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Ist die Grundlagenforschung unter Reformdruck? Publish or Perish und das Law of Unintended Consequences

04.01.2019

2018 war auch in FTI-politischer Hinsicht ein aufregendes Jahr für Österreich: Noch nie zuvor hat Österreich für F&E so viel ausgegeben, im EU-Vergleich liegt Österreich bei der F&E-Quote auf Platz 2; u.a. wurde dem universitären Sektor bis 2022 ein Plus von 1,6 Mrd. Euro zugesprochen. Darüber hinaus steht die Erarbeitung einer neuen FTI-Strategie an, die jetzige Strategie 2020 ist im Auslaufen - ein Grund, um das Innovationssystem Österreich auch einem internationalen Peer-Review-Verfahren zu unterziehen. Eines der Hauptergebnisse des Peer Reviews, durchgeführt von der OECD, ist, dass Österreich auf einem guten Weg ist, in Zukunft allerdings mehr Augenmerk auf die Stärkung der Grundlagenforschung legen sollte. Diese Erkenntnis ist nicht neu. In zahlreichen Dokumenten und Studien - wie auch zuletzt prominent beim 50-Jahr Jubiläum des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) wurde und wird darauf hingewiesen, dass gerade der FWF unterdotiert ist. Zusammen mit dem Ruf, die Grundlagenforschung zu stärken und dabei auch die Exzellenz von wissenschaftlichen Leistungen weiterauszubauen, soll nun in Österreich eine Exzellenzinitiative unter der Schirmherrschaft des FWF entwickelt werden, die genau eben auf diese zwei Ziele fokussiert.

Zugleich kommen jedoch gerade in jüngster Zeit Meldungen auf, welche die Anreizstruktur bzw. die aktuelle Governance der Grundlagenforschung grundlegend in Frage stellen. Diese internationale Debatte, geführt u.a. in den renommierten Zeitschriften Nature und Science, bezieht sich auf die Grundlagenforschung im Allgemeinen und ist daher auch für Österreich von Relevanz. Generell erweisen sich die Anreizstrukturen im Wissenschaftssystem im internationalen Vergleich als relativ ähnlich, wenngleich freilich nationale Spezifika existieren. Die Proponenten der Diskussion weisen darauf hin, dass die Maximierung quantitativer Forschungsoutputindikatoren unter Bedingungen scharfer Konkurrenz um Ressourcen und Arbeitsplätze im Wissenschaftssystem potenziell negative Auswirkungen auf die Grundlagenforschung selbst und damit auch auf den sozialen Fortschritt hat. Möglicherweise ist dadurch auch die universitäre Lehre nachteilig betroffen, die ja aufgrund der Multifunktion des wissenschaftlichen Personals eng mit den Forschungsaktivitäten verknüpft und damit eine weitere Determinante der gesellschaftlichen Entwicklung ist. In beiden Fällen sind die volkswirtschaftlichen Kosten schwer einzuschätzen, allerdings sind diese angesichts der steigenden Bedeutung von Grundlagenforschung und universitärer Bildung keineswegs als gering einzustufen.

Ziel dieses Policy Briefs ist es daher, zu einer kritischen Reflexion über Reformbedarf im System der Grundlagenforschung beizutragen. Wir plädieren für eine neue Balance in der Grundlagenforschung zwischen Quantität und Qualität und für die Erkenntnis, dass wissenschaftliche Qualität nur eingeschränkt durch quantitative Indikatoren abgebildet werden kann. "Mehr Qualitätskonkurrenz" und "weniger Quantitätskonkurrenz" könnte ein Motto für Reformansätze in der Grundlagenforschung - auch für die Exzellenzinitiative - sein.

Den kompletten Policy Brief lesen sie unter: http://go.apa.at/GckQc8gz

Quelle: WPZ

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