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Zukauf in Belgien stärkt Kunststoffkompetenz © APA
Zukauf in Belgien stärkt Kunststoffkompetenz © APA

Kooperationsmeldung

Expansion in die Zertifizierung biologisch abbaubarer Produkte

03.09.2018

Die Welt wird mit Plastik- und Kunststoffabfällen überschwemmt, besonders die Ozeane leiden stark darunter. Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik ist groß. Hersteller von Verpackungen und große Supermarktketten haben darauf bereits reagiert und bieten zusehends biologisch abbaubare Verpackungen an. Damit der Kunde weiß, welche biologisch abbaubare Verpackung tatsächlich kompostierbar ist, braucht es entsprechende Kontrollen und Zertifizierungen.

Die TÜV AUSTRIA Group nimmt die Verantwortung für die Umwelt ernst. Sie hat daher das entsprechende Portfolio durch den Erwerb des Labels OK compost vom unabhängigen belgischen Prüfinstitut Vinçotte erweitert. Mit 1. Dezember 2017 wurde die Marke schließlich in TÜV AUSTRIA Belgium eingegliedert. Ein weiterer Ausbau des Produktzertifizierungs-Services, das biobasierte, biologisch abbaubare und kompostierbare Produkte kennzeichnet, ist in Planung.

"Gerade in Zeiten, wo es zum globalen Trend geworden ist, das Plastikaufkommen stetig zu reduzieren, ergänzt OK compost das Portfolio der TÜV AUSTRIA Group ideal. Wir werden das Label in naher Zukunft weiterentwickeln und möchten diese Dienstleistung künftig weltweit anbieten und somit zum Umweltschutz beitragen", erläutert Rob Bekkers, Executive Director Life, Training & Certification TÜV AUSTRIA Group, die Motivation für die Übernahme.

Das Markenzeichen OK compost besteht seit 1995 und kennzeichnet Produkte, die aus biobasierten Werkstoffen bestehen oder biologisch abbaubar bzw. kompostierbar sind. OK compost ist mit seinem Produktzertifizierungsportfolio die Nummer eins in Europa und gemeinsam mit seinem Partnernetzwerk außerhalb Europas in mehr als 40 Ländern tätig. Die Zertifizierung ist auf die unterschiedlichsten Produktgruppen, unter anderem für Plastikbeutel, Folien und diverse Verpackungen - wie beispielsweise für Lebensmittel -, anwendbar.

Normen

Basis der Zertifizierungen ist die harmonisierte Norm EN 13432:2000. Darauf fußend wird garantiert, dass alle mit dem OK compost-Label versehenen Verpackungen in einer kommunalen oder industriellen Kompostieranlage biologisch abbaubar sind. Das gilt für alle Komponenten, Farben und Zusatzstoffe. Außerdem erfüllt jedes dieser zertifizierten Produkte die Anforderungen der EU-Verpackungsrichtlinie (94/62/EEC). Eine weitere Zertifizierung erfolgt nach der Norm EN 16785-1. Dabei geht es um die biobasierten Anteile von Kunststoffprodukten.

"Da Biokunststoffe unter verschiedenen Bedingungen kompostierbar sind, sind Differenzierungen in der Produktzertifizierung und die damit in Verbindung stehende Anbringung von Produktzertifizierungs- Logos notwendig. TÜV AUSTRIA hat als einziger Marktanbieter mehrere Zertifizierungslogos, die sich je nach Kompostierbarkeit unterscheiden (siehe Bild Seite 15)", erklären Mitarbeiter des Bioplastics Certification-Teams.

Plastik-Strategie

Das Thema ist brennend heiß. Überdimensionierte Müllberge und ein Meer aus Plastik haben die EU-Kommission veranlasst, eine Plastik-Strategie (A European Strategy for Plastics in a Circular Economy) zu entwerfen, die kürzlich vorgestellt wurde. Im Kern geht es um mehr Recycling, weniger Abfall und bessere Kunststoffe - auch biologisch abbaubare. Laut Kommission wird aber nicht auf Verbote und Sanktionen gesetzt, sondern auf freiwillige Lösungen und Selbstverpflichtungen.

"Biologisch abbaubare Kunststoffe spielen eine wesentliche Rolle bei der Reduzierung der Verwendung von fossilen Materialien und einer geringeren Belastung der Umwelt", betont Bekkers. Speziell bei Verpackungen von Lebensmitteln ist die Verwendung von kompostierbaren Biokunststoffen nicht nur sinnvoll, sondern auch wünschenswert, da Essensreste in Verbindung mit diesen Biomaterialien - verglichen mit fossilen Kunststoffen - wesentlich einfacher zu verarbeiten und zu kompostieren sind.

In immer mehr Ländern ändert sich die Gesetzeslage. Bei der Verwendung von Lebensmittelverpackungen wird der Einsatz von biobased bzw. kompostierbaren Materialien verpflichtend. Vorreiter sind unter anderem Italien und seit kurzem auch Frankreich. Spanien wird bis spätestens 2020 ebenfalls nachziehen und andere (EU-)Länder werden folgen. Das belebt natürlich den Markt für Produktzertifizierungen enorm.

"Biokunststoffe sind eine gute Alternative zu konventionellen Kunststoffen", meint auch Andy Sweetman, Vorsitzender der britischen BBIA (Bio-based and Biodegradable Association), in einem Fachartikel (siehe Link). Durch die proaktive Einführung von Biokunststoffen bei passenden Anwendungen und die Gewährleistung eines effektiven Produktidentifikationssystems würde es laut Sweetman künftig zu einer Materialaufwertung in bestimmten Bereichen kommen. Das könnte generell zu einem besseren Gesamtbild und mehr Akzeptanz der Kunststoffbranche führen.

Quelle: TÜV AUSTRIA - TÜV Times 2 2018

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