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Steinpilz, Fliegenpilz oder Trüffel versorgen Bäume mit Nährstoffen © APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Steinpilz, Fliegenpilz oder Trüffel versorgen Bäume mit Nährstoffen © APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

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Hohe Stickstoffeinträge setzen Pilzen und damit auch Waldbäumen zu

14.06.2018

Die Luftverschmutzung setzt den Pilzen und mit ihnen als Mineralstofflieferanten auch den Waldbäumen zu. Dies zeigt eine groß angelegte Studie unter Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Die Schweizer Wissenschafter gehen davon aus, dass die Grenzwerte für die Stickstoffbelastung zu hoch angesetzt sind.

Wissenschafter in 20 europäischen Ländern, darunter Österreich, haben insgesamt 40.000 Wurzeln aus 13.000 Bodenproben genetisch untersucht. Darunter befanden sich auch fünf Flächen in der Schweiz, wie die WSL mitteilte. An der Studie war auch das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) in Wien mit Ferdinand Kristöfel beteiligt.

Großflächige Studie

Die in "Nature" publizierte Studie unter Leitung des Imperial College London in Großbritannien ist die erste dieser Größe, welche die mit Bäumen in Symbiose lebenden Pilze detailliert untersucht. Zu diesen sogenannten Mykorrhiza-Pilzen, welche die Bäume mit Nährstoffen versorgen und dafür von diesen Zucker erhalten, gehören viele bekannte Pilze wie Steinpilz, Fliegenpilz oder Trüffel.

Die Studie auf insgesamt 137 Flächen ermöglichte es den Wissenschaftern, großflächige Trends bei den Bodenpilzen zu identifizieren. Dazu gehört auch dessen Toleranz gegenüber der Luftverschmutzung. Dabei hat sich gezeigt, dass die Stickstoffeinträge aus der Luft sowie das Klima den größten Einfluss auf die Pilze hätten.

Insbesondere Stickstoffeinträge, die unter anderem aus der Landwirtschaft und der Verbrennung von fossilen Brennstoffen stammen, können die Pilze und über diese auch den Ernährungszustand und die Gesundheit der Bäume beeinträchtigen.

"Europäische Grenzwerte vermutlich zu hoch"

"Ein bedeutendes Resultat dieser Studie ist, dass die europäischen Luftverschmutzungs-Grenzwerte vermutlich viel zu hoch sind", wird Studienleiter Martin Bidartondo vom Imperial College London in einer Mitteilung zitiert. Die in der Studie verwendeten Daten und Standorte stammen vom europäischen Waldbeobachtungs-Netzwerk "International Co-operative Programme on Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests" (ICP Forests).

Seit 2017 hat ein Forscher der WSL den Vorsitz von ICP Forests. Es handelt sich dabei um eines der größten Netzwerke der Welt, das Landökosysteme beobachtet und überwacht. In ganz Europa werden in jedem Land bei der Probenahme und Analyse vergleichbare Methoden angewendet, was einen europaweiten Vergleich der Auswirkungen der Luftbelastung auf den Wald ermöglicht.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41586-018-0189-9

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