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Tockner will "Dialog zwischen Grundlagenforschung und Gesellschaft" © APA (Fohringer)
Tockner will "Dialog zwischen Grundlagenforschung und Gesellschaft" © APA (Fohringer)

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50 Jahre FWF: Grundlagenforschung als "Versicherung in die Zukunft"

05.09.2018

Vor 50 Jahren wurde der Wissenschaftsfonds FWF gegründet und hat seither die Grundlagenforschung in Österreich mit in Summe rund vier Mrd. Euro gefördert. Für FWF-Präsident Klement Tockner sind diese Investitionen "eine Versicherung, um uns für jene großen Herausforderungen der Zukunft zu wappnen". Das Jubiläum feiert der FWF ab Samstag mit einem Wissenschaftsfest am Maria-Theresien-Platz in Wien.

Im Herbst 1967 wurde das Forschungsförderungsgesetz (FFG) beschlossen, mit dem zwei Einrichtungen ins Leben gerufen wurden: der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) zur Unterstützung der Grundlagenforschung und der Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft FFF, der sich um die angewandte Forschung kümmert und später in der heutigen Forschungsförderungsgesellschaft FFG aufgegangen ist. Mit der Konstituierung 1968 nahm der FWF seine Arbeit auf.

Gründung als erster Erfolg

Für Tockner war die Gründung des FWF bereits sein erster Erfolg: "Das war schon ein visionärer Schritt damals, als viele überhaupt nicht verstanden haben, warum sie sich als Spitzenforscher plötzlich um im Wettbewerb vergebene Drittmittel bemühen müssen." Auch die Unabhängigkeit, die man dem FWF damals gewährt habe, sei "ein großer Meilenstein". Diese Unabhängigkeit hat sich der Fonds trotz Versuchen, diese einzuschränken, bis heute bewahrt: Im Gegensatz zu anderen Fördereinrichtungen ist der FWF eine gesetzlich unabhängige Organisation und keine nachgeordnete Dienststelle eines Ressorts.

Diese Unabhängigkeit zeigt sich auch bei der Vergabe der Förderungen, die ausschließlich auf internationalen Gutachten beruht. Dabei ist die Nachfrage nach FWF-Mitteln seit Jahren deutlich höher als das zur Verfügung stehende Budget: 2017 wurden Projekte im Ausmaß von 875 Mio. Euro beantragt, tatsächlich konnten nur 217,3 Mio. Euro vergeben werden. Unter den abgelehnten Vorhaben waren Projekte mit einem Volumen von 83,7 Mio. Euro, die exzellent bewertet waren und nur wegen Geldmangels keine Förderung erhielten.

Geldmangel als Konstante

Geldmangel ist ein Thema, das sich durch die gesamte Geschichte des FWF zieht. Tockner zählt deshalb die kürzlich erfolgte Stabilisierung der Finanzierung und das von der Regierung angekündigte Forschungsfinanzierungsgesetz, das eine verbindliche mehrjährige Finanzierung mit einem Wachstumspfad garantieren soll, zu den "jüngsten Meilensteinen" des Fonds.

Die Schweiz oder Holland würden weitaus mehr in die wettbewerbliche Grundlagenforschung investieren, "weil sie wissen, dass dort die Innovationen entstehen". Tockner plädiert daher dafür, mehr für die Grundlagenforschung aufzuwenden - dies aber nicht zulasten der anwendungsorientierten Forschung. "Das wäre kontraproduktiv, es braucht beides." Dass die Grundlagenforschung in Österreich vergleichsweise unterdotiert ist, führt Tockner auf oft fehlenden Mut zurück, in Langfristigkeit zu investieren, da man den Erfolg nicht immer sofort erkennt. "Grundlagenforschung ist sicher kein System, das man mit Traubenzucker füttern kann und dann sofort einen Effekt hat", so der FWF-Chef.

Service: Ausführliches Dossier zum Thema Grundlagenforschung auf APA-Science: http://science.apa.at/dossier/grundlagenforschung

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