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Akustisches Überwachungssystem findet auch in weiteren Staaten Gehör © APA (AFP)
Akustisches Überwachungssystem findet auch in weiteren Staaten Gehör © APA (AFP)

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Steirische "Tunnelohren" kommen in Südengland zum Einsatz

05.12.2017

Mehr Zeit, um bei kritischen Ereignissen in Tunnels reagieren zu können, bringt ein Monitoringsystem, das von der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research (JR) entwickelt wurde. Es regiert auf abnorme Geräusche in der Verkehrsröhre und löst einen Alarm aus. Das System stößt nun auch in Südengland, Norwegen, Schweden, Dänemark und China auf Gehör, hieß es im Pressegespräch in Graz.

Das akustische Tunnelüberwachungssystem (AKUT) wurde von der Forschergruppe um Franz Graf am Joanneum Research gemeinsam mit der Asfinag bis zur Serienreife entwickelt. Es kam erstmals im Jahr 2010 als Pilotprojekt auf der Brucker Schnellstraße (S35) im Kirchdorftunnel zum Einsatz. Mittlerweile ist es in 17 österreichischen Tunnels in Betrieb.

Mikrofone "hören mit", was im Tunnel passiert

Das Prinzip des akustischen Monitorings ist simpel: Rund 50 Mikrofone im Abstand von etwa 125 Metern nehmen alle Geräusche auf und "hören" also, was im Tunnel passiert. Die steirische Software kann die herkömmlichen Verkehrs- von typischen Unfallgeräuschen unterscheiden. Denn der Aufprall eines Fahrzeugs gegen die Tunnelwand oder der Zusammenprall zweier Fahrzeuge, ja selbst ein Reifenplatzer sind praktisch immer von ganz charakteristischen Geräuschen begleitet. Werden diese erkannt, löst das System wiederum einen akustischen Alarm aus. So kann die damit verbundene Überwachungszentrale der Asfinag sofort reagieren.

"Das Erkennen eines ungewöhnlichen Ereignisses dauert weniger als eine Sekunde", betonte Projektleiter Franz Graf im Pressegespräch. Der Zweitvorsprung bei der Alarmierung liege damit bei durchschnittlich zwei bis zu viereinhalb Minuten. Für Graf liegen die Vorteile des Systems auf der Hand: "Die Ampel am Portal kann bei einem ungewöhnlichen Ereignis viel schneller auf Rot geschalten werden. Damit können keine weiteren Autos mehr in die Gefahrenzone einfahren und in Folge müssen weniger Personen aus der Röhre gerettet werden". Vorteilhaft sei zusätzlich, dass das akustische Monitoring auch bei Sichtbehinderung wie beispielsweise starkem Rauch wirksam sei.

Auch Ausland bekundet Interesse

Die Idee des akustischen Monitoring ist mittlerweile ein fester Bestandteil in 17 österreichischen Tunnels geworden. "Um Minuten schneller reagieren - das kann, wenn es um Leben und Tod geht, entscheidend sein", betonte Asfinag-Vorstandsdirektorin Karin Zipperer. Die Asfinag habe die "Tunnelohren" in den vergangenen sieben Jahren daher bereits in 17 Röhren eingebaut. "Acht weitere sollen bis 2019 folgen, bis 2029 werden es in Summe 56 sein", sagte Zipper. Insgesamt wird die Asfinag dann 25 Mio. Euro investiert haben.

Mittlerweile gibt es auch internationales Interesse an AKUT. In Südengland wird damit im Jänner kommenden Jahres ein Pilot-Tunnel in Southwick in Betrieb gehen. Nach einer sechsmonatigen Evaluierung wollen die "Highways England" dann entscheiden, ob und welche weiteren Tunnels mit dem System ausgestattet werden, führte JR-Geschäftsführer Wolfgang Pribyl aus. Parallel zu diesem Projekt würden bereits Gespräche mit Autobahnbetreibern und Vertriebspartnern in Norwegen, Schweden und Dänemark laufen.

Service: https://www.joanneum.at/digital/produkteloesungen/akut.html

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