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Für den IST Austria-Präsidenten ist der ERC zum Gütesiegel geworden © APA (Techt)
Für den IST Austria-Präsidenten ist der ERC zum Gütesiegel geworden © APA (Techt)

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10 Jahre ERC - IST Austria Chef: "Es gibt kein Erfolgsgeheimnis"

09.03.2017

Die Zahl der Förderpreise (engl. grant) vom Europäischen Forschungsrat (ERC) an einer Institution gilt mittlerweile als Schlüsselindikator für deren wissenschaftlichen Anspruch. Das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg zählt mit 31 ERC-Grants zu den Spitzenreitern in Österreich. Das Erfolgsgeheimnis? "Es gibt keines", sagte IST-Präsident Thomas Henzinger zur APA.

Nach Absolutzahlen führt die Universität Wien das nationale Ranking mit 37 ERC-Grants an, das IST liegt mit 31 Förderpreisen auf Rang zwei. Legt man aber die Zahl der Förderpreise auf jene der Forscher um, präsentiert sich das IST eindrucksvoll: 28 der insgesamt 45 Professoren, also mehr als 60 Prozent, haben einen ERC-Grant, drei davon bereits zwei.

Genehmigungsrate von 50 Prozent

"Fast noch stolzer bin ich auf unsere Genehmigungsrate: 50 Prozent unserer Anträge beim ERC waren bisher erfolgreich", sagte Henzinger. Im Schnitt liegt die Genehmigungsrate beim ERC bei elf Prozent.

Dennoch warnt Henzinger davor, die Qualität einer Institution nur anhand des Prozentsatzes von ERC-Preisträgern zu bewerten. "Es ist wahrscheinlich besser als jede andere Zahl, die wir derzeit haben, aber dennoch gefährlich, gute Forschung auf irgendeine einzelne Zahl oder Aspekt zu reduzieren."

Eine Frage der Einschätzung

Erfolgreich beim ERC sei das IST "einfach dadurch, dass wir versuchen, jene Leute zu berufen, die schon die beste Wissenschaft gemacht haben, bzw. von denen wir glauben, dass sie das größte Potenzial haben". Das IST verwende dafür im Wesentlichen Kriterien, die auch der ERC bei seiner Beurteilung der Anträge heranziehe, etwa die Top-Publikationen oder den Forschungsplan. "Daher ist es nicht so überraschend, dass wir Leute gleich einschätzen", sagte Henzinger.

Wichtig ist für Henzinger auch "ein gutes Grant-Office", also eine Stelle, die Forscher bei den Anträgen auf Forschungsförderung unterstützt. "Der Inhalt des Antrags muss natürlich vom Forscher kommen, aber das Grant-Office kennt die Regeln, weiß was wichtig ist und nimmt dem Wissenschafter die gesamte administrative Komponente ab", so Henzinger.

Ein Quantum Glück

Angesichts des hohen Prozentsatzes an Professoren mit einem ERC-Grant gebe es mittlerweile durchaus internen Druck am IST. "Aber man muss sich auch vor Augen halten, dass beim Erfolg eines Antrags auch ein großes Quantum Glück dabei ist", so Henzinger. Deshalb werde niemanden vorgeworfen, wenn ein Antrag nicht durchgehe.

Problematisch sieht Henzinger eher, dass sich Leute gar nicht bewerben konnten, weil es beim ERC "Altersobergrenzen und absurderweise sogar Altersuntergrenzen, also eine Minimumzeit nach dem PhD, gibt". Kritisch sieht der IST-Chef auch, "dass ein ERC-Grant etwa in Mathematik genauso groß ist wie ein ERC-Grant in einem experimentellen Fach", obwohl dabei völlig unterschiedliche Kosten anfallen.

Ein Gütesiegel

Höher als den finanziellen Aspekt bewertet Henzinger den Wert eines ERC-Grants als Gütesiegel: "Es ist wie ein Stempel 'Europäischer Top-Forscher'", und der werde mittlerweile global anerkannt. Wenn man sich etwa die Liste der "Advanced Grants" in Computerwissenschaft anschaue, sei das ein "Who is Who" des Fachgebiets in Europa. "Das hat natürlich großen Wert, Mitglied dieses Klubs zu sein", so Henzinger.

Für den IST-Chef wäre es wichtig, dass der ERC auch im nächsten EU-Forschungsprogramm "in der derzeitigen Form und Größenordnung beibehalten wird". Denn er ortet durchaus Druck vor allem jener Länder, die nicht viele Grants erhalten. Zudem gehe mit Großbritannien ein großer Befürworter des ERC verloren.

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