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Koffein wird mithilfe spezieller Aktivkohle gezielt entzogen © APA (Pfarrhofer)
Koffein wird mithilfe spezieller Aktivkohle gezielt entzogen © APA (Pfarrhofer)

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Neues Verfahren für schonendes Entkoffeinieren von Tee entwickelt

16.06.2017

Tee ohne Koffein, der trotzdem noch nach Tee schmeckt: Dafür haben Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein schonendes Verfahren entwickelt. Damit lässt sich gezielt das Koffein entfernen, während die anderen Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

Wer am Abend nicht auf schwarzen oder grünen Tee verzichten will, riskiert eine schlaflose Nacht. Eine Alternative wären entkoffeinierte Varianten. Dafür brauchte es jedoch bisher Verfahren mit chemischen Lösungsmittel, um die Qualität zu erhalten. Diese sind zwar unbedenklich und werden anschließend wieder entfernt, dennoch wären natürliche Verfahren wünschenswert.

Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW haben ein solches entwickelt, das ohne chemische Lösungsmittel auskommt, wie es nun in einer Mitteilung hieß. Dafür verwenden sie nur Wasser, um ein Extrakt des Tees herzustellen. Diesem wird anschließend mithilfe spezieller Aktivkohle das Koffein gezielt entzogen. Das Produkt dieses Prozesses - quasi ein gesättigter Teeaufguss minus Koffein - dient anschließend als natürliches Lösungsmittel für die Entkoffeinierung des Tees.

Jahrelange Forschung

Die optimale Aktivkohle und passende Bedingungen zu finden, sowie das Verfahren für eine Prototyp-Anlage hoch zu skalieren, dauerte insgesamt rund sieben Jahre im Rahmen zweier von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) unterstützter Projekte, verriet ZHAW-Forscher Carlo Weber.

Das Endprodukt des neuen Entkoffeinierungsverfahrens testeten zum einen er und seine Kollegen mit Analyseverfahren im Labor. Zum anderen prüfte der Industriepartner des Projekts, der Teehersteller Infre, die sensorische Qualität. Mit gutem Ergebnis. Vom Prototyp-Maßstab bis zur industriellen Herstellung ist es jedoch noch ein großer Schritt, der Zeit braucht.

"Tee ist extrem vielfältig und wir wollen das Verfahren für möglichst viele Teesorten anwendbar machen", sagte Weber. "Bei einigen Sorten schneiden wir schon sehr gut ab, bei anderen arbeiten wir weiter an Verbesserungen."

Zwar gab es bereits zuvor natürliche Verfahren zur Entkoffeinierung von Tee, beispielsweise mit superkritischem Kohlendioxid oder dem natürlichen Lösungsmittel Ethylacetat. Allerdings sind diese sehr energieintensiv und deshalb nicht wirtschaftlich, oder erreichen nicht die gewünschte Qualität des Endprodukts.

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