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Hitze - Mehr Grün für kühlere Städte

04.08.2017

Die Hitze in der Stadt liegt nicht nur am Klimawandel, sondern auch an den versiegelten Flächen, welche die Hitze speichern und Verdunstung verhindern. Grünflächen - auch vertikale - sollen die Städte wieder kühler machen. Zu diesem Schluss kam ein EU-Projekt, an dem sich u. a. Wien beteiligt hat.

Mehr als vier Jahre ist es her, als die Ergebnisse der Studie präsentiert wurden, die sich mit "Urban Heat Islands" (urbanen Hitzeinseln) beschäftigt hat. Neben Wien beteiligten sich noch sieben weitere Städte an dem Projekt. Der Abschlussbericht kam zu einem klaren Ergebnis: Mehr Grünflächen sollen Städten Abkühlung verschaffen.

Denn in natürlichen Umgebungen mit vielen Grünflächen verdunstet Wasser aus den Pflanzen und kühlt die Luft ab. Da in Städten aber die meisten Flächen verbaut sind, gibt es nicht nur keine Verdunstung - Beton und Asphalt speichern die Wärme und geben sie nachts wieder ab, was zu sogenannten "Tropennächten" führt.

Auch in Wien tut sich in Sachen Fassadenbegrünung einiges. Vor einem Jahr wurde das Gebäude der MA 31 - Wiener Wasser begrünt. Inzwischen seien die Pflanzen gut angewachsen, hieß es in einer Aussendung der Stadt Wien. Sie würden in der Hitzewelle ihre ganze Stärke ausspielen, nämlich das Gebäude beschatten, Luftschadstoffe und Staub binden und gleichzeitig Sauerstoff produzieren.

"Die Fassadenbegrünung des "Wiener Wasser"-Hauses ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man wirkungsvolle Maßnahmen gegen das intensive Aufheizen im dichten Stadtraum setzen kann", betonte Umweltstadträtin Ulli Sima in der Aussendung. Bereits 2011 wurde als Pilotprojekt die Fassade der MA 48-Zentrale begrünt.

Weitere Begrünung geplant

Jürgen Preiss, in der MA 22 für den Strategieplan zuständig, bestätigte auf APA-Anfrage, dass in den nächsten Jahren weitere öffentliche Gebäude begrünt werden sollen. Vor allem Bezirksämter und Schulen kämen dafür in Frage. Bei der Belegschaft kommen die vertikalen Gärten jedenfalls gut an: "In der MA 48 bleiben die Mitarbeiter gerne länger im Büro, weil es um einiges kühler geworden ist."

Für Privatpersonen, die sich für einen Dach- oder vertikalen Garten entscheiden, gibt es bis zu 2.200 Euro von der Stadt, bei Neubauten mit Flachdächern ist ein Dachgarten ohnehin Pflicht. "Wir wissen, dass der Einreichprozess sehr kompliziert ist", sagte Preiss, man wolle den Vorgang aber vereinfachen. Viele wüssten zudem nicht, an welche Experten sie sich wenden können."

Einer dieser Experten ist Simon Tschannett von der Firma Weatherpark, die Beratung in Sachen Stadtklima anbieten. Tschannett zeigte sich auf APA-Nachfrage erfreut, dass die Stadt das Problem angeht. Die Förderung für Dach- und Fassadenbegrünung sei zwar lobenswert, es fehle jedoch an einem flächendeckenden Stadtklimaplan. Man dürfe sich nicht zu sehr auf Einzelprojekte konzentrieren, sondern müsse groß denken. In einer Weltstadt wie Wien sei es wichtig, unterschiedliche Räume anzubieten. Als Beispiel nannte Tschanett das beinahe unbegrünte Museumsquartier: "Dort ist es zwar heiß, dafür kann ich dort am Abend länger verweilen, gerade in der Übergangszeit."

Der Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land kann laut Studien bis zu zwölf Grad betragen. Messungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigten, dass die Differenz zwischen Innerer Stadt und den Randbezirken Wiens bei vier bis fünf Grad liegen.

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