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Untersuchungen in der Ostsee © APA (dpa)
Untersuchungen in der Ostsee © APA (dpa)

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Kampfmittel im Meer: Viele Fische mit Tumoren

16.05.2017

Die von alten Kampfmitteln auf dem Grund von Ost- und Nordsee ausgehende Gefahr für die Umwelt könnte größer sein als bisher vermutet. Bei Untersuchungen des Plattfisches Kliesche am Rande der mit alten Kampfstoffen belasteten Kolberger Heide in der Kieler Außenförde wurde eine 25-prozentige Rate von Lebertumoren festgestellt.

Darauf wies Ulrike Kammann vom Hamburger Thünen-Institut für Fischereiökologie bei einer Fachkonferenz im Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Rostock-Warnemünde hin. In drei Vergleichsgebieten in der Ostsee sei die Tumorrate bei unter fünf Prozent gelegen.

In Ost- und Nordsee wurden nach den Weltkriegen Schätzungen zufolge etwa 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und 220.000 Tonnen chemische Kampfmittel versenkt, darunter auch in der Kolberger Heide. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich ihr Zustand durch Rost teils dramatisch verschlechtert, der Sprengstoff TNT gelange bereits in kleineren Mengen in die Umwelt.

Missbildungen bei Fischembryos

"Die Daten sind wichtige Hinweise darauf, dass wir dort genauer hinschauen müssen", sagte Kammann. Im Verdacht, die Tumore zu verursachen, steht TNT beziehungsweise seine Abbauprodukte. Im Labor sei die Giftigkeit des TNT bereits nachgewiesen. Bei Fischembryonen seien Missbildungen bei Wirbelsäulen aufgetreten.

In weiteren Versuchen sollen nun gesunde Kliesche in der Kolberger Heide untersucht werden. Sie werden dort einige Wochen lang in Netzkäfigen gehalten. Diese Zeit sei zwar zu kurz, um Lebertumore auszubilden, es könnten aber möglicherweise Vorstufen entdeckt werden.

Eine Arbeitsgruppe vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel hatte festgestellt, dass Muscheln, die direkt auf den verrosteten Bomben sitzen, das TNT aufnehmen. Nun komme hinzu, dass Vögel Muscheln fressen, sagte Claus Böttcher vom Umweltministerium in Kiel.

Abbaustoffe noch giftiger als TNT selbst

Das TNT, das aus den Bomben tritt, könne sich an Algen lagern, die Algen könnten das TNT aber auch verstoffwechseln. "Da entstehen dann Abbaustoffe, die noch giftiger sind als das TNT selbst." Es sei auch bekannt, dass sich das TNT an kleine Plastikpartikel anlagert. "Dort ist eine überraschend hohe TNT-Konzentration festzustellen, die sich dann auch in Vogelmägen findet", sagte Böttcher.

Er warnte aber davor, bei dem aktuellen Stand der Forschung von den Kampfmitteln als alleinigem Grund der Tumorbelastungen bei Fischen auszugehen. "Wir haben im Meer eine gigantische Belastung aus verschiedenen Quellen mit Chemikalien oder Schwermetallen, da kommt die TNT-Belastung durch die Munitionskörper dazu."

Positiv sei, dass die meisten der versenkten Minen, Bomben und Granaten noch geschlossen sind. "Wir haben bestimmt noch 30 Jahre, in denen wir in Ruhe mit dieser Belastung umgehen können", sagte Böttcher. Die Bomben könnten beispielsweise geborgen werden. So seien im vergangenen Jahr 3000 Granaten geborgen worden.

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