Winterschlafs immer wieder aufwachen, verbleiben die Amphibien dagegen dauerhaft in der Winterstarre. "Die dauerhafte Phase könnte sich auf den Erhalt des Kurzzeitgedächtnisses auswirken. Es würden damit quasi alle Körperfunktionen dauerhaft konserviert", sagte Huber.

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