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Von der künftigen Regierung wünscht sich Henzinger "Ruhe und keine Einmischung" © APA (Techt)
Von der künftigen Regierung wünscht sich Henzinger "Ruhe und keine Einmischung" © APA (Techt)

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Personal-Fluktuationen sollen IST Austria "dynamisch halten"

05.12.2017

Auf halbem Weg zum Vollausbau bis 2026 ist das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) beim Personal. Dessen Fluktuation ist hoch - von den derzeit 350 Wissenschaftern müssen rund 300 Doktoranden und Postdocs das IST nach einigen Jahren auf jeden Fall verlassen. "Das ist wichtig, um das Institut dynamisch zu halten", sagte IST-Präsident Thomas Henzinger.

Insgesamt beschäftigt das IST derzeit rund 600 Personen aus 60 Ländern. Von den 350 Wissenschaftern sind 49 Professoren, sechs davon wurden im vergangenen Jahr neu berufenen. "Sie verbreitern unser wissenschaftliches Portfolio", sagte Henzinger vor Journalisten in Wien.

Erste Forschungsgruppe für Chemie

So etabliert etwa Maria Ibanez, die von der ETH Zürich kommt, die erste