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Bündnis für Spitzenforschung und Zukunft

07.11.2017

Ein ambitionierter Pakt für Forschung und Zukunft ist unabdingbar, um Österreich zu einem der führenden Länder in Ausbildung, Forschung und Innovation in Europa weiterzuentwickeln. Das Potenzial und der Wille sind zweifellos vorhanden. Es gibt parteien- und institutionenübergreifend Konsens, dass die Universitäten und Forschungseinrichtungen gestärkt und die wettbewerbliche Förderung einer qualitätsgetriebenen Grundlagenforschung massiv ausgebaut werden müssen. Jetzt benötigt es gemeinsame Weitsicht und politischen Mut, um die Willensbekundungen auch in die Tat umzusetzen. Die im Cluster "Zukunft" verortete Fachgruppe "Wissenschaft & Forschung" kann jetzt einen prägenden Meilenstein setzen.

Viel Forschung, aber zu wenig Grundlagenforschung

Mit 3,14 Prozent des BIP investieren wir, nach Schweden, mehr als alle anderen Länder in Europa in Forschung und Entwicklung (F&E). Während die Schweiz und die Niederlande jedoch knapp ein Drittel ihrer F&E-Mittel in die Grundlagenforschung investieren, ist es in Österreich weniger als ein Fünftel. Und diese Kluft vergrößert sich. So wurden im Jahre 2007 jeweils 120 Millionen Euro für den FWF und für die indirekte Forschungsförderung aufgewendet. Zehn Jahre später sind es 190 Millionen für den FWF und 530 Millionen für die Forschungsprämie. Die Schere wird also größer. Wir benötigen eine bessere Balance, damit die Forschungsprämie ihre erwünschte Wirkung voll und nachhaltig entfalten kann.

Brain-Drain

Derzeit ist Österreich ein Wissenschaftsexportland. Weitaus mehr herausragende Personen verlassen das Land, oft für immer, als wir umgekehrt anzuziehen vermögen. So sind nur 42 Prozent der Österreicher/innen, die erfolgreich ein prestigeträchtiges Stipendium des europäischen Forschungsrats (ERC-Grant) einwerben, mit ihrem Projekt an einer hiesigen Forschungsstätte tätig. Zum Vergleich: in Schweden oder in den Niederlanden liegt dieser Wert bei über 80 Prozent. So gehen viele unserer klügsten Köpfe ins Ausland und stärken die Forschungs- und Innovationsstandorte in Deutschland, der Schweiz oder den USA.

Wettbewerbsnachteile

Der Wettbewerb um die talentiertesten und kreativsten Köpfe wird in Zukunft noch deutlicher zunehmen – ein Wettbewerb, der global stattfindet. Österreich ist eines der lebenswertesten Länder der Welt, gesegnet mit landschaftlicher Schönheit, kultureller Vielfalt und innerer Sicherheit. Es gibt jedoch auch massive Wettbewerbsnachteile: unzureichende Investitionen in die Forschungsinfrastruktur, ein fehlendes einheitliches Hochschul-Zugangsmanagement, zu geringe Mittel für die Grundlagenforschung sowie mangelnde Karriereperspektiven in der Forschung. Gerade herausragende Wissenschaftler/innen zieht es dorthin, wo sie optimale Forschungsbedingungen vorfinden, etwa um ihre Arbeitsgruppe zu finanzieren. Wenn dann einem FWF, im Vergleich mit Förderungsorganisationen in Deutschland, den Niederlanden oder der Schweiz, nur die Hälfte oder gar nur ein Viertel an Mitteln zur Verfügung stehen, dann gehen die talentiertesten und kreativsten Personen eher in diese Länder – etwa nach Essen, Maastricht oder Bern. Was für ein Verlust an Ideen und Motivation für unseren Standort!

Unsere Forderung

Wir benötigen ein klares Bekenntnis zu einem Bündnis für Spitzenforschung. Kern des Bündnisses muss eine mehrjährige Planungssicherheit für die Förderungsagenturen und Forschungseinrichtungen bei wachsenden Budgets sowie ein allen Disziplinen offenstehendes Exzellenzprogramm für Österreich sein, das einerseits die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Fokus hat und andererseits die wissenschaftliche Profilbildung der Universitäten und Forschungseinrichtungen, mit klarer internationaler Ausrichtung, unterstützt.

Somit kann sich die österreichische Hochschullandschaft in Forschung und Lehre international profilieren und zudem die Komplementarität zwischen Universitäten und Fachhochschulen weiter unterstützt werden. Wie auch immer der Zuschnitt eines zukünftigen für Wissenschaft und Forschung zuständigen Ministeriums aussehen mag, wissenschaftliche Forschung und Universitäten müssen unter einem Dach verbunden bleiben. Das hat sich bislang bewährt.

Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen

Die Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen ist eine Plattform für den regelmäßigen Dialog zu Fragen der Wissenschaftspolitik. Mitglieder der Allianz sind Thomas Henzinger (Institute of Science and Technology Austria), Antonio Loprieno (Österreichischer Wissenschaftsrat), Helga Nowotny (ad personam), Klement Tockner (FWF Der Wissenschaftsfonds), Oliver Vitouch (Österreichische Universitätenkonferenz) und Anton Zeilinger (Österreichische Akademie der Wissenschaften). Die Vorsitzführung der Allianz obliegt derzeit Klement Tockner vom FWF.

Rückfragehinweis:
   FWF - Der Wissenschaftsfonds
   Marc Seumenicht
   Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation
   +43-1 505 67 40 - 8111
   marc.seumenicht@fwf.ac.at
   www.fwf.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1489/aom

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