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Selbstverwirklichung für Gründerinnen am wichtigsten © APA (AFP)
Selbstverwirklichung für Gründerinnen am wichtigsten © APA (AFP)

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"Female Founders" will Gender-Gap bei Start-ups schließen

06.03.2017

Der Verein "Female Founders" will Frauen in Start-ups vernetzen und Frauen unterstützen, die an Start-ups interessiert sind. Im Schnitt sind derzeit rund 10 Prozent der Gründer von Start-ups weiblich, diese Zahl soll erhöht werden. "Leider gibt es auch bei Start-ups einen Gender Gap", sagte Lisa-Marie Fassl vom Verein bei einer Pressekonferenz mit Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP).

Der von drei Jungakademikerinnen getragene Verein "Female Founders" (http://www.femalefounders.at) ist aus dem Wissenstransferzentrum Ost herausgewachsen und besteht nun seit fast einem Jahr. Lisa-Marie Fassl, Tanja Sternbauer und Nina Wöss haben mit einer Online-Umfrage mehr über jene Frauen herausgefunden, die ein Start-up gründen wollen oder schon gegründet haben.

Kunst, Consulting und Kreativwirtschaft

Über 200 Frauen haben Einblick in ihren Background, ihre Motive und Hoffnungen gegeben, davon 85 Gründerinnen und 115 zukünftige Gründerinnen. Der Großteil der Befragten hat ein abgeschlossenes Studium, über 10 Prozent sogar ein Doktoratsstudium bzw. einen PhD. Ihre Ausbildungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kunst, Wirtschaftswissenschaften und Geisteswissenschaften. Entsprechend dazu war die inhaltliche Ausrichtung der Gründungen oder Gründungsvorhaben in den Bereichen Kunst und Kultur, Consulting sowie der Medien- und Kreativwirtschaft.

Als Motivation wird von den Gründerinnen und künftigen Gründerinnen primär Selbstverwirklichung genannt, noch vor dem Vorteil, die eigene Chefin zu sein und flexible Zeiteinteilung zu haben. Auch eine "geniale Idee" wird als Motiv genannt, gefolgt von dem Argument, bisher keinen passenden Job gefunden zu haben und sich daher auf eigene Beine zu stellen. Verschwindend gering wurde von den befragten Frauen die Hoffnung auf ein hohes Einkommen als Motiv für die Gründung eines Unternehmens genannt.

Von den befragten Frauen, die bereits gegründet haben, starteten 78 Prozent als Ein-Personen-Unternehmen. Im Lauf der Zeit habe sich die Größe des Unternehmens kaum verändert. Die Mehrheit der künftigen Gründerinnen (59 Prozent) will jedoch im Team gründen. Laut bisherigen Studien seien gemischte Teams, also Frauen und Männer gemeinsam, in neu gegründeten Unternehmen am erfolgreichsten, erläuterte Fassl. Unterstützung suchen die Gründerinnen in den Gebieten Betriebswirtschafts- und Rechtsgrundlagen, Kommunikations- und Verhandlungssicherheit sowie in der Vernetzung und im Erfahrungsaustausch.

Zögerliche Umsetzung

Als größte Hürden werden von den angehenden Gründerinnen das Fehlen finanzieller Mittel, zu wenig Mut und Erfahrung genannt - weshalb die Mehrheit der Befragten bereits seit mehr als sechs Monaten mit der Umsetzung ihrer Idee wartet. Demgegenüber ticken Männer meistens anders: Sie präsentieren sich selbstbewusster und entschlussfreudiger und gehen mehr Risiken ein. Der geringe Frauenanteil in der Start-up-Szene wird von der Mehrheit der befragten Gründerinnen auf gesellschaftliche und kulturelle Faktoren (fehlende Rollenvorbilder, Probleme bei Kinderbetreuung) zurückgeführt.

Als Ergebnis haben die "Female Founders" fünf Handlungsfelder identifiziert, um Frauen unter die Arme zu greifen: Vernetzung und Empowerment, das Unternehmertum schon in der Schule sowie an Hochschulen Frauen nahezubringen, mehr Frauen für Investments in Start-ups zu begeistern ("Business Angelinas") und die Vereinbarkeit von Familie und Gründung zu verbessern. Der Verein selber bietet zur Vernetzung von Gründerinnen Veranstaltungen und eine Plattform sowie Mentoring mit erfolgreichen Gründerinnen an. Im Sommer soll ein "Boot Camp" für Frauen als Start-up-Gründerinnen stattfinden.

Familien- und Jugendministerin Karmasin will die Initiative vor den Vorhang bringen und unterstützen. Ihr liege insbesondere das Thema der Vereinbarkeit von Familie mit Beruf am Herzen, hier habe sie in den vergangenen Jahren für Mütter und Väter einige Verbesserungen erreicht, betonte sie bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit "Female Founders" anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März.

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