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Für Steven Chu ist eine Klimaerwärmung von weniger als zwei Grad Celsius unwahrscheinlich © APA
Für Steven Chu ist eine Klimaerwärmung von weniger als zwei Grad Celsius unwahrscheinlich © APA

Kooperationsmeldung

Trotz Trump - Nobelpreisträger Chu sieht Chancen für Klimapolitik

30.11.2016

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem Institute of Science and Technology (IST) Austria, die redaktionelle Verantwortung liegt bei APA-Science

Auch wenn mit Donald Trump nun ein US-Präsident in den Starlöchern steht, der den Klimawandel als Schwindel ansieht, könnten Fortschritte in der Klimapolitik erzielt werden. Davon zeigte sich der frühere US-Energieminister unter Barack Obama und Physik-Nobelpreisträger Steven Chu vor Journalisten in Wien überzeugt. Es liege an China und der EU, Druck auf die USA aufzubauen.

Der beste Weg für die USA wäre laut Chu zusammen mit der EU und China einen sinnvollen Preis für die Kohlendioxid-Emissionen festzulegen. Macht die Trump-Administration da nicht mit, ginge es laut dem Wissenschafter, der 1997 den Nobelpreis für das Kühlen und Einfangen von Atomen mit Laserlicht zuerkannt bekam und von 2009 bis 2013 Energieminister war, auch ohne die USA.

Würden wichtige Wirtschaftsmächte einen solchen - nicht zu niedrigen - Preis einführen und etwa Importzölle oder Steuern auf Waren aus den USA in ungefähr gleichem Ausmaß erhöhen oder neu einführen, würde das die US-Wirtschaft und Trump zum Handeln zwingen - auch wenn er nicht an den Klimawandel glaubt. Und es sehe tatsächlich so aus, als wäre Trump und sein Umfeld der Meinung, "dass der Klimawandel nicht real ist", so Chu, der am 30. November einen Vortrag zum Thema "Klimawandel, saubere Energie und Nanotechnologie für Energie" am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) hält.

Einigung innerhalb der EU möglich

Er glaube aber, dass innerhalb der EU eine Einigung möglich ist und "zumindest die chinesische Zentralregierung nach Lösungen für das Energiesystem der Zukunft sucht", so der Wissenschafter. Gleichzeitig betonte er, dass die Welthandelsorganisation (WTO) hier mit an Bord sein sollte, es im Sinne eines fairen Wettbewerbs für die WTO dann auch kaum Grund zum Einspruch gebe.

Sicher sei: "Wir müssen mit solchen Dingen jetzt beginnen. Wir können nicht vier Jahre auf eine Wahl warten, die möglicherweise etwas ändert." Man sehe nämlich bereits, dass sich die Wettermuster veränderten. Neue Klima- und Satellitendaten zeigen zudem, dass die Auswirkungen der bisherigen Veränderungen vermutlich schon massiver sind als Klimamodelle in der Vergangenheit prognostiziert hatten. Ging man vor zehn Jahren etwa noch davon aus, dass zumindest die Eismasse in der Antarktis anwachsen würde, sei nun klar, dass dem eher nicht so sein wird, weil das Meereis schmilzt und riesige Eismassen über Land "wie eine Lawine" in das wärmere Wasser nachrutschen.

Dass sich die Klimaerwärmung, wie im Abkommen von Paris vorgesehen, wirklich auf weniger als zwei Grad Celsius über der weltweiten Durchschnittstemperatur des vorindustriellen Zeitalters limitieren lässt, sei fraglich. "Wir werden eher in Richtung drei Grad plus oder mehr gehen", sagte Chu. Diese Entwicklung sei jetzt schon sehr problematisch. "Für Menschen in 100 oder 150 Jahren wird das umso beunruhigender", so der Forscher.

Speicherung vom Kohlendioxid in der Erde spielt wichtige Rolle

Im Energiemix der Zukunft werden Kohle, Öl, Erdgas und Atomkraft auch weiterhin eine, wenn auch untergeordnetere Rolle spielen, ist Chu überzeugt. Mit Sonnen- und Windstrom den Anteil erneuerbarer Energien auf einen Wert zwischen fünf und 25 Prozent zu erhöhen, sei technisch zwar gut machbar, gehe es in Richtung 50 Prozent würde es allerdings schwer. Eine wichtige Rolle würde in Zukunft auch die Speicherung vom Kohlendioxid mittels CCS-Technologien (Carbon Capture and Storage) in der Erde spielen. Zum Ausrollen der Kernfusion werde es in den kommenden 50 Jahren vermutlich noch nicht kommen. "Hier sind noch große technische Probleme zu lösen", zeigte sich Chu überzeugt.

Er bereue nicht, den Schritt von der Wissenschaft in Richtung Politik und wieder zurück gegangen zu sein. Chu, der an der Universität Stanford arbeitet, zeigte sich davon überzeugt, dass mehr Forscher diesen Weg einschlagen sollten. Wenn der Leiter einer Behörde ein "wissbegieriger Wissenschafter ist, der die Details erfahren möchte", dann könnten sie vermutlich bessere Entscheidungen treffen "oder zumindest die richtigen Fragen stellen".

Service: Der Vortag von Steven Chu am IST Austria ist ausgebucht, kann aber via Livestream unter http://ist.ac.at/webcast mitverfolgt werden.

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