Politik & Wirtschaft

Reinhold Mitterlehner legte alle Funktionen zurück © APA (Hochmuth)
Reinhold Mitterlehner legte alle Funktionen zurück © APA (Hochmuth)

APA

Forschungsgemeinde würdigt scheidenden Wissenschaftsminister

10.05.2017

Nach dem am 10. Mai angekündigten Rückzug von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) haben Vertreter der Hochschulen und der Wissenschaft den scheidenden Politiker gewürdigt. Mitterlehner habe in seiner rund dreieinhalbjährigen Amtszeit "die Anliegen der Universitäten, der Forschung und der Künste immer offen gehört", so der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Oliver Vitouch.

Vitouch bezeichnete Mitterlehners Entscheidung als "schmerzhaft", weil mit der Einführung der Studienplatzfinanzierung eines der wichtigsten hochschulpolitischen Projekte der letzten Jahre kurz vor einem positiven Abschluss stehe.

Er habe mit dem scheidenden Minister "immer sehr gut zusammengearbeitet", sagte der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Anton Zeilinger, am Rande der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Wien zur APA. Mitterlehner habe für die Grundlagenforschung immer ein offenes Ohr gehabt. "Wir bedauern, dass er geht." In einer Aussendung verwies die Akademie darauf, dass sie unter Mitterlehner erstmals ein Globalbudget bekommen habe, das mehrjährige Budgetplanung erlaube.

Aufbruchsignal in der Forschungsgemeinde angekommen

Der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner, hat Mitterlehner "als einen unglaublich engagierten Vertreter der Wissenschaft" erlebt, der "etwas bewegen" wollte. Das Aufbruchsignal sei in der Forschungsgemeinde angekommen und Mitterlehner habe viel Vertrauen aufgebaut. "Wir gehen einfach davon aus, dass dieser Aufbruch jetzt nicht abgebrochen wird", so Tockner zur APA.

Der Rektor der Universität Wien, Heinz Engl, bedauerte gegenüber der APA den Rücktritt Mitterlehners als Wissenschaftsminister außerordentlich. Dieser habe sehr viel für die Unis erreicht. Angesichts der anstehenden Umstellung der Uni-Finanzierung "auf ein Niveau, wo wir endlich mit benachbarten Ländern mithalten könnten", hofft er, "dass dieses Projekt trotz des Rücktritts zu einem positiven Abschuss gebracht wird". Wäre dem nicht so, sei das eine "versäumte Jahrhundertchance".

Der Rektor der Uni Linz, Meinhard Lukas, zollte Mitterlehner Respekt. Diesem sei parteipolitisches Kleingeldwechseln fremd gewesen, er habe immer das Sachliche über persönliche Befindlichkeiten gestellt. Lukas erinnerte an den Einsatz Mitterlehners für die Linzer Medizinische Fakultät, wodurch "wir das Jahrhundertprojekt gegen alle Bedenken und Widerstände durchsetzen konnten".

In der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht man Mitterlehners Rücktritt unterdessen als Chance, der Hochschulbildung "wieder jenen Stellenwert zurückzugeben, den sie auch verdient". Die Regierung solle das Wissenschafts- vom Wirtschaftsministerium trennen und stattdessen mit dem Bildungsressort fusionieren, um endlich alle Hochschulen unter ein Dach zu bringen. Vom neuen Wissenschaftsminister fordern die Studentenvertreter, die "chronische Unterfinanzierung" der Hochschulen zu beenden.

STICHWÖRTER
Politische Bewegungen  | Forschung  | Universität  | ÖVP  | Wien  | Politik  | Politische Abläufe  | Wissenschaft  | Bildung  | Schule  | Hochschulwesen  |
Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung