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Europäisches Forum Alpbach: Die Gespräche im Überblick

28.07.2017

Den Auftakt beim Europäischen Forum Alpbach bildet auch heuer wieder die Seminarwoche (16. bis 22. August), die sich in interdisziplinären Seminaren dem Generalthema "Konflikt und Kooperation" widmet. Dabei sollen neue Erkenntnisse aus Theorie und Praxis präsentiert und Raum für Austausch und Diskussionen geschaffen werden.

Feierlich eröffnet wird das Forum im Rahmen der Tiroltage (19. bis 20. August), die sich schwerpunktmäßig mit Mobilität in alpinen Regionen befassen. "Welche nachhaltigen Verkehrskonzepte machen im Alpenraum Sinn, und was kann die Menschen dazu bewegen, auf diese umzusteigen? Wo muss die Politik lenkend eingreifen, und welche Rolle spielen Infrastrukturgroßprojekte und Digitalisierung?", fragen die Organisatoren in ihrer Programmvorschau. Die offizielle Kongresseröffnung am 20. August nehmen Forumspräsident Franz Fischler, die drei Landeschefs der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino - Günther Platter (ÖVP), Arno Kompatscher und Ugo Rossi - sowie der Alpbacher Bürgermeister Markus Bischofer vor.

Die Diskussionen im Gesundheitsbereich werden im Grunde genommen immer wieder von neuen Gefahren dominiert, bei politisch ziemlich gleichbleibenden Fragen: Zwischen diesen Polen pendeln die Beiträge bei den diesjährigen Alpbacher Gesundheitsgesprächen (20. bis 22. August), zu denen sich auch EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis und Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) angesagt haben.

"In keinem anderen Bereich prallen so viele unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse aufeinander wie im Gesundheitswesen. Dabei geht es im Kern darum, wie wir am besten gewährleisten können, dass gesunde Menschen gesund bleiben, Kranke wieder gesund werden und alle die optimale Betreuung erhalten. Das Ziel ist klar, die Wege dorthin nicht: Sie pendeln zwischen Konflikt und Kooperation", heißt es im Programmheft. Mit 2017 finden die Gesundheitsgespräche in der Tiroler Gemeinde nicht mehr - wie in vielen Jahren in der Vergangenheit - mit Unterstützung der Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs) statt.

Zur Eröffnung gibt es einen Keynote-Vortrag von Jo Ivey Boufford, Präsidentin der New York Academy of Medicine, zum Thema "Gesundheitsbedrohungen nah und fern". Ein kritischer Diskussionspunkt wird wohl auch die Panel-Diskussion zu "Leistbarem Zugang zu innovativen Medikamenten" werden. Breakout Sessions befassen sich zum Beispiel mit der Kultur des Führens und der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen, der Klinischen Pharmazie oder - politisch heiß umstritten - mit den Primärversorgungszentren (PVEs) am Beispiel des Pilotprojekts in Enns in Oberösterreich. Für diesen Programmpunkt wurde der Manager des Zentrums als Vortragender gewonnen.

Der gesellschaftlichen Verantwortung von Universitäten und Fachhochschulen und deren Stellung im postfaktischen Zeitalter widmen sich die Hochschulgespräche (23. August). Eröffnet werden diese durch den Rektor der von der Schließung bedrohten Central European University (CEU) in Budapest, Michael Ignatieff. Die Chefredakteurin des Fachjournals "Science", Marcia McNutt, wird über Werte und Fähigkeiten sprechen, die Forscher heutzutage brauchen.

Mit Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP), Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) bieten die Technologiegespräche (24. bis 26. August) gleich drei Regierungsmitgliedern eine Wahlkampfbühne. Inhaltlich reicht das breite thematische Spektrum von Robotern über Optogenetik bis zur Quantenphysik und Gravitationswellen. 13 "Breakout Sessions" genannte Arbeitskreise bieten den Teilnehmern die Chance auf vertiefte Gespräche, auch hier mit einer bunten Themenvielfalt von der Rolle des Designs in der digitalen Zukunft über "vegane Blunzengröstl" bis zum Klimaschutz und "biedermeierlichen Tendenzen in vielen Politikbereichen".

