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Jede fünfte Pflanze Europas wurde in andere Erdteile verschleppt © APA (Gindl)
Jede fünfte Pflanze Europas wurde in andere Erdteile verschleppt © APA (Gindl)

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Kulturfolger-Pflanzen höchst effektiv aus Europa verschleppt

04.12.2017

Jede fünfte Pflanze Europas ist von Menschen in andere Erdteile verschleppt worden und hat sich dort eingebürgert. Am effizientesten passiert das bei Kulturfolgern, die in städtischen oder intensiv landwirtschaftlich genutzten Gefilden zu überleben lernten, so ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Schon fast die Hälfte davon ist Weltbürger. Die Studie erschien im Fachjournal "Pnas".

Mittlerweile sind weltweit über 13.000 Pflanzenarten in andere Regionen verbracht worden, einen - auf die Fläche bezogen - übergroßen Anteil davon trug Europa mit 2.500 Gewächsen bei, erklären die Forscher um Veronika Kalusova von der Universität Brünn (Tschechien). Das sind mehr als ein Fünftel der in Europa heimischen 12.000 Gefäßpflanzen-Arten und fast so viele, wie in Österreich wachsen (3.000). Die Forscher untersuchten, welche Bedingungen die Verbreitung der europäischen Auswanderer auf anderen Kontinenten begünstigten.

"Arten, die es schon im Heimatgebiet Europa geschafft haben, sich an von Menschen extrem veränderte oder sogar neu geschaffene Lebensräume anzupassen, haben einen großen Vorteil dabei, ferne Gebiete zu besiedeln", sagte Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien im Gespräch mit der APA. Sie leben oft nahe von menschlichen Siedlungen und wirtschaftlichen Aktivitäten, was die Chancen vergrößert, dass sie über Erdreich oder verunreinigtes Saatgut verschleppt werden. Außerdem hätten solche Gewächse schon im Heimatgebiet quasi bewiesen, dass sie gut in von menschlichen Aktivitäten geprägten Gebieten zurechtkommen, wo sie ja mit größter Wahrscheinlichkeit nach einer Fernreise zunächst ankommen.

Dadurch wurde fast jede zweite Pflanze, die in Europa in solchen Lebensräumen wie Städten, Äckern und "Gstätten" vorkommen, mittlerweile auf anderen Kontinenten eingebürgert, so Essl. Solche Gebiete gäbe es heute weltweit in großer Ausdehnung und Zahl, was für die Auswanderer sehr hilfreich ist.

Service: http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1705487114

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