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"Anders denken" im Next Horizon Lab © TÜV AUSTRIA Group/Saskia Jonasch
"Anders denken" im Next Horizon Lab © TÜV AUSTRIA Group/Saskia Jonasch

Kooperationsmeldung

Digitale Innovation braucht Sicherheit

27.09.2018

Diese Meldung ist Teil der Reportage-Reihe "APA-Science zu Besuch ..."

Nicht "vom Elfenbeinturm aus", sondern "nah am Kunden", so will man beim Think-Tank "Next Horizon" des Prüf- und Zertifizierungsdienstleisters TÜV AUSTRIA Digitalisierungsstrategien entwickeln, erklärte Christoph Schwald, Innovationsmanager und Leiter des Next Horizon Lab, im Gespräch mit APA-Science. In den Räumlichkeiten des Next Horizon-Labs am TÜV AUSTRIA Campus Wien-Süd in Brunn am Gebirge werden seit 2017 in den drei Areas "Industrie 4.0", "Internet der Dinge" und "Automatisiertes Fahren" richtungweisende Modelle für Sicherheitszertifizierungen entwickelt.

"Im Zeitalter der Digitalisierung komme ich ohne IT-Security nicht aus, und das spielt in viele andere Disziplinen hinein", betonte Alexandra Markis, Innovation Area Manager Industrie 4.0 von Next Horizon. Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Herausforderungen und Anforderungen an die Sicherheit, vom Hacking bis zu automatischen Software-Updates. "Der Sicherheitsbegriff verändert sich, wird immer dynamischer." Mit Next Horizon will der TÜV AUSTRIA dieser Dynamik mit neuen Denkweisen begegnen.

Zusammenarbeit für Innovation

"Anders denken und übergreifend zusammenarbeiten", das ist laut Schwald der Kern des sogenannten "Digital Acceleration Incubators". Das passiert in Kooperationsprojekten - teilweise auch mit der Konkurrenz. Im Sinne eines Open-Innovation-Charakters wird so gemeinsam an Projekten gearbeitet. Man ergänzt sich gegenseitig, statt sich den Markt streitig zu machen. "Coopetition" nennt Schwald diese Form der Zusammenarbeit: eine Mischung aus Cooperation und Competition. So werden Dienstleistungspakete mit anderen Unternehmen entwickelt und gemeinsam auf den Markt gebracht.

Das Team von Next Horizon besteht zu einem Großteil aus sechs bis sieben sogenannten Pioneers. "Das sind durch die Bank frische Universitäts-Absolventen, Jungakademiker, High Potentials, die sich hier in den ersten Jahren ihrer Karriere in risikoarmer Umgebung Know-how aneignen können", erklärte Schwald.

Pioniere, die anders denken

Einer dieser Pioniere ist Benedikt Rauch, Experte im Bereich des automatisierten Fahrens. Er arbeitet am Gemeinschaftsprojekt "auto.Bus -Seestadt" mit. Gemeinsam mit den Wiener Linien, dem AIT, dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), der Siemens AG Österreich sowie dem französischen Bushersteller NAVYA arbeitet ein Next Horizon-Team an einer zwei Kilometer langen Teststrecke für zwei fahrerlose Busse in der Wiener Seestadt Aspern.

Rauch entwickelt Checklisten und Gebrauchsanweisungen, um die funktionale Sicherheit zu gewährleisten - also beispielsweise für die Funktionalität der Steuereinheiten oder auch die Cyber-Sicherheit, um die automatisierten Busse vor Angriffen durch Hacker zu schützen. Die Technologie des fahrerlosen Fahrens ist schon sehr weit gereift. Mittlerweile steht die Automobil-Branche weniger vor technischen Hürden, als vor der Herausforderung, die Fahrzeuge absolut sicher für den Verkehr zu machen, wie der tödliche Unfall einer Frau durch ein fahrerloses Fahrzeug im März gezeigt hat.

Digitalisierung verändert den Sicherheitsbegriff

Zusätzlich zu den Pioneers, die fix im Next Horizon Lab angestellt sind, gibt es noch etwa dreißig Personen, die aus Tochtergesellschaften in die diversen Projekte geholt werden. "Wir haben als Unternehmensgruppe erkannt, dass Digitalisierung und digitalisierte Transformation Themen sind, die alle in der Unternehmensgruppe etwas angehen. Überall, wo neue Dienstleistungen auf Basis neuer Technologien innoviert werden, wird es gleich einmal übergreifend. Wir nehmen Personal direkt aus den Tochtergesellschaften in die Projekte hinein. Unser Konzept ist das des agilen Entwickelns. Das, was wir hier machen, ist dadurch relativ schnell am Markt umsetzbar. Das ist die Grundidee, warum wir das so aufstellen", sagte Schwald und erklärte am Beispiel des automatisierten Fahrens: "In Konsortien wird dann überlegt, welche Parameter und Szenarien es für die Sicherheit geben könnte. Da muss das ganze Ökosystem am Tisch sitzen und miteinander arbeiten; Zertifizierungsunternehmen wie der TÜV AUSTRIA, ein Autounternehmen, Systemlieferanten, Softwarehersteller. Da sieht man die Komplexität der Digitalisierung. Es lässt sich nichts alleine entwickeln, das geht nur mit großem Schulterschluss." So würden Sicherheitskonzepte nicht erst im Nachhinein, sondern bereits während der Produktentwicklung entstehen, was eine rasche Umsetzung in den Markt erlaube.

Tatsächlich ist automatisiertes Fahren in Österreich aus Sicherheitsgründen derzeit nur im Testbetrieb auf bestimmten Streckenabschnitten erlaubt. Damit die Busse sich in Zukunft auch abseits der zwei Kilometer kurzen Strecke bewegen dürfen, muss die Sicherheit der Passagiere, der Fußgänger, der Systeme, etc. gewährleistet sein. "Wir sehen Sicherheit ganz klar als Technologie-Wegbereiter", so Markis. "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, neue Technologien zu begleiten. Wenn eine neue Technologie herauskommt, beispielsweise beim automatisierten Fahren, versuchen wir, diese Projekte von Anfang an zu begleiten, damit sie dann am Ende sicher auf die Straße kommen."

SERVICE: https://www.nexthorizon-lab.at/

Von Anna Riedler

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