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Jahrestag des Waffenstillstands am 11. November 1918 © APA (dpa)
Jahrestag des Waffenstillstands am 11. November 1918 © APA (dpa)

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1918/2018 - Die Welt gedenkt des Endes des "Großen Krieges"

31.10.2018

Weltweit wird kommende Woche des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht. In Österreich hält man es diesbezüglich mit Karl Habsburg, der jüngst in der Tageszeitung "Kurier" verkündet hatte, dass es für seine Familie "nicht wirklich was zu feiern" gebe. Bundespräsident Alexander Van der Bellen will an einer Friedenskonferenz in Paris teilnehmen.

In Frankreich und Großbritannien wird der Jahrestag des Waffenstillstands im "Großen Krieg" am 11. November 1918 alljährlich groß gefeiert. Auf der Insel sind zum "Armistice Day" überall rote Mohnblumen zu sehen, auch Fernsehmoderatoren und Fußballspieler tragen sie, um an die Gefallenen des Krieges zu erinnern. Die Mohnblumen wuchsen auf den Schlachtfeldern in Flandern, wo die britische Armee ihre größten Verluste zu beklagen hatte.

"Den Frieden feiern"

Zudem sollen heuer im ganzen Land die Glocken geläutet werden, um die Toten zu ehren und "den Frieden zu feiern", wie es seitens der britischen Regierung heißt. Durch den bevorstehenden EU-Austritt des Landes haben die Kriegsfeiern heuer eine besondere Note, ziehen doch Befürworter und Gegner des Brexit unterschiedliche Schlüsse aus den damaligen Ereignissen.

Auch vor dem Hintergrund der Brexit-Entscheidung will die britische Regierung den Weltkriegsfeiern eine basisdemokratische Note geben. Höhepunkt des Gedenken ist am 11. November eine "Volksprozession" rund um den Cenotaph in der Londoner Innenstadt, dem Denkmal für die Kriegsgefallenen. 10.000 Menschen sollen an der Prozession im Regierungsviertel teilnehmen und Kränze niederlegen dürfen. Die Tickets für die Veranstaltung unter dem Titel "Das Dankeschön einer Nation" werden verlost.

Diesseits des Ärmelkanals soll es pompöser zugehen. Dort will der französische Präsident Emmanuel Macron mit den Weltkriegsfeiern seine deutlich geschwächte politische Position stärken. Schließlich ist der siegreiche Erste Weltkrieg für Frankreich so konsensbildend wie kaum ein anderes historisches Ereignis. Frankreich "kommuniziert im populären und nationalen Gedenken" an den Ersten Weltkrieg, hieß es vor vier Jahren, als schon der 100. Jahrestag des Kriegsausbruch groß begangen wurde, in einem Magazinbeitrag.

"Paris Peace Forum" ab 11. November

Macron darf zu den Kriegsfeiern nicht nur US-Präsident Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin begrüßen, er will dem Gedenken auch merklich seien persönlichen Stempel aufdrücken. So findet vom 11. bis 13. November auf Initiative Macrons das erste "Paris Peace Forum" statt, bei dem Experten und NGO-Vertreter unter den Augen von 80 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt über innovative Lösungen für die Herausforderungen der heutigen Welt diskutieren wollen. Die Eröffnungsreden sollen am Nachmittag des 11. November UNO-Generalsekretär Antonio Guterres und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel halten.

"Wir dürfen niemals Schlafwandler in unserer Welt sein, lasst uns immer wachsam sein", begründete Macron zu Jahresbeginn seine Initiative mit dem mittlerweile zum geflügelten Wort gewordenen Buchtitel des australischen Historikers Christopher Clarke, demzufolge die europäischen Spitzenpolitiker wie Schlafwandler in den Ersten Weltkrieg getaumelt sind. "Als der Waffenstillstand im Jahr 1918 den Ersten Weltkrieg beendete, gab es einen Wunsch: Niemals wieder", erinnerte Macron. Tatsächlich habe die Demokratie dann an Boden verloren, Nationalismus und Totalitarismus "ergriffen ihre Chance, und der Zweite Weltkrieg war da. Dieses Risiko verfolgt uns", mahnte er mit Blick auf aktuelle "Zweifel" an der Demokratie, Nationalismus und das Fehlen internationaler Kooperation.

In den USA, die nach Ansicht vieler Historiker mit ihrem Kriegseintritt im Jahr 1917 den Ausschlag zugunsten der Alliierten gegeben haben, scheint man indes andere Lektionen aus dem Ersten Weltkrieg zu ziehen. US-Präsident Trump wollte eigentlich eine "große Parade" in Washington veranstalten, sagte diese aber ab, weil die "Lokalpolitiker" in der US-Hauptstadt einen "lächerlich hohen Preis" dafür verlangt hätten. Nachsatz: "Jetzt können wir mehr Kampfflieger kaufen."

Service: Das gesamte Themenpaket zum 100. Jahrestag des Weltkriegsendes finden Sie im Lauf des Tages unter: http://science.apa.at/Gedenkjahr2018

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