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In Stuttgart wurden die Platten in einem Gebäudekomplex bereits verbaut © Lackner_Architekt RKWArchitektur
In Stuttgart wurden die Platten in einem Gebäudekomplex bereits verbaut © Lackner_Architekt RKWArchitektur

Kooperationsmeldung

Neuer Fassaden-Werkstoff erweitert Gestaltungsoptionen bei Gebäuden

07.03.2016

Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes ist es dem österreichischen Spanplattenhersteller FunderMax gelungen, das Einsatzspektrum für Fassadenplatten entscheidend zu erweitern. Damit die neuen Hochdrucklaminatplatten auch in luftiger Höhe, in Schulen, Flughäfen oder Krankenhäusern montiert werden dürfen, musste ihre Brennbarkeit drastisch gesenkt werden. Neben zusätzlichen Marktoptionen hat das neue Produkt "m.look" dem Unternehmen mit Stammsitz in St. Veit (Kärnten), das sich als Spanplattenhersteller einen Namen gemacht hat, auch eine Nominierung zum Staatspreis Innovation eingebracht.

Bei Fassaden für Hochhäuser über 22 Meter, Wandverkleidungen für Fluchtwege und Außenhüllen von Gebäuden, wie Bahnhöfen, Flughäfen, Schulen oder Spitälern hatten Fassadenbauer und Architekten bisher nicht unbedingt die Qual der Wahl. Denn aufgrund der strengen Brandschutzvorschriften kamen hier nur unbrennbare Materialien wie Glas oder Beton infrage. Deren Aussehen und Oberflächenstruktur kann allerdings nicht beliebig gestaltet werden, was Planer in ihren Ambitionen, was die Optik von Gebäuden angeht, einschränke, wie die F&E-Projektleiterin Alexandra Nemeth im Gespräch mit APA-Science erklärte. "Wir haben hier eine Marktlücke gesehen."

Brennwertreduktion von 84 Prozent notwendig

In Zusammenarbeit mit dem außeruniversitären Forschungsinstitut Kompetenzzentrum Holz (KPlus Wood) und dem Unternehmenspartner Johns Manville ging es den Experten des FunderMax-Standorts Wiener Neudorf (Niederösterreich) um das Erreichen der Baustoffklasse A - was so viel wie nahezu "nicht brennbar" heißt. Dafür musste der Brennwert der Compaktplatten um 84 Prozent reduziert werden, was im Rahmen zweier von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützter mehrjähriger Projekte gelang.

"Erreicht haben wir das durch die Aneignung neuer Technologien. Grundsätzlich muss man natürlich relativ viel anorganische Materialien in die Platte einbringen" und in diesem Bereich hatte die Firma davor noch wenig Erfahrung, so Nemeth. Ebenso musste man sich Expertise im Umgang mit nicht- bis schwer brennbaren Imprägnierharzsystemen aneignen.

Bei der Beschichtung des Kernmaterials mit schwer brennbaren Dekorelementen habe auch das Risiko bestanden, dass die verwendeten Pressentechnologien prinzipiell nicht dafür geeignet gewesen wären, Oberflächen und Oberflächenverbunde in der nötigen Qualität herzustellen. Außerdem lief man Gefahr, diese nicht-brennbaren Verbundmaterialien zwar erzeugen zu können, sie dann den geforderten mechanischen und baurechtlichen Anforderungen aber nicht genügten.

Auf Markteinführung folgten Innovations-Auszeichnungen

Schlussendlich konnte das Produkt aber fünf Jahre nach Projektstart 2014 in den Markt eingeführt werden. Die Entwicklungskosten beliefen sich insgesamt auf 2,3 Millionen Euro. Bisher wurden 22 Kunden in vier Ländern mit m.look beliefert. Verbaut wurden die Platten etwa bereits bei einer Salzburger Schule, im Wiener Wilhelminenspital oder einem weitläufigen Gebäudekomplex bestehend aus einen Einkaufszentrum sowie Wohn- und Bürohäusern in Stuttgart.

Das gesamte Marktpotenzial schätzt das Unternehmen sehr hoch ein: So müssen beispielsweise in Osteuropa in den kommenden Jahren viele Hochhäuser saniert werden, was viele Chancen eröffne. An der Zulassung des in Europa patentierten Produktes in weiteren Weltgegenden arbeite man zu Zeit. In den USA wurde die Firma, mit österreichweit rund 1.000 Mitarbeitern, 2014 mit dem "JEC America Innovation Award" ausgezeichnet. Im November 2015 folgte der niederösterreichische Innovationspreis.

Service: APA-Science stellt allwöchentlich jeweils eines der sechs nominierten Unternehmen für den vom Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium vergebenen Staatspreis Innovation vor, der am 29. März von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner in Wien verliehen wird: http://science.apa.at/kooperation/Staatspreis

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