Politik & Wirtschaft

Evaluierung aller 50.000 Förderinstrumente in Österreich empfohlen © APA (dpa)
Evaluierung aller 50.000 Förderinstrumente in Österreich empfohlen © APA (dpa)

APA

Experte begrüßt Erhöhung der Forschungsprämie

29.06.2017

Die Forschungsprämie soll ab 1. Jänner 2018 von derzeit zwölf auf 14 Prozent steigen. Die Regierungsparteien wollen heute, Donnerstag, die entsprechende Änderung des Einkommenssteuergesetzes beschließen. Der Förderexperte des Unternehmensberaters Deloitte, Jan-Martin Freese, begrüßte die Maßnahme der Regierung im APA-Gespräch.

Die Forschungsprämie kann nach Abschluss des Geschäftsjahres beim zuständigen Finanzamt beantragt werden und beträgt derzeit noch zwölf Prozent der prämienbegünstigten Forschungsaufwendungen. Um eine Forschungsprämie für eigenbetriebliche Forschung und experimentelle Entwicklung zu erhalten, ist ein Gutachten der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) notwendig.

"International sehr gut positioniert"

Österreich sei mit der geplanten Erhöhung der Forschungsprämie auf 14 Prozent "sehr gut positioniert im internationalen Vergleich", so der Deloitte-Berater. Ausländische Unternehmen würden wegen der Forschungsprämie nach Österreich kommen. Die Erhöhung der Forschungsprämie werde Österreich in den Innovationsrankings nach vorne bringen, erwartet Freese.

Im Jahr 2015 nutzten rund 2.262 Unternehmen die Förderprämie und es wurden rund 502 Mio. Euro gutgeschrieben.

Handlungsbedarf sieht der Deloitte-Berater beim "Förderdschungel" in Österreich. Hierzulande gibt es schätzungsweise rund 50.000 Förderinstrumente. Der Förderexperte empfiehlt einen digitalen "One-Stop-Shop" für alle Förderungen und eine Evaluierung der bestehenden Förderinstrumente. Derzeit gebe es "viele Reibungsverluste". "Durch Digitalisierung kann man viel beschleunigen und vereinheitlichen", so Freese.

Die Forschungsprämie wurde im Jahr 2002 eingeführt und ist seit 2011 das einzige steuerliche Instrument in Österreich zur Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E), das allen Unternehmen gleichermaßen zugänglich ist. Im Rahmen der letzten Steuerreform wurde sie von zehn auf zwölf Prozent angehoben, Ende 2016/Anfang 2017 wurde die Prämie im Auftrag des Finanzministeriums vom IHS, der KMU Forschung Austria und WPZ Research evaluiert.

Die Forschungsprämie wirkt laut Evaluierungsbericht vor allem bei jenen Firmen unterstützend, die kontinuierlich F&E betreiben.

Davon allerdings eher nicht profitieren dürften Unternehmen, bei denen Forschung und Entwicklung schon bisher keine oder nur eine geringe Rolle spielen. Für sie ist die Prämie nämlich nicht relevant, konstatiert der Evaluierungsbericht - eine konkrete Anreizwirkung sei hier "kaum gegeben". Diese Unternehmen würden mehr durch die direkte Forschungsförderung angesprochen.

Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung