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Androsch: Forschung braucht qualifiziertes Personal © APA (Hochmuth)
Androsch: Forschung braucht qualifiziertes Personal © APA (Hochmuth)

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Koalition - Androsch warnt vor Rückschritt im Bildungsbereich

29.11.2017

Der Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, urgierte anlässlich einer Sitzung des Gremiums in Linz einmal mehr Reformen unter anderem im Bildungssystem. Angesichts der Pläne von ÖVP und FPÖ im Bildungsbereich warnte er vor einem Rückschritt, "den großen Wurf kann ich nicht erkennen".

Zu den Plänen der Koalitionsverhandler im Kapitel Bildung sagte Androsch: "Bevor nicht das endgültige Ergebnis vorliegt, will ich es nicht bewerten. Aber das, was man gehört hat, ist weit entfernt vom Bildungsvolksbegehren, das unter Mitwirkung von Experten entstanden ist." Androsch hatte das Volksbegehren mitinitiiert. Er erinnerte daran, dass Forschung und Technologieentwicklung qualifiziertes, kreatives und engagiertes Personal brauchen. Dazu sei ein anderes Bildungssystem erforderlich und auch eine bessere Ausstattung der Universitäten und Fachhochschulen.

Entwicklung zu führendem Innovationsland

Androsch sieht aber grundsätzlich für die Entwicklung Österreichs zu einem führenden Innovationsland aktuell einen guten Zeitpunkt: der Beginn einer neuen Legislaturperiode und der Antritt einer neuen Bundesregierung. Der RFT, ein Beratungsorgan der Bundesregierung für bildungs-, wissenschafts-, forschungs- und innovationspolitische Fragestellungen, befasse sich damit, schon jetzt das nächste Jahrzehnt vorzubereiten und gleich bis 2050 zu schauen. Es wäre auch relativ einfach, Verbesserungen in Forschung und Innovation zu erzielen, indem die finanziellen Mittel dafür - diese müssten nicht immer gleich erhöht werden - zumindest einmal gebündelt werden. Man müsse weg von "Kastldenken" und Zersplitterung, hin zu mehr Zusammenarbeit, auch wenn es verschiedene Standorte gebe.

Der stellvertretende Forschungsrats-Chef, Markus Hengstschläger, nannte als gelungenes Beispiel für die Umsetzungen der Forderungen des RFT das Institute of Technology (LIT) der Universität Linz. Es ist als Plattform aller ingenieurwissenschaftlicher Studien an der Uni Linz gedacht und als "Allianz für den technologischen Fortschritt im Bundesland", an der alle wesentlichen Stakeholder - Uni, Land, Stadt und Industrie - beteiligt sind. Es betreibe Forschung und Lehre auf höchstem Niveau, kooperiere bei der Finanzierung von Forschung und Entwicklung mit Politik, Wirtschaft und Industrie, lasse gute Ideen schnell zu Geld kommen und fördere die Dynamik bei Firmengründungen.

Recht auf Scheitern

Hengstschläger und der Generaldirektor der voestalpine, Wolfgang Eder, als Gastgeber der RFT-Klausur, treten gegen ein Tabu in Österreich auf: Man müsse auch einmal scheitern dürfen. Forschung bedeute, bewusst in Risiken zu gehen. In der voestalpine werde bei jedem größeren Projekt der Fortschritt und die Kosten-Nutzen-Relation jährlich bewertet und es notfalls beendet. Auch aus Fehlschlägen könne man lernen.

Landeshauptmannstellvertreter Michael Strugl (ÖVP) verwies darauf, dass es analog zum RFT auch einen Oberösterreichischen Forschungsrat gebe. Dieser hat nach einem strategischen Programm "Innovatives OÖ 2020" nunmehr zur Vorbereitung eines kommenden Programmes eine "Vision OÖ 2030 - Der beste Platz zum Leben!" entwickelt, aus der derzeit Empfehlungen für die Forschungs-, Technologie- und Innovationsziele im Bundesland erarbeitet werden.

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