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Das Sunlumo-System im Feldtest © Sunlumo
Das Sunlumo-System im Feldtest © Sunlumo

Kooperationsmeldung

"Eine-Welt-Solar-System": Leistbare Solarwärme aus Kunststoff

11.05.2017

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW)

"Im Prinzip geht es darum, die Solarwärme für jeden leistbar zu machen", sagt Robert Buchinger, Geschäftsführer der oberösterreichischen Sunlumo Technology GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Perg hat einen vollständig aus Kunststoff bestehenden Solarkollektor entwickelt, der beim diesjährigen Staatspreis Innovation mit dem vom Verbund gestifteten Sonderpreis VERENA ausgezeichnet wurde. Vorerst zielt das System vor allem auf Schwellen- und Entwicklungsländer ab.

In Kooperation mit der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz hat Sunlumo den bereits vollständig aus Kunststoff bestehenden Solarkollektor durch eine kompakte, standardisierte Kunststoff-Pumpengruppe sowie die dazugehörigen Kunststoff-Rohrleitungen und Zubehör zum "Eine-Welt-Solar-System" ergänzt. Bei herkömmlichen Kollektoren braucht man zur Herstellung Materialien wie Kupfer, Aluminium und Glas. "Der Hauptunterschied ist, dass unser System zu 100 Prozent aus Kunststoff besteht, und somit in sehr großen Stückzahlen massentauglich produziert werden kann", erklärte Buchinger im Gespräch mit APA-Science die in Summe um 50 Prozent geringeren Produktionskosten.

Vorteile durch Gewichtsersparnis

Ein zusätzlicher Kostenvorteil entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vor allem im Bereich Logistik und Transport, ergebe sich durch die Gewichtsreduktion von üblicherweise mehr als 20 Kilogramm pro Quadratmeter auf nur mehr acht Kilo. "Das Ergebnis für den Endkunden ist, dass das sehr günstig und für jeden leistbar ist", so Buchinger. "Warmwasserbereitung wird so für alle möglich und das System ist weltweit einsetzbar", erläuterte der Experte. Gerade für Schwellen- und Entwicklungsländer sei das interessant, weil dort weniger Kapital für solche Investitionen zur Verfügung stehe.

Die energetische Amortisation - die Zeit, die der Kunststoff-Solarkollektor braucht, um die Energie, die zu seiner Produktion aufgebracht wurde, wieder einzuspielen - beträgt laut Projektbeschreibung weniger als ein Jahr. Der ökologische Fußabdruck von Kunststoffsystemen sei wesentlich geringer als gemeinhin angenommen. Etwa dürfe man bei der Herstellung von Metallen die dafür benötigte Energie nicht vergessen. "Kunststoff ist verschrien, etwa wegen der Müllproblematik, ist aber grundsätzlich ein sehr intelligenter und umweltfreundlicher Werkstoff. Das Produkt kann am Ende der Lebenszeit auch recycelt werden und die Werkstoffe können dem Materialkreislauf zugeführt werden."

Fünf Jahre Entwicklung

Die Entwicklungsarbeit an dem System dauerte mehr als fünf Jahre. Nach ersten Machbarkeitsstudien wurden gemeinsam mit Industriedesignern verschiedene Konzepte begutachtet, dann mit Materialexperten verschiedene Komponenten und die dazugehörigen Werkstoffe entwickelt. Die Serienfertigung wurde schließlich mit Industriepartnern in einer Pilotfabrik in Oberösterreich getestet und zertifiziert. Der Forschungswert belaufe sich insgesamt auf mehr als acht Mio. Euro.

Derzeit wende man sich an Investoren und Hersteller - mit Fokus auf Asien, im speziellen Indien. "Wir verkaufen schlüsselfertige Produktionswerke mit Produktionslizenzen", so Buchinger über das Franchise-artige Konzept. Durch die großen Stückzahlen, die möglich sind, habe man in weiterer Folge aber auch den heimischen Markt im Blick: "Das ist dann ein klassisches Beispiel von Reverse Innovation - wo das Produkt zuerst im Schwellen- oder Entwicklungsland reüssiert und dann erst zurück auf unseren Markt kommt."

Service: Die Sieger des Staatspreises Innovation 2017 im Überblick: http://science.apa.at/koop/staatspreis.

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