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Der Mensch als kulturprägender Faktor ist mehr denn je gefragt © APA (dpa)
Der Mensch als kulturprägender Faktor ist mehr denn je gefragt © APA (dpa)

Kooperationsmeldung

Leading Innovation Impulse: Der Mensch zwischen 0 und 1

04.10.2017

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem TÜV AUSTRIA

Digital, das ist Wissen aus Fakten, evidenzbasierte Grundlagen, klare Entscheidungen, kühle Rationalität. Zumindest scheinbar. Denn je nüchterner unser Blick auf die Welt ist, je analytischer und unbestechlicher unsere Herangehensweise, umso mehr nähern wir uns zutiefst emotionalen und moralischen Aspekten der Welt von morgen.

Schon heute pflegen viele Menschen einen geradezu fröhlich fahrlässigen Umgang mit ihren Daten und ihrer Privatsphäre. Die GAFAnomie (von Google Apple Facebook Amazon) macht sich die digitalen Spuren zunutze, die wir hinterlassen, verknüpft sie auf immer neue Art miteinander und entwickelt auf deren Basis Lösungen für Probleme, die uns gar nicht bewusst waren. Doch das ist erst der Anfang. In der cyberphysikalischen Welt des Internet of Things potenziert sich der Sachverhalt. IT-Konzerne, Hersteller alltäglicher Produkte und Anbieter von Dienstleistungen wachsen zusammen, erfassen und vernetzen Daten und tauschen Informationen aus. Dann sammeln nicht nur Anbieter sozialer Medien oder Suchmaschinen die digitalen Krümel unseres Alltags auf, sondern auch die Hersteller von smarten Heizungen und Fahrstühlen, die Modefirma, die

Wearables herstellt und die Lebensversicherung, die auf die Fitnessdaten der Smartwatch zugreift. Im Verschmelzen von real und digital verschieben sich Strukturen hin zu neuen Grenzen und bislang unberührten Fragestellungen. Wie sollen autonome Fahrzeuge reagieren, wenn sie Gefahr laufen, Menschen zu gefährden? Wo sind die Grenzen der algorithmischen Einflussnahme auf demokratische Prozesse? Ist Artificial Intelligence ein Segen für die Menschheit oder führt sie uns an den Rand des Abgrundes?

Wenn wir über digitale Sicherheit nachdenken, geht es längst nicht mehr nur darum, Menschen vor technischen Unzulänglichkeiten von Maschinen zu schützen, oder Maschinen vor fehlgeleitetem Handeln des Menschen. Wir müssen weiter denken. Lernende Maschinen verstärken diese Entwicklung nur noch: Künftig ist der Output eines Computerprogramms eben nicht mehr deterministisch vorgegeben, sondern basiert darauf, was und von wem die Maschine gelernt hat. Das führt nicht nur zu ethischen Debatten, sondern auch zur Diskussion um Sicherheit, Verantwortung und Haftbarkeit. In der rationalen Welt der Algorithmen ist der Mensch als kulturprägender Faktor mehr denn je gefragt.

O. Univ. Prof. DI Dr. Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien: "Die Art wie Automatisierung stattfindet, ändert das Verhältnis von Mensch zu Maschine dramatisch. Vollkommen neue soziale Aspekte benötigen besondere Sensibilität vor allem auch unter dem Sicherheitsaspekt. Der Roboter wird zunehmend als Mensch und nicht als Maschine gesehen werden, aber bleibt letztendlich Maschine. Sicherheit in der Mensch-Maschinen-Interaktion wird somit zunehmend ein ganzheitliches Thema. Darüber hinaus spielt durch die globale Vernetzung der Produktion, und dem dadurch wachsenden Datenvolumen und intensivierten Datenaustausch, die Informationssicherheit eine große Rolle."

DI Dr. Peter Layr, Sprecher des Vorstandes EVN AG: "Die Wirtschaft und die Gesellschaft müssen von der Digitalen Transformation langfristig profitieren können, ansonsten wird es nur einer von vielen Hypes gewesen sein: Wirtschaftlichkeit und Nutzen vor Selbstzweck. In diesem Zusammenhang werden unterschiedliche Themenfelder wie Automatisiertes Fahren und Industrie 4.0 zeitgleich diskutiert, aber die unterschiedlichen Zeitachsen zu deren Realisierung nicht berücksichtigt. Hier müssen in der öffentlichen Diskussion realistischere Zeiträume betrachtet werden, um durch überzogene Erwartungshaltungen keine negativen Enttäuschungseffekte zu bewirken. Die Datensicherheit nimmt dabei eine kritische Rolle ein und muss mit der Digitalisierung selbst Schritt halten können."

DI Dr. Stefan Poledna, Vorstand und Mitbegründer TTTech Computertechnik AG: "Im Kundengespräch zeigt sich, dass es noch ein sehr neues Thema ist, wo noch viele Fragen offen sind. Fragen unter dem Aspekt der Security wie "wer besitzt die Daten?", "wo gehen die Daten hin?". Da letztendlich diese Daten dazu verwendet werden, um Prozesse zu steuern, ist es ein zentraler Punkt, dass diese Aktionen letztendlich auch sicher im Sinne der Safety ausgeführt werden."

DI Armin Rau, Geschäftsführer TRUMPF Maschinen Austria GmbH + Co KG: "In der Vergangenheit stand die Gefährdung der Maschine Richtung Benutzer im Fokus. Durch die digitale Transformation rücken Themen wie Datensicherheit, Sicherheit im Umgang mit Assistenzsystemen wie dem Trumpf MagicShoe oder auch 3D-Brillen und Sicherheit im Umgang mit kooperierender Robotik in den Vordergrund. Im Bereich der digitalen Vernetzung gibt es heute sicher noch zu wenig Sicherheit. Nachdem vermehrt vom Eindringen in Rechnersystemen und Datendiebstählen, bis hin zu Wahlverfälschungen im politischen Umfeld berichtet wird, wird man bezüglich Datensicherheit viel sensitiver."

DI Dr. Peter Layr, Sprecher des Vorstandes EVN AG: "Im Prinzip muss der Mensch die Grenzen der Digitalisierung definieren. Dabei muss aber die Grenze nicht beim Nutzer sondern beim Inverkehrbringer gezogen werden, um mögliche Hemmungslosigkeiten zu vermeiden."

DI Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA Gruppe: "Maschinen sind gut, wo es deterministisch zur Sache geht. Dort können sie klare Entscheidungen auf Basis von Fakten treffen. Es wird dort ein großes Thema, wo es bei Entscheidungen kein Richtig oder Falsch gibt, wie zum Beispiel bei Fragen ethischer Natur, wo unterschiedliche Menschen auch unterschiedlich reagieren würden."

Ing. Mag. Thomas Jost, Vorstand Liaunig Industrieholding AG, CEO und Miteigentümer Waagner-Biro AG: "Es stellt sich auch die Frage, wie wir Maschinen etwas beibringen können, was die Menschen selbst nie gelernt haben."

O. Univ. Prof. DI Dr. Sabine Seidler: "Solche Fragestellungen werden bereits im wissenschaftlichen Kontext behandelt. Wir werden sehen welche Antworten hier kommen werden und was die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft sein werden."

(Thematische Einführung von Franz Kühmayer, zukunftsInstitut)

Service: Dieser Beitrag ist Teil der Publikation "Leading Innovation Impulse aus dem TÜV AUSTRIA Innovationsbeirat: Band 1 - Sicherheit als Wegbereiter für die Digitale Transformation", weitere Informationen und Download unter: http://go.apa.at/4v71CAJM

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