Natur & Technik

APA

Forschende entdeckten Klimawandel-resistente Korallen

17.05.2017

Eine Koralle im nördlichen Roten Meer hat gute Chancen, den Klimawandel zu überstehen, berichteten Forscher aus Israel und der Schweiz. Sofern die Korallen die lokale Wasserverschmutzung überleben, könnten sie eventuell einmal helfen, sterbende Korallenriffe wieder aufzuforsten.

Das australische Great Barrier Reef hat in jüngster Zeit zwei schwere Korallenbleichen erlebt. Nur ein Drittel des größten Korallenriffs der Erde ist noch nicht betroffen. Aber auch andere Riffe rund um den Globus leiden unter steigenden Wassertemperaturen und drohen abzusterben.

Nun berichteten Forscher der Universität und der ETH Lausanne (EPFL) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Israel von einem Hoffnungsschimmer: Korallen im Golf von Aqaba im nördlichen Roten Meer sind besonders widerstandsfähig gegen die Auswirkungen steigender Temperaturen und der Versauerung der Ozeane, schreiben sie in einem Fachartikel im Magazin "Open Science" der britischen Royal Society.

Physiologische Funktionen verbessert

Die Wissenschafter untersuchten die Korallen, nachdem sie diese sechs Wochen Bedingungen wie in einem künftig wärmeren Ozean ausgesetzt hatten. "Unter diesen Bedingungen würden die meisten Korallen weltweit wahrscheinlich bleichen und eine hohe Sterblichkeit aufweisen", sagte EPFL-Wissenschafter Thomas Krueger. Nicht so die Korallen vom Golf von Aqaba. Tatsächlich schienen sich ihre physiologischen Funktionen sogar zu verbessern. Das deute darauf hin, dass sie momentan bei suboptimalen Temperaturen lebten und besser für eine künftige Erwärmung der Ozeane aufgestellt seien.

Erstaunlicherweise sind Vertreter der gleichen Korallenspezies (Stylophora pistillata) in anderen Weltregionen nicht unbedingt temperaturresistent. Warum ausgerechnet die Individuen im Golf von Aqaba so widerstandsfähig sind, sei bisher unklar, schrieb die EPFL. Die Forscher vermuten, dass dies mit der jüngeren Geschichte und speziellen Geografie des Roten Meeres zusammenhängt. Am Ende der letzten Eiszeit besiedelten Korallen das Rote Meer vom Süden her neu, von einer Verbindung zum Indischen Ozean her. Weil die Wassertemperaturen an diesem Zugang im Sommer 30 bis 32 Grad betrugen, konnten nur sehr temperaturresistente Individuen nach Norden vordringen. Diese Gründerpopulation fand im Golf von Aqaba ironischerweise wiederum kühlere Temperaturen vor.

Empfindlich gegenüber Umweltverschmutzung

Obwohl diese Korallen somit gute Chancen haben, die Auswirkungen des Klimawandels zu überstehen, sind sie doch empfindlich gegenüber Umweltverschmutzung. Lokale Störungen wie Ölverschmutzung, Nährstoffe aus Fischfarmen oder Pflanzenschutzmittel, die ins Wasser gelangten, könnten ihre Widerstandskraft herabsetzen, warnte Studienautor Maoz Fine von der israelischen Bar Ilan University und dem InterUniversity Institute of Marine Sciences. "Dieses Riff sollte international als Naturstandort von großer Bedeutung anerkannt werden", sagte Anders Meibom von EPFL und Uni Lausanne. Denn es könnte sehr wohl das letzte überlebende Korallenriff am Ende des Jahrhunderts sein. Die Forschenden rufen daher die Anrainerstaaten auf, ein Schutzprogramm zu lancieren.

Korallen sind Nesseltiere, die mit Algen in einer Symbiose, also einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen leben. Bei hohen Temperaturen werden die Algen giftig, die Korallen stoßen sie ab und verlieren ihre Farbe. Sie können sich davon zwar mitunter erholen, indem sich die Algen wieder ansiedeln, brauchen aber Jahre dafür. Kehren die Algen nicht zurück, sterben die Korallen ab. Wenn es künftig, wie Experten befürchten, zu regelmäßigen Korallenbleichen während der warmen Jahreszeit kommt, haben die Korallen keine Chance, sich zu erholen.

STICHWÖRTER
Klimawandel  | Biologie  | Meereskunde  | Schweiz  | Jordanien  | Lausanne  | Aqaba  | Umwelt  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung