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Zwergtintenfische jagen mithilfe eines "Lichtorgans" © Elizabeth Ellenwood
Zwergtintenfische jagen mithilfe eines "Lichtorgans" © Elizabeth Ellenwood

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Forscher: Erbgut-Update machte Tintenfische besonders schlau

08.01.2019

Tintenfische gehören zu den schlausten Bewohnern der Weltmeere, obwohl ihre Verwandten, die wirbellosen Tiere, sonst einfach gestrickt sind. Die Evolution hat bei ihrem Urahnen tief in die Trickkiste gegriffen und das Erbgut umfassend modernisiert, berichten österreichische Forscher mit Kollegen im Fachjournal "PNAS". Bewährte Gene erhielten zusätzliche Aufgaben und bei Bedarf kamen neue hinzu.

Das Team um Oleg Simakov vom Department für Molekulare Evolution und Entwicklung der Universität Wien und US-Forschern sequenzierte das Erbgut (Genom) von hawaiianischen Zwergtintenfischen (Euprymna scolopes). Bei ihnen und Oktopussen, die ebenfalls zu den Tintenfische gehören, sind große Teile des Genoms anders angeordnet, als bei den restlichen wirbellosen Tieren, so die Forscher. Im gemeinsamen Urahnen der beiden Kopffüßer habe sich demnach das Erbgut reorganisiert. "Dieses Update war wahrscheinlich ein wichtiger Bestandteil des Erfolges der Tintenfische", erklärte Simakov der APA. Dadurch entstanden einige Gene, die wohl zur Entwicklung des großen, schlauen Tintenfisch-Gehirns beitrugen.

Die Zwergtintenfische haben außerdem ein "Lichtorgan", das sie zum Jagen und Täuschen von Fressfeinden einsetzen, so die Wissenschafter. In diesem Organ leben symbiotische Bakterien (Vibrio fischerii), die leuchten. Es entstand, indem verschiedene Gene aus der Augenentwicklung eine neue, zusätzliche Aufgabe bekamen, und ist genetisch dem Auge sehr ähnlich, erklären sie.

Für ein anderes, sehr spezielles Tintenfischorgan zauberte die Evolution hingegen neue Gene hervor: Die Weibchen der Zwergtintenfische haben eine "akzessorische Nidamentaldrüse", wo in Zusammenarbeit mit symbiotischen Mikroben die Eikapseln beschichtet werden. "Man denkt, dass eine bestimmte bakterielle Zusammensetzung dieser Schicht für den Schutz der Eier wichtig ist", so Simakov. Für ihre Entstehung gab es wohl keine passenden Gene, also mussten neue her. Es wurde demnach mit einer völlig anderen Strategie hervorgebracht, als das Lichtorgan.

Service: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1817322116

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