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Beziehungen statt Bytes © Shutterstock
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Kooperationsmeldung

Leading Innovation Impulse: Der Erfolg der digitalen Transformation ist eine Frage der Führung, nicht der Technologie

10.09.2018

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem TÜV AUSTRIA

Immer schneller, immer komplexer und vor allem: Immer digitaler. Die Digitalisierung bringt völlig neue Spieler auf den Markt, die über nie dagewesene Möglichkeiten verfügen, mit Daten und Algorithmen die Welt zu verändern; Unternehmen aus Ländern, die eben noch als verlängerte Werkbank galten, werden als veritable Wettbewerber nach oben gespült; Kunden verändern ihre Ansprüche, verlangen individualisierte, ganz auf sie zugeschnittene Leistungen und lassen sich nicht mehr in Zielgruppen und Sinus-Milieus einteilen. Dazu kommt: Eine neue Generation von Mitarbeitern tritt mit völlig veränderten Werthaltungen auf den Arbeitsmarkt.

Um diesen Entwicklungen nicht hinterherzulaufen, rufen viele Unternehmen nach "Digital Leadership". Führung von Unternehmen im Vierpunktnull-Zeitalter steht für all das, woran es Betrieben - scheinbar? - mangelt: Dynamik, Pioniergeist, Disruptionstoleranz, Flexibilität. Allerdings: Auf diese Weise kommt man ganz schnell in die Gasse der Buzzwords, und die vielzitierte Agilität schielt ums Eck.

Tatsache ist, dass Unternehmen immer öfter bereit sind, auch über fundamentale Änderungen von Organisations- und Führungsprinzipien nachzudenken. In der VUCA Welt (volatility, uncertainty, complexity und ambiguity, deutsch: Volatilität / Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit) gelten neue Maßstäbe: Was gestern noch als unumstößlich angesehen wurde, ist heute nur noch überholt. Aus dem Unbehagen mit dem Status Quo entstehen die Sehnsucht nach Neuem und der Versuch, das Unternehmen durch Strukturveränderungen zu optimieren. Apologeten von Holacracy, Scrum und Co werden mit offenen Armen empfangen, versprechen sie doch nicht nur eine bessere Passform auf veränderte wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, sondern auch den Ausgleich von Schieflagen in der bestehenden Struktur. Es sind zum Teil geradezu mythische Heilsversprechen, die von neuen Organisationsmodellen ausgehen.

Spätestens an dieser Stelle sollten bei Führungskräften sämtliche Alarmglocken läuten. Eine sorgfältige Betrachtung der Fallstudien hinterlässt nämlich eher Ratlosigkeit. Werden hier echte und nachhaltige Erfolge erzielt? Woran, außer an ein paar euphorischen Zitaten, kann der Erfolg festgemacht werden? Und lässt sich das Betriebsmodell einer Silicon Valley Company oder eines Berliner Startups reibungslos auf einen gestandenen Mittelbetrieb übertragen? Nicht umsonst warnen Medien inzwischen vor den "Rattenfängern von Digitalien" (Manager Magazin, Februar 2018): Selbsternannten Gurus und Beratern, die Vorständen im Sturm der Digitalisierung Halt versprechen.

Hat man sich durch das Gestrüpp der Schlagworte gekämpft, wird immer deutlicher, dass die entscheidenden Themen der Digitalisierung nicht auf der technologischen Ebene zu lösen sein werden. Mehr denn je stellen sich Fragen nach der Bedeutung des Menschen im Arbeitsprozess, nach der Sinnhaftigkeit von Management, nach Vertrauen, Kontrolle, Freiheitsgraden und unternehmerischem Handeln. Unabhängig davon, wie man die transformatorischen Effekte bewertet, die das digitale Zeitalter mit sich bringt, es wird reflektierte Menschen brauchen, die durch den Wandel führen. Dazu reicht fachliches Verständnis nicht aus, es braucht eine Reform im Denken und Handeln. Denn der Erfolg von Digitalisierung in Unternehmen hängt weniger von Bytes ab als von Beziehungen.

Die "Strukturorganisation" schafft kein innovatives Denken und keinen Fortschritt; sie erhält nur. Das reicht nicht mehr, denn die digitale Wissensgesellschaft zersetzt auf Dauer auch die Organisation. Überträgt man dann konsequenterweise seinen Mitarbeitern größere Autonomie und Verantwortung, braucht es auch gefestigte Führungskräfte, um mit dezentralen, flachen Strukturen zurechtzukommen. Demokratisierung, Verflachung und Agilisierung gelingt nur, wenn die Kompetenz des Managements und die Führungskultur entsprechend ausgeprägt sind.

