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Erwarteter Nutzen muss mit möglichem Schaden abgewogen werden © APA (AFP)
Erwarteter Nutzen muss mit möglichem Schaden abgewogen werden © APA (AFP)

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Medizinische Gentherapie hui, Keimbahnveränderung pfui

24.08.2018

Die Menschen mit Gentherapie zu heilen ist eine gute Sache und logische Fortführung der medizinischen Tradition, erklärte der Theologe und Ethiker Matthias Beck im Gespräch mit der APA am Rande der Alpbacher Technologiegespräche. Tabu seien allerdings Eingriffe in der Keimbahn und Gendoping. Um solchen Missbrauch neuer medizinischer Methode zu verhindern, seien weltweite Regelungen erforderlich.

"Es entspricht dem Forschergeist des Menschen, dass er sich überlegt, wie man Krankheiten am besten bekämpfen kann", sagte Beck, der am Institut für Systematische Theologie und Ethik der Universität Wien arbeitet und in Alpbach an einem Arbeitskreis zu Gentherapie teilnimmt. Die Funktionen und das Zusammenspiel der Gene zu erforschen und zu manipulieren, um damit Erkrankungen zu heilen, seien grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings müsse man stets den erwarteten Nutzen mit dem möglichen Schaden abwägen, denn keine Therapie sei frei von möglichen Nebenwirkungen.

Es gibt Krankheiten wie bestimmte Brustkrebs-Formen, wo ein einziges Gen verändert ist. Es spräche überhaupt nichts dagegen, wenn die Mediziner bei einer betroffenen Person solch ein krankmachendes Gen entfernen oder ersetzen. "Der Mensch hat immer schon in die Natur eingegriffen und zum Beispiel in der Pflanzenkunde durch Züchtung auch schon Gene manipuliert", erklärte Beck.

"Bei den bisherigen genetischen Eingriffen habe sich oft das ganze Genom verändert, doch mit der neuen Genschere CRISPR-Cas9 funktioniert das offensichtlich gezielter", sagte der Ethiker. Dennoch verbliebe stets ein Restrisiko, was es für Genetiker wie Ethiker "unter keinen Umständen" vertretbar macht, solche Eingriffe in der Keimbahn durchzuführen, also bei Spermien, Eizellen oder Embryonen bis zum fünften Tag der Entwicklung. Eine Veränderung wird dann nämlich auf die zukünftigen Generationen übertragen und ein kleiner Schaden könne zu einem großen auswachsen.

Globale Regelungen notwendig

"Alle vernünftigen Genetiker auf der Welt warnen deshalb davor, in der Keimbahn genetische Eingriffe zu machen", schilderte Beck. Bei einer Ethikerkonferenz sei er von einem Kollegen aus China angesprochen worden, dass dies dort kein Tabu ist: "Er hat gesagt, ihr Europäer müsst uns helfen, das zu verhindern, weil bei uns wird es gemacht", berichtet Beck. Es bräuchte deshalb globale Regelungen. Dies wäre auch zum Eigenschutz der Europäer, "denn alles, was im Ausland gemacht wird, kommt eines Tages etwa durch Reisetätigkeit und Tourismus auch zu uns", sagte er.

Eine weitere Missbrauchsmöglichkeit sei Gendoping. So wie mit Medikamenten könnten womöglich Ausdauersportler durch genetische Manipulationen ihre Menge an Erythropoetin (dies ist ein Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen, die Sauerstoff binden) erhöhen. "Natürlich könnte es ehrgeizige Eltern oder Trainer geben, die einem jungen Menschen ein solches Gendoping anraten, falls es funktioniert", sagte Beck. Dies falle im Sport eindeutig unter verbotenes Doping, also der Manipulation des menschlichen Organismus zur eigenen Vorteilnahme und sei demnach genau so abzulehnen, wie medikamentöses Doping.

(Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem AIT - Austrian Institute of Technology)

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