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Klimaabkommen - Klimaforscher: "USA werden unglaubwürdig"

02.06.2017

Kohlendioxid-Ausstoß, Treibhauseffekt, Erderwärmung: Die Mitglieder des Pariser Klimaschutzabkommens werden diese Probleme künftig ohne die USA angehen. "Durch ihre Absage verspielen die USA diplomatisches Kapital", sagte der Direktor der Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, nun in einem Interview der dpa.

dpa: Ist damit der 2015 von 195 Staaten unterzeichnete Pariser Klimavertrag beerdigt?

Schellnhuber: Der gesamte Klimavertrag von Paris ist natürlich nicht beerdigt. Es gibt damit drei Staaten, die sich nicht beteiligen: Syrien, Nicaragua und nun die USA. Aber 192 Staaten stehen weiter dazu. Es ist eher eine Sache, die die USA schwächen wird.

dpa: Kann die Welt und damit der Klimaschutz den Ausstieg der Amerikaner verkraften?

Schellnhuber: Das ist jetzt die große Frage. Soweit ich die Stimmung kenne von der letzten Klimakonferenz in Marrakesch ist man jetzt trotzig entschlossen, den Weg weiter zu gehen. Ob die USA dabei bleiben, war mit der Wahl von Trump eher unwahrscheinlich. Jetzt ist es eingetreten. Die Reihen haben sich aber vorher schon deutlich geschlossen. Das Entscheidende wird sein, ob beispielsweise China - das Land mit höchster Produktion von Treibhausgasen - die Anstrengungen verstärkt, um gut zu machen, was die USA jetzt versäumen. Und das könnte eine interessante Dynamik auslösen, unterm Strich dem Klimaschutz sogar dienen.

dpa: Welche Folgen wird der Ausstieg für die USA selbst haben?

Schellnhuber: Sie unterlaufen einen Weltvertrag von beispielloser Bedeutung. Diplomatisches Kapital wird einfach verschleudert. Zudem werden die USA unglaubwürdig. Aufgrund des verloren gegangenen Vertrauens geht nun das amerikanische Jahrhundert endgültig zu Ende.

dpa: Wie sollen nun die restlichen Vertragsstaaten auf Trumps Entscheidung reagieren?

Schellnhuber: Die anderen Länder müssen klar machen, das sie so etwas nicht gut heißen. Wenn die USA diese Irrläuferpolitik fortsetzen, werden sie sich umorientieren müssen.

(Das Gespräch führte Gudrun Janicke/dpa)

Service: Hans Joachim Schellnhuber ist Gründer und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Der 66-Jährige sitzt auch im Wissenschaftlichen Beirat der deutschen Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen

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