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Hightech-Kleidung misst Körperfunktionen der Rinder © APA (dpa)
Hightech-Kleidung misst Körperfunktionen der Rinder © APA (dpa)

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Japans coole Kühe: "Kühlbody" soll vor Sommerhitze schützen

20.04.2017

Wenn in Japan der Hochsommer kommt, verwandeln sich Städte wie Tokio oder Kyoto schnell in Backöfen. Feuchtschwüle Luft wabert über die glühenden Straßen und permanent laufen die Klimaanlagen, was das Problem über die Abwärme noch verschärft. In dieser Zeit haben Anbieter kühlender Hightech-Unterwäsche Hochkonjunktur. In Japan sollen nun auch Milchkühe von sogenannten Wearables profitieren.

Beim Agrar-, Forst- und Fischereizentrum in der Präfektur Kyoto läuft dazu ein eigenwilliges Experiment: Eine Art "Kühlbody" für Kühe wird getestet. Er sieht aus wie ein überdimensioniertes T-Shirt, das den Kühen übergestreift wird und besteht aus einem Hightech-Gewebe, das kühlend wirkt. Ähnliches tragen Sportler im Sommer schon seit längerem. Warum also nicht auch Kühe? Das dürften sich die Entwickler der japanischen Bekleidungsfirma Gunze gedacht haben. Was wie ein verspäteter Aprilscherz anmutet, ist ein Projekt, in das die Milchbauern von Kyoto große Hoffnung setzen.

Bei Hitze geben Kühe weniger Milch

"Kyoto ist eine sehr heiße Region im Sommer", sagt Toshiyuki Yamaoka vom Livestock Technology Department des Zentrums. Der Klimawandel verschärfe die Situation weiter. Für die aus Nordeuropa stammenden Rinder der Rasse Holstein sei Hitze eine Qual, sie produzierten dann weniger Milch. Die Wohlfühltemperatur von Rindern liegt bei etwa minus fünf bis plus 16 Grad. "Die Bauern hier arbeiten mit Ventilatoren und Vorhängen, die den Stall vor der Sonne schützen, aber die haben auch nicht mehr gereicht", erklärt Yamaoka. Die Bauern wandten sich an das Unternehmen Gunze, das in der Präfektur ein Forschungsinstitut betreibt und für seine Funktions-Textilien bekannt ist.

Aber macht es wirklich Sinn, jeder einzelnen Kuh ein technisch aufwendiges Shirt überzuziehen? Nicole Kemper, die das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover leitet, ist skeptisch. "Ich glaube nicht, dass sich das sehr zum Kuhwohl auswirken wird." Da der Body nur einen kleinen Teil des Kuhkörpers bedeckt, dürfte der Effekt nicht allzu groß sein. Es wäre sinnvoller, die Temperatur im Stall zu senken. Kühe legten sich beispielsweise auf kalte Flächen, um sich zu kühlen.

"Ushiburu" nennt sich der Kühlbody für Rinder, den die Firma und die Bauern von Kyoto derzeit gemeinsam entwickeln. Der Name setzt sich aus den Worten "Ushi" für Kuh und der phonetischen Endung des aus dem Englischen übernommenen Wortes "wearable" zusammen. Wearables sind technische und elektronische Geräte, die man am Körper oder an der Kleidung trägt, etwa mit Sensoren bestückte Fitnessarmbänder, Brillen oder Smartwatches. Viele der Geräte zeichnen Körper-Daten wie Blutdruck und Temperatur auf, um beispielsweise vor Überanstrengung oder Überhitzung zu warnen.

Kühlendes Gewebe

Ähnlich soll der "Ushiburu" funktionieren. Das Textilgewebe habe kühlende Wirkung, heißt es bei Gunze. Ein angeschlossenes Befeuchtungssystem solle den Stoff zugleich mit Wasser benetzen, was eine zusätzliche Kühlung bewirke. Gesteuert werde die Wasserzufuhr über Sensoren. Weitere Tests seien nun für die heißen Sommertage geplant, hieß es. Für die Kühe stelle das Tragen des Anzugs keinen Stress dar.

Veterinärmedizinerin Kemper ist da allerdings nicht so sicher. Auch wenn sie den Kühlbody für nicht praxistauglich hält, die Forschung dahinter findet sie durchaus interessant. Sensoren, die direkt am Tier Körperfunktionen messen und aufwendigere medizinische Maßnahmen teilweise ersetzen, könnten durchaus sinnvoll sein. So könnten die Sensoren auch an das Kühlungssystem des Stalls gekoppelt werden. Ihr Fazit zum japanischen Projekt: "Das ist sicherlich von der Forschung her ein ganz interessanter Ansatz. Bei der praktischen Anwendung ist es eher im Bereich Quatsch anzusiedeln."

Von Lars Nicolaysen/dpa

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