Gute Führung hat also immer Saison, sie kann nicht durch Organisationsmodelle ersetzt werden. Auch wenn es paradox klingt, je flacher die Organisation ist, umso mehr - nicht umso weniger - wird Führung benötigt. Nur eben eine andere Art der Führung. Auf das Zeitalter des zahlen- und entscheidungsorientierten Managements folgt die Ära der richtungsweisenden und kulturstiftenden Führung.

Johann Christof, CEO und Eigentümer Christof Industries GmbH: "Es ist zunächst essentiell, die eigenen Mitarbeiter an Bord zu holen und das entsprechende Mindset zu schaffen, das wir benötigen, um uns auf neue Themen im Bereich Digitalisierung vorzubereiten und ein Verständnis dafür zu entwickeln, wohin die Reise für uns als Unternehmen gehen wird. "

DI Armin Rau, Geschäftsführer TRUMPF Maschinen Austria GmbH + Co KG: "Es beginnt bei den Arbeitsweisen, die den Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Bei TRUMPF Österreich wird gerade das mobile Arbeiten eingeführt: Die Mitarbeiter dürfen 20% ihrer Arbeitszeit außerhalb des Unternehmens erbringen. Dabei darf nicht unterschätzt werden, dass eine Mindestanwesenheit der Mitarbeiter in der Firma für das soziale Arbeitsleben und die Zusammenarbeit notwendig ist. Darüber hinaus fördern offene Plattformen den Austausch und Informationsfluss."

Ing. Mag. Thomas Jost, Vorstand Liaunig Industrieholding AG, CEO und Miteigentümer Waagner-Biro AG: "Waagner-Biro hat zur Adressierung des Themas Digitalisierung unter anderem eine Fast Forward Gruppe gegründet, die aus Mitarbeitern besteht, die nicht länger als 3 Jahre im Unternehmen sind. Die Gruppe bekommt identifizierte Schwerpunkte vom Management vorgegeben und darf auch selbst Themenbereiche vorschlagen, zu denen dann an Lösungen gearbeitet wird. Dabei stoßen das Management und traditionelle Mitarbeiter auf junge, innovative Köpfe."

O. Univ.-Prof. DI Dr. Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien: "Für eine Universität stellt sich die Frage der Führung im Hinblick der digitalen Transformation in zweierlei Hinsicht, als Ausbildungseinrichtung und als Arbeitgeberin. Es reicht nicht aus, flache Hierarchien anzulegen, die Menschen müssen auch befähigt werden, verantwortungsvoll damit umzugehen, sowohl als Mitarbeiterin, als Mitarbeiter als auch als zukünftige Führungskraft. Neben fachlichen Skills finden zunehmend sogenannte Social Skills Eingang in die Curricula, ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Forschung lebt über die Wechselwirkung von Köpfen. Deshalb ist es für unsere Arbeit essentiell, eine Balance zwischen Homeoffice und Arbeit in der Universität sicherzustellen, um das für Innovation wichtige soziale Gefüge aufrechtzuerhalten."

DI Franz Mittermayer, Vorstandsdirektor EVN AG: "Eine Chance und gleichzeitig Herausforderung der digitalen Transformation ist es, die Innovationskraft aller global verteilten Mitarbeiter zu nützen. Dazu müssen die organisatorischen Strukturen so flach wie möglich gemacht und entsprechende Tools eingeführt werden, damit jeder Mitarbeiter die gleichen Möglichkeiten zur Kommunikation und Zusammenarbeit sowie zum Einbringen neuer Ideen hat, egal wo und in welcher hierarchischen Ebene er sich befindet."

DI Dr. Stefan Poledna, Vorstand und Mitbegründer TTTech Computertechnik AG: "Viele der organisatorischen Maßnahmen, die von Unternehmen gesetzt werden, wie beispielsweise die Einführung eines Chief Digitalization Officers, schießen am Ziel vorbei und sind nicht sinnstiftend. Die Kernfrage beim Thema Digitalisierung sollte stets sein, wie sich Kundennutzen mit neuen Technologien stiften lässt. Das bloße Digitalisieren reicht nicht, erst diese Kundensicht bringt einen Mehrwert."

(Thematische Einführung von Franz Kühmayer, zukunftsInstitut)

Service: Dieser Beitrag ist Teil der Publikation "Leading Innovation Impulse aus dem TÜV AUSTRIA Innovationsbeirat: Band 2 - Wie die digitale Transformation unsere Arbeitswelt radikal verändert", weitere Informationen und Download unter: http://go.apa.at/4v71CAJM

Franz Kühmayers White Board Visualisierungen zu den entscheidenden Themen der Digitalisierung

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