Die Rechtsgespräche (27. bis 29. August) befassen sich im Anschluss unter anderem mit Vergleichen parallel bestehender Rechtssysteme. Dabei soll es etwa um Konflikte zwischen dem kontinentaleuropäischen und dem angloamerikanischen Rechtssystem und das "Nebeneinander von kontinentaleuropäischem Recht und dem Recht der Scharia in Europa im Hinblick auf Paralleljustizen und deren Folgen" gehen. Thematisiert werden auch konkurrierende Rechtsreaktionen auf nationaler Ebene und multilaterale Handelsabkommen und darin vorgesehene Schiedsverfahren. Bei einem Runden Tisch wird es zudem um eine neue Initiative für "Digitale Grundrechte" gehen. Unter den Teilnehmern der Rechtsgespräche sind laut den Veranstaltern Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP), Verfassungsgerichtshofpräsident Gerhart Holzinger, der Vorsitzende Richter am Londoner High Court Lord Thomas of Cwmgiedd und der Direktor der EU-Grundrechteagentur (FRA), Michael O'Flaherty.

Um "Ideen für das politische Miteinander im 21. Jahrhundert" wird es zeitgleich bei den Politischen Gesprächen (27. bis 29. August) gehen, die heuer unter anderen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnet werden. Gegenwärtig stehe viel auf dem Spiel, heißt es in der Programmvorschau: "Europa, der Multilateralismus, Frieden, Sicherheit und Nachhaltigkeit". Konkret wird es bei den Podiumsdiskussionen und Arbeitskreisen um das Verhältnis zwischen der EU, Russland und den USA unter Präsident Donald Trump ebenso gehen wie um den Ukraine-Konflikt, die Auswirkungen des Klimawandels auf Migration - darüber werden etwa Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) und sein estnischer Amtskollege Siim Kiisler sprechen - und um "Alternative Fakten, Provokationen und soziale Spaltung" gehen.

Auch Europa steht im Fokus - thematisiert werden beispielsweise "60 Jahre Konflikt und Kooperation in Europa" und "Demokratie in Zentral- und Osteuropa". Über "Sicherheit und Freiheit in der digitalen Zukunft" diskutieren unter anderen Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP), sein estnischer Amtskollege Andres Anvelt, der EU-Anti-Terror-Koordinator Gilles de Kerchove und der belgische Innenminister Jan Jambon. Mit "Green Innovation" beschäftigt sich im Anschluss eine Podiumsdiskussion mit Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), dem US-Ökonomen Jeffrey D. Sachs und Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer. Den Abschluss bei den Politischen Gesprächen bildet eine Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit.

Auf die Politischen folgen die WIRTSCHAFTS- und FINANZMARKTGESPRÄCHE (29. bis 31. August bzw. 31. August und 1. September) mit zahlreichen Einzelveranstaltungen. Es nehmen viele hochrangige Unternehmenslenker teil, unter anderen AUA-Chef Kay Kratky, Bank-Austria-CEO Robert Zadrazil, Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, Magna-Europa-Boss Günther Apfalter und Rewe-International-Chef Frank Hensel.

Weiters angekündigt haben sich bisher AK-Präsident Rudolf Kaske, Gewerkschaftsboss Erich Foglar sowie WKÖ-Chef Christoph Leitl. Die Arbeiterkammer und die Wirtschaftskammer sind Co-Organisatoren der Wirtschaftsgespräche. Ebenfalls nach Alpbach kommen die bekannte italienisch-US-amerikanische Ökonomin Mariana Mazzucato und der österreichische Ökonom Ernst Fehr, der in Zürich lehrt.

Bei den Finanzmarktgesprächen sind nahezu alle heimischen Spitzenbanker vertreten. Ebenfalls ins Tiroler Alpendorf begeben sich dafür unter anderen Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) und OeNB-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sowie Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

Die Baukulturgespräche befassen sich parallel zu den Finanzmarktgesprächen (31. August und 1. September) unter anderem mit Baukultur als Abbild gesellschaftlichen Wandels. "Welche neuen Regeln braucht die Baukultur, um Interessenskonflikte in Zukunft austarieren zu können? Wo muss das Verhältnis zwischen Regelungen und gesetzlichen Freiräumen neu justiert werden? Welchen Einfluss üben Algorithmen, Big Data und künstliche Intelligenz auf die Stadtplanung aus?", sind hier von den Organisatoren genannte Fragestellungen.

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