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Die Ziele der Forschungsstrategie 2020 seien nicht erreichbar © APA (Neubauer)
Die Ziele der Forschungsstrategie 2020 seien nicht erreichbar © APA (Neubauer)

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Forschungsrat ortet mangelnde Innovationseffizienz

30.11.2017

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) ortet "erhebliche Ineffizienzen" im österreichischen Forschungssystem. Hohen finanziellen Inputs stünden mittelmäßige Outputs gegenüber. In einer Empfehlung verlangt der Rat unter anderem mehr Personal und ein "Zugangsmanagement" an Unis sowie die Beseitigung von Mehrfachstrukturen in der Forschungsförderung.

Die von der Regierung vor acht Jahren formulierten Ziele der Forschungsstrategie 2020, die Österreich in die Gruppe der führenden Innovationsnationen bringen sollten, sind nach Berechnungen des Rats nicht mehr erreichbar. "De facto ist es nicht gelungen, die wichtigsten strategischen Zielsetzungen zu erreichen", konstatiert der Rat. "Im Gegenteil: Die österreichische Innovationsperformance hat sich seit 2009 in Relation zu den Innovation Leaders in Summe nicht verbessert." Anhand der Platzierungen Österreichs in diversen Rankings könne man "bestenfalls sagen, dass Österreichs Leistungsfähigkeit in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Technologie und Innovation im Vergleich zu den führenden Ländern in Europa seit Jahren stagniert".

Die "stagnierenden und negativen Trendverläufe" seien "insofern erstaunlich, als die Ausgangslage alles andere als schlecht ist": Österreich weise ein hohes BIP pro Kopf und geringe Arbeitslosigkeit auf. Die Forschungsfinanzierung liege außerdem auf einem Rekordniveau. Trotz des hohen Inputs schneide man bei wesentlichen Outputfaktoren wie Publikationen oder Patenten nur mittelmäßig ab.

Das liegt unter anderem an der Situation an den Hochschulen: "Die Belastung der Universitäten durch die verhältnismäßig hohe Anzahl an Studierenden und die vergleichsweise geringen finanziellen und personellen Ressourcen ist enorm. Dass darunter auch die Forschungsleistung leidet, ist wenig verwunderlich, da überproportional viele Ressourcen in administrativem Aufwand und vor allem in der Bewältigung der überlaufenen Lehre gebunden sind."

Ausbau des Fachhochschulsektors

Der Rat empfiehlt daher einen Ausbau des Fachhochschulsektors zur Umlenkung der Studentenströme sowie mehr Mittel und ein "geeignetes Zugangsmanagement" an Universitäten: "Zur Auswahl der am besten geeigneten Studierenden sollte eine fächerübergreifende Orientierungsphase den Raum eröffnen, persönliche Motivation, Leistungsbereitschaft sowie Talent als Kriterien für ein gewähltes Studium zu beurteilen." Außerdem müsse der Bezieherkreis von Studienbeihilfen durch eine Erhöhung der Fördersätze wie der Einkommensgrenzen deutlich ausgeweitet werden.

Weitere Probleme ortet der RFT im restriktiven Fremdenrecht sowie der geltenden Datenschutzregelung, deren Bestimmungen zur Verarbeitung personenbezogener Daten vor allem die medizinische Forschung behindere. Im Bereich der Forschungsförderung sind für den Rat "eindeutige Tendenzen einer Überregulierung, Zersplitterungen, unklare Zuständigkeiten und ein komplexes, nicht harmonisiertes Regelwerk für einzelne Instrumente erkennbar". Während der Großteil der Mittel auf Bundesebene über drei Förderagenturen (FWF, FFG und AWS) fließe, würden die vergleichsweise geringen Mittel auf Länderebene "bei einem deutlich höheren Administrationsaufwand über 14 landesspezifische Rechtsträger abgewickelt". Dazu käme eine Vielzahl an Förderinstrumenten mit dem Ergebnis eines "Programmdschungels" aus 136 Forschungsprogrammen von Bund und Ländern mit unterschiedlichen Forschungszielen.

Als Problem sieht der Rat auch die Zurückhaltung der Wirtschaft bei der F&E-Finanzierung. Während die öffentliche Hand ihren Ausgabenanteil kontinuierlich ausgeweitet habe, sei der private Finanzierungsanteil zurückgegangen. Auch die Verteilung der Mittel sei verbesserungswürdig: Während die Dotierung der Grundlagenforschung seit Jahren stagniere, würde jene für die angewandte Forschung wachsen. Dem will der Rat mit einer "deutlichen Erhöhung der kompetitiv vergebenen Mittel zur Förderung der Grundlagenforschung (FWF) auf das Niveau der führenden Länder" entgegenwirken.

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