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Unter anderem wird es auch um die Folgen der Digitalisierung gehen © APA
Unter anderem wird es auch um die Folgen der Digitalisierung gehen © APA

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Europäisches Forum Alpbach 2017: "Konflikt und Kooperation" im Fokus

28.07.2017

In rund drei Wochen beginnt das Europäische Forum Alpbach 2017, das sich in mehr als 200 Einzelveranstaltungen dem Generalthema "Konflikt und Kooperation" widmet. Wie immer startet der Kongress, zu dem von 16. August bis 1. September etwa 5.000 Teilnehmer und mindestens 700 Sprecher erwartet werden, mit der Seminarwoche. Feierlich eröffnet wird das Forum im 72. Jahr seines Bestehens am 20. August.

Als inhaltliche Schwerpunkte in diesem Jahr nannte Forumspräsident Franz Fischler im Gespräch mit der APA, dass entsprechend dem übergreifenden Thema die "Scheinwerfer" auf "verschiedene Arten von Konflikten, aber auch auf verschiedene Konfliktregionen" gerichtet würden. "Und darüber hinaus geht es uns auch darum, darüber nachzudenken, wie man vielleicht auf eine innovativere Art und Weise mit Konflikten umgehen kann." Denn nicht jeder Konflikt sei "unmittelbar lösbar, sondern wir müssen auch mit Konflikten leben lernen, aber die Frage ist, wie".

Auf der anderen Seite gebe es das Thema Kooperation, das er allerdings nicht "als Antwort auf den Konflikt" und auch nicht als Gegenbegriff dazu sehe, "sondern auch Kooperation hat positive und negative Seiten, genauso wie Konflikt. Konflikte können auch ungeheuer beleben, wenn man sich zum Beispiel die Wissenschaftsgeschichte ansieht", sagte Fischler.

Reformen in internationalen Systemen

Als politische Themenkomplexe, die in Alpbach zur Sprache kommen sollen, nannte der ehemalige EU-Landwirtschaftskommissar neben Krisenherden die Zukunft Europas, Fragen des Populismus, der Menschenrechte, die Flüchtlingsthematik sowie den Bereich Sicherheit. Auch über den "Weg zu Reformen in den internationalen Systemen" werde es Debatten geben. Im Zusammenhang mit Wirtschaft werde es unter anderem um Folgen der Digitalisierung gehen, etwa im Hinblick auf das Sozialsystem, Arbeitsplätze und Chancen für Unternehmen. Die Technologiegespräche würden wiederum die technische Umsetzung der Digitalisierung beleuchten.

Interessante Projekte werde es beim Forum auch im künstlerischen Bereich geben, etwa in Form von Ausstellungen und Konzerten. "Wir erwarten sicher 100 Künstler in Alpbach. Unser Interesse geht aber weiter. Es geht nicht nur darum, dass sie Performances in Alpbach machen, sondern auch, dass sie sich in die Debatte einbringen", betonte Fischler. Auch heuer werden wieder alle "Gespräche" in Alpbach mit künstlerischen Interventionen beginnen.

Besonders wichtig sind Fischler auch die jüngeren Kongressteilnehmer: "Wir haben heuer einen gewaltigen Zulauf - wir haben weit über tausend Bewerbungen für Stipendien bekommen, und wir werden 700 Stipendien finanzieren können. Und es werden heuer nicht nur 16, sondern 20 wissenschaftliche Seminare für die jungen Leute stattfinden, also auch da gibt es eine positive Entwicklung."

Ein besonderes Kunstprojekt haben sich die Organisatoren zum Thema Migration ausgedacht: So wird beim Forum jeden Tag eine "Einwandererpflanze" präsentiert, "die aus einer fernen Region stammt, aber in Alpbach heimisch geworden ist", schilderte Fischler. "Sie brauchen nur an die Alpbacher Balkone denken, die vor Geranien überfließen, die aber internationale Wurzeln haben, so wie viele Obstsorten." Ein ausgeschilderter Weg soll die Besucher zu den heimisch gewordenen Exoten führen.

Von Politikerseite wird nach derzeitigem Stand neben Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der Eröffnungsredner bei den Politischen Gesprächen ist, im Laufe des mehr als zweiwöchigen Kongresses fast die gesamte österreichische Bundesregierung in Alpbach in Erscheinung treten, und nachdem die Nationalratswahl nicht allzu lange nach dem Forum stattfindet, dürfte auch der Wahlkampf nicht ganz spurlos an Alpbach vorübergehen. "Das lässt sich wahrscheinlich nicht zur Gänze vermeiden", meinte Fischler dazu.

Weg von rein internen Fragestellungen

Die Forumsveranstalter würden jedoch "keinerlei Veranstaltungen organisieren, die in Richtung Wahldiskussion oder Wahlauseinandersetzung gehen", und nachdem die heimischen Spitzenpolitiker gebeten wurden, ausländische Kollegen nach Alpbach mitzubringen, könnte dies auch helfen, "ein bisschen wegzukommen von den rein internen Fragestellungen", so Fischler. Bisher sind beispielsweise der belgische und der estnische Innenminister, Jan Jambon und Andres Anvelt, als Redner vorgesehen.

Unter den zahlreichen Referenten und Diskutanten aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft sind heuer zudem unter anderen der Rektor der von der Schließung bedrohten Central European University (CEU) in Budapest, Michael Ignatieff, der Eröffnungsredner bei den Hochschulgesprächen sein wird, Marcia McNutt, die Präsidentin der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften, der Kampagnenchef der unterlegenen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, Robby Mook, und der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Außerdem werden zahlreiche Unternehmenschefs, Spitzenbanker und Experten der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen erwartet. Neu ist heuer, dass alle Plenardiskussionen beim Forum im Anschluss an die jeweilige Veranstaltung in einer "Alpbach-Videothek" online abrufbar sein werden.

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