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Airbus Defence and Space baut Servicemodul für erste bemannte Orion-Mission © APA (dpa)
Airbus Defence and Space baut Servicemodul für erste bemannte Orion-Mission © APA (dpa)

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Flug zum Mond mit Antrieb und Energieversorgung aus Europa

16.02.2017

Weiterer Meilenstein auf dem Weg in eine neue Raumfahrt-Ära: Europas Weltraumagentur ESA und das Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space haben in Bremen den Vertrag über den Bau des zweiten Schlüsselmoduls für die neue US-Raumkapsel Orion unterzeichnet. Das NASA-Raumfahrzeug soll im Jahr 2021 Astronauten über die erdnahe Umlaufbahn hinaus in die Tiefen des Weltraums befördern.

Eine Schlüsselrolle bei den geplanten Orion-Missionen kommt dem Europäischen Servicemodul (ESM) zu, für dessen Bau Airbus Defence and Space nun einen weiteren Auftrag von der ESA erhielt. Denn das ESM wird bei möglichen Orion-Flügen zum Mond und zum Mars für den Antrieb sowie die Energieversorgung und die Lagerung wichtiger Versorgungsgüter wie Wasser und Sauerstoff sorgen.

Erste bemannte Orion-Mission 2021

Die Europäische Weltraumagentur ESA hatte Airbus Defence and Space 2014 als Hauptauftragnehmer für Entwicklung und Bau des ESM ausgewählt. Das Bremer Raumfahrtunternehmen baut bereits das ESM für die Generalprobe der neuen Orion-Raumkapsel, die 2018 stattfinden soll - dann wird das NASA-Raumfahrzeug zu einem unbemannten Testflug über die Mondumlaufbahn hinaus aufbrechen. Die erste bemannte Orion-Mission soll dann im Jahr 2021 folgen.

Mit dem Orion-Raumfahrzeug sollen Menschen erstmals seit den Apollo-Mondlandungen Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wieder weit ins All vorstoßen - und damit den Weltraum auch jenseits des erdnahen Orbits und der Internationalen Raumstation ISS erkunden.

Im Zuge ihres legendären Apollo-Programms hatte die NASA zwischen 1969 und 1972 sechs Mondlandungen erfolgreich absolviert und dabei zwölf Astronauten auf den durchschnittlich gut 384.000 Kilometer entfernten Mond gebracht. Bemannte Raumflüge zu Zielen weit weg von der Erde gab es seither nicht mehr - die Missionen der vergangenen Jahrzehnte führten die Raumfahrer vielmehr in Raumstationen auf Umlaufbahnen um die Erde.

Das Antriebs- und Versorgungsmodul ESM für die Orion-Raumkapsel ist zylinderförmig und weist einen Durchmesser von etwa vier Metern auf. In das ESM-Flugmodell werden laut Airbus Defense and Space mehr als 20.000 Bauteile und Komponenten eingebaut - von elektrischer Ausrüstung bis zu Raketentriebwerken, Solarpaneelen, Treibstofftanks und Lebenserhaltungsmaterial sowie Hunderte Meter Kabel und Röhren.

Servicemodul basiert auf ATV-Technologie

Das Servicemodul ESM basiert auf der Technologie des europäischen Versorgungsfrachters ATV (Automated Transfer Vehicle) für die ISS, der die Besatzungen der Raumstation regelmäßig mit Versuchsausrüstungen, Ersatzteilen, Nahrungsmitteln, Luft und Wasser versorgte. Der letzte der insgesamt fünf automatischen ATV-Raumfrachter war Anfang 2015 bei der Rückkehr von der ISS planmäßig in der Erdatmosphäre verglüht.

Das ESM verfügt über einen markanten, vierflügligen Solargenerator mit 19 Metern Spannweite - er liefert genug Energie, um zwei Haushalte mit Strom zu versorgen. Die 8,6 Tonnen Treibstoff des Servicemoduls versorgen ein Haupttriebwerk und 32 kleinere Antriebe.

Zusätzlich zu seiner Funktion als Hauptantrieb des Orion-Raumfahrzeugs wird das ESM für Orbitmanöver und Lageregelung zuständig sein. Zudem stellt es die wichtigsten Elemente des Lebenserhaltungssystems wie Wasser und Sauerstoff für die Crew bereit.

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