Politik & Wirtschaft

APA

NR-Wahl: Mathe-Missionar Rudolf Taschner darf mit VP-Mandat rechnen

08.08.2017

Kaum ein anderer Wissenschafter hat sich in den vergangenen Jahren so engagiert ausgerechnet der Vermittlung der ungeliebten Mathematik gewidmet wie Rudolf Taschner (64). Der Gründer des "math.space" und außerordentliche Professor an der Technischen Universität (TU) Wien darf nun am aussichtsreichen 7. Platz der ÖVP-Bundesliste mit einem Mandat im nächsten Nationalrat rechnen.

Taschner wurde am 30. März 1953 in Ternitz (NÖ) geboren. Er maturierte am Theresianum in Wien und studierte an der Uni Wien Mathematik und Physik. 1976 wurde er sub auspiciis praesidentis promoviert, schloss aber noch ein Lehramtsstudium in seinen beiden Studienfächern an. 1977 begann er am Institut für Analysis und Technische Mathematik der TU Wien als Uni-Assistent zu arbeiten, gleichzeitig unterrichtete er am Theresianum. Heute ist Taschner Dozent am Institut für Analysis und Scientific Computing der TU und hält dort den Vorbereitungskurs für Informatik.

2003 gründete Taschner den "math.space" im Museumsquartier (MQ), wo Besuchern Mathematik als kulturelle Errungenschaft präsentiert wird. Unter anderem für diese Initiative wurde er vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zum Wissenschafter des Jahres 2004 gekürt.

Mehrfache Auszeichnungen

Neben Fachpublikationen (u.a. über die "Theorie der Gleichverteilung") und mehrbändigen mathematischen Lehr-und Fachbüchern verfasste Taschner vielfach ausgezeichnete allgemein verständliche Sachbücher zu Themen wie "Das Unendliche, Mathematiker ringen um einen Begriff" (1995), "Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche" (2002), "Der Zahlen gigantische Schatten" (2004), "Zahl. Zeit. Zufall. Alles Erfindung?" (2007), "Rechnen mit Gott und der Welt" (2009), "Gerechtigkeit siegt - aber nur im Film" (2011) oder "Die Mathematik des Daseins - Eine kurze Geschichte der Spieltheorie" (2015). Nächstes Monat erscheint mit "Vom 1X1 zum Glück" sein neuestes Werk.

In der Öffentlichkeit steht Taschner auch als Kolumnist der Tageszeitung "Die Presse", quasi geadelt wurde er mit einer Audienz bei "Kaiser Robert Heinrich I." Robert Palfrader in der ORF-Sendung "Wir sind Kaiser".

Inhaltlich nahm Taschner immer wieder zu bildungspolitischen Themen Stellung. So ist er etwa ein Verfechter einer teilzentralen Matura, bei der die Hälfte der Aufgaben zentral und die andere vom jeweiligen Klassenlehrer vorgegeben wird. Dabei scheut er sich auch nicht davor, für den zentralen Teil "sehr einfache Standardaufgaben" ohne Fallstricke zu fordern - auch um den Preis, sogenannte "Bildungsbürger" zu verärgern.

Als Wissenschaftssprecher würde Taschner eine alte ÖVP-Tradition fortführen: Diese setzte für diese Funktion in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auf Wissenschafter wie Christian Brünner (der später allerdings zum LIF abwanderte), Dieter Lukesch, Gertrude Brinek, Beatrix Karl oder Karlheinz Töchterle.

Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung