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Zeilinger hofft auch auf Impulse Geisteswissenschaften © APA
Zeilinger hofft auch auf Impulse Geisteswissenschaften © APA

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Koalition: Wissenschaft mit hohen Erwartungen in Faßmann und Programm

18.12.2017

Die Nachricht, dass mit Heinz Faßmann (ÖVP) ein Mann aus der Forschung und dem Uni-Management die Position des Bildungs- und Wissenschaftsministers übernimmt, stößt bei führenden Vertretern der Wissenschaftsgemeinde auf positives Echo. Als ausgewiesenen "Experten in diesen Fragen" bezeichnete ihn etwa der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Anton Zeilinger.

"Wenn es einen Fachmann gibt, dann ist es er", so Zeilinger auf Anfrage der APA. Er hoffe nun, dass in der Bezeichnung des neuen - um den Großteil der Wissenschaftsagenden erweiterten - Ressort auch die Wörter "Wissenschaft" und "Forschung" prominente Erwähnung finden. Dass darüber hinaus nun auch die Zuständigkeiten für die Bildungspolitik "in einer Hand" vereint sind, sei ebenfalls sehr positiv, so der Quantenphysiker.

Bei Punkten des Regierungsprogramms wie dem Forschungsfinanzierungsgesetz und dem Ziel, die Forschungsquote auf 3,76 Prozent des BIP zu erhöhen, müsse man abwarten, "ob es drinnen auch so schön ausschaut, wie die Verpackung von außen", sagte Zeilinger, der hier noch breiten Interpretationsspielraum ortet. Die in Aussicht gestellte "Exzellenzinitiative" müsse jedenfalls auf die Bedürfnisse des Wissenschaftsnachwuchses abgestimmt sein, und dürfe nicht dazu dienen, "dass dort, wo Tauben sind, Tauben zufliegen".

"Historische Dehscheibe" Wien

Er wünsche sich zudem, dass auch die wirtschaftsnahe Forschung - wie bei der Grundlagenforschung bereits der Fall - "nach höchsten internationalen Qualitätskriterien" beurteilt werde. Dass Österreichs Rolle als wissenschaftliches Verbindungsglied nach Osteuropa oder in den Nahen Osten gestärkt werden soll, freut den ÖAW-Chef. Wien habe hier "eine besondere Bedeutung" und werde erfreulicherweise auch im Regierungsprogramm als "historische Drehscheibe bezeichnet". Hier erhofft sich Zeilinger Impulse für die auch an der ÖAW stark vertretenen Geisteswissenschaften.

Als "starkes Aufbruchsignal" bewertet der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner, die Pläne der Regierung. In Faßmann sieht auch der FWF-Chef einen "ausgewiesenen Experten, der von Null auf 100 starten kann". Die Zusammenfassung der Ressorts sei ebenso ein wichtiger Schritt wie die angestrebte längerfristige finanzielle Planbarkeit. An dem Vorhaben, eine "Exzellenzinitiative" zu entwickeln, merke man, "dass die neue Regierung große Pflöcke einschlagen möchte". Das sei ein wichtiges Signal an Jungforscher, so Tockner zur APA.

Tockner hofft auf Balance zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung

Auch er hofft, dass zukünftig eine bessere Balance zwischen der bisher niedriger dotierten Grundlagenforschung und der angewandten Forschung hergestellt wird. Hier erwartet sich Tockner vom neuen Minister rasche Initiativen.

Die Physikerin Ulrike Diebold wünscht sich als Sprecherin der Wittgensteinpreisträger, dass der "kompetente Wissenschaftsminister" in der Finanzierungsfrage etwas in Richtung der Grundlagenforschung bewegen kann. Unabhängig von der Ausrichtung der Forschung fehle es in Österreich an Investitionen in wissenschaftliche Infrastruktur - sprich Geräte, die möglichst viele Wissenschafter im Land nutzen können, sagte Diebold zu APA.

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