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Wirkstoffe bedrohen Fische und andere Lebewesen © APA (Schlager)
Wirkstoffe bedrohen Fische und andere Lebewesen © APA (Schlager)

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Gewässerforscher: Steigende Umweltgefahr durch Schmerzmittel

10.04.2018

Es gelangen so viele Schmerzmittel in die Seen und Flüsse, dass Fische und andere Tiere immer stärker gefährdet werden, erklärten holländische Gewässerforscher bei einer Konferenz in Wien. Sie verfolgten, wie sich der Wirkstoff "Diclofenac" verteilt. Wenn seine Verwendung weiter zunimmt, steige auch die Umweltgefahr. Man sollte deshalb Pharmazeutika aus Abwässern filtern und vermindert einsetzen.

Diclofenac habe schon traurige Berühmtheit erlangt, als diese Substanz die Geier in Indien und Pakistan fast zum Aussterben gebracht hat, erklärte Francesco Bregoli von der UNESCO-Hochschule (IHE Institute for Water Education) in Delft (Niederlande) vor Journalisten bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien. Der Wirkstoff wird bei Menschen für Patienten mit leichten bis mittleren Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. In Österreich wird er sehr häufig verwendet. Er ist auch bei Veterinärmedizinern auf aller Welt beliebt. So bekamen die Kühe in Südostasien so viel davon, dass die Geier, die sich von ihren Kadavern ernährten, reihenweise das Zeitliche segneten. In Vögeln wirkt Diclofenac offensichtlich anders als in Säugetieren.

Schmerzmittelbelastung gefährdet alle Organismen

Auch für die Fische sei der Wirkstoff nicht ungefährlich, so Bregoli. Laut Studien gelangen bei Menschen 70 Prozent des Wirkstoffes über den Urin unverändert in die Umwelt. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, steige die Schmerzmittel-Belastung in den Gewässern bis 2050 um 65 Prozent. Dies gefährde sämtliche Gewässer-Organismen und alle Tiere, die sich von ihnen ernähren.

Abgesehen von Diclofenac gelte dies auch für die anderen Medikamente. Deswegen solle man die Abwässer möglichst gut mit technischen Mitteln von Pharmazeutika befreien. Laut Modellberechnungen würden aber selbst die fortschrittlichsten Technologien bei steigendem Medikamentenkonsum nicht einmal ausreichen, um die Wirkstoffkonzentrationen in den Gewässern auf heutigem Niveau zu halten. Deshalb plädieren die Forscher, zu überdenken, ob die Menschen tatsächlich so große Mengen des Wirkstoffes schlucken, schmieren und spritzen müssen.

In einer weiteren Studie haben Forscher Verunreinigungen durch Abwässer in 10.000 Flüssen und ihren Zuläufen weltweit untersucht. Durch die Verstädterung nehmen sie rasant zu. Die Abwässer der Kommunen werden zwar jeweils gereinigt, dies geschieht aber in viel zu geringem Ausmaß, erklärte Maryna Strokal von der Wageningen Universität in den Niederlanden. Selbst in hoch entwickelten Ländern wie Österreich gäbe es hier noch einiges Potenzial nach oben.

Service: https://www.egu2018.eu/

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