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Auch das Ambiente am IST Austria soll kreative Forschung fördern © APA (Pfarrhofer)
Auch das Ambiente am IST Austria soll kreative Forschung fördern © APA (Pfarrhofer)

Kooperationsmeldung

Harari: "Demokratische" Finanzierung fördert Top-Forschung nicht

16.06.2016

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem Institute of Science and Technology (IST) Austria, die redaktionelle Verantwortung liegt bei APA-Science

Ein "demokratischer Ansatz" bei der Vergabe von Mitteln an Universitäten und andere Forschungsinstitutionen könne kaum zu echter Spitzenforschung führen. Davon zeigte sich der Physiker und Vorsitzende des Exekutivausschusses des Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg, Haim Harari, bei einer Veranstaltung am 6. Juni ebenda überzeugt.

Damit an einer Institution Wissenschaft auf Weltniveau betrieben werden kann, müsse eigentlich "nur" ein einfaches Rezept eingehalten werden: Man holt die besten Leute, stellt ihnen großzügig bemessene Ressourcen zu Verfügung und lässt ihnen dann möglichst freie Hand. Das erklärten hochrangige Vertreter aus Forschung und Wissenschaftsmanagement bei der Diskussion zum Thema "Was Forschungsinstitutionen exzellent macht?" einhellig. Verfolge man allerdings den Ansatz, mehr oder weniger alle wissenschaftlichen Institutionen eines Landes mit in etwa den gleichen Mitteln auszustatten, führe das nur in Ausnahmefällen zu Top-Forschung, sagte Harari.

Bei der Umsetzung von Großprojekten, wie dem IST dürfe man nicht nach Rangreihen von Forschern vorgehen, die man gewinnen möchte. "Wenn man den Einen nicht bekommt, den man wirklich möchte, sollte man eher ein anderes Forschungsfeld machen", sagte Peter Gruss, bis 2014 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

Jubiläum "mehr Ostern als Weihnachten"

Bei der Konzeption und Umsetzung des IST habe man daher sehr genau darauf geachtet, wirklich die Besten zu holen und ihnen ein ideales Forschungsumfeld bereitzustellen, so der langjährige Präsident des Weizmann-Instituts in Rehovot (Israel) und einer der geistigen Väter der österreichischen Elite-Forschungseinrichtung. Vor genau zehn Jahren hatten Harari, der ehemalige Präsident der ETH Zürich, Olaf Kübler, und der im vergangenen Jahr verstorbene frühere MPG-Präsident und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Hubert Markl, das damals ins Stocken geratene Projekt "IST Austria" mit einem Bericht an die Politik sozusagen wieder Leben eingehaucht. Die nunmehrige Jubiläums-Veranstaltung sei somit kein "Geburtstags-, sondern ein Auferstehungsfest" - also "mehr Ostern als Weihnachten", erklärte Harari.

Zehn Jahre nach dem Bericht und sieben Jahre nach der Campus-Eröffnung sei man in vielen Bereichen auf einem guten Weg, "das Hauptziel, in die Topliga aufzusteigen, zu erreichen", sagte IST-Präsident Thomas Henzinger. Das lasse sich unter anderem an den seither sehr zahlreich eingeworbenen hochdotierten Förderpreisen des Europäischen Forschungsrates (ERC) ablesen. Das sah auch die frühere ERC-Präsidentin Helga Nowotny so und führte gleichzeitig ins Treffen, dass jede Institution einem gewissen Lebenszyklus unterliege: "Sieben Jahre sind ein wunderbares Alter", die "Midlife Crisis" komme im Regelfall dann in den 20ern, sagte die österreichische Wissenschaftsforscherin.

Schneller Aufstieg schützt nicht vor raschem Abstieg

Am Positivbeispiel IST zeige sich, wie schnell heutzutage ein herausragendes Forschungszentrum aufgebaut werden könne, wenn man das richtige Konzept unter den richtigen Rahmenbedingungen unbeirrt umsetzt, so der Präsident der ETH Lausanne, Patrick Aebischer. Angesichts dessen werde auch deutlich, dass es schnell wieder in die andere Richtung gehen könne.

Um über längere Zeiträume hinweg an der Spitze zu bleiben, müsse ein Institut laut Nowotny sicherstellen, dass es immer zu aufs Neue "kompetente Rebellen" anzieht. Das seien junge Leute, die den Stand der Forschung auf diversen Gebieten kritisch hinterfragen und gleichzeitig sehr hohe Kompetenzen auf diesen Gebieten haben.

Ohne breite Öffentlichkeit geht es nicht

Neben exzellenten Forschern brauche es allerdings auch "exzellente Kooperationen", wie Rolf-Dieter Heuer - bis Ende 2015 Generaldirektor des europäischen Kernforschungszentrums CERN - ins Treffen führte. Das beinhalte auch die Zusammenarbeit einer Institution mit der breiteren Öffentlichkeit. "Um wirklich innovativ zu sein, braucht es eine starke Verbindung zur Gesellschaft", betonte auch Olaf Kübler.

Nach Einschätzung des Chefs der Okinawa Institute of Science and Technology (OIST) in Japan, Jonathan Dorfan, habe Österreich mit dem IST aber auch ein weiteres "Portal in die Welt" bekommen. Ähnlich verhalte es sich mit dem OIST - der einzigen Forschungseinrichtung in Japan mit der Umgangssprache Englisch. Nicht umsonst gebe es viele Parallelen zwischen den beiden zu ähnlichen Zeitpunkten und mit vergleichbaren Zielsetzungen entstandenen Institutionen, so der US-Physiker.

Service: https://ist.ac.at/de

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