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Deutschlands "Industrie 4.0" bei ausländischen Investoren gefragt

29.11.2017

Deutsche Unternehmen aus zukunftsträchtigen Branchen sind nach einer Studie im Ausland heiß begehrt. Sie selbst zögern dagegen mit Übernahmen in der sogenannten "Industrie 4.0", wie die Unternehmensberatung EY festgestellt hat. Von Mitte 2014 bis Mitte 2017 seien 596 deutsche Firmen aus dem Maschinenbau, der IT und der Produktionstechnik ins Ausland verkauft worden.

Jede siebente Transaktion in diesen Branchen weltweit habe damit ein Unternehmen aus Deutschland zum Ziel. Dem stünden 454 Zukäufe ausländischer Technologie-Firmen durch deutsche Unternehmen gegenüber, hieß es in der kürzlich veröffentlichten Studie. Für kein anderes Land gebe es ein so großes Ungleichgewicht.

Schlüsseltechnologien vorhanden

EY-Partner Michael Kunz bereitet das Sorgen: "Industriepolitisch ist Industrie 4.0 gerade für den Standort Deutschland eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Da wäre eine noch aktivere Rolle bei der Neuformung und Umgestaltung der Branche wünschenswert - auch, um Diskussionen über einen etwaigen Ausverkauf deutschen Know-hows gar nicht erst aufkommen zu lassen." Unter "Industrie 4.0" versteht man die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion. Deutsche Unternehmen hätten die Schlüsseltechnologien, die die Basis für "Industrie 4.0" seien. Das mache sie als Investitionsziel hochgradig attraktiv, erklärte Kunz.

Gefragter als deutsche Unternehmen aus den Zukunftsbranchen sind der Studie zufolge nur US-amerikanische. Doch während erstere mehr auf eigene Entwicklungen setzten, hielten letztere zugleich Ausschau nach Know-how im Ausland. EY-Partner Dierk Buß, der Autor der Studie, hält das auch für richtig: "Angesichts der Geschwindigkeit des technologischen Wandels sind Zukäufe häufig unerlässlich, um Technologien und Köpfe zu sichern und am Puls der neuen Wertschöpfung zu bleiben."

Dabei fielen vor allem die branchenübergreifenden Übernahmen auf: Industriekonzerne suchten mit Akquisitionen nach mehr IT-Kompetenz, Technologieunternehmen kauften in der Industrie zu, um sich Produktion- und Forschungs-Know-how zu sichern. "Hier wachsen Branchen zusammen, zukünftige Chancen werden verteilt, neue Player werden entstehen", sagte Kunz.

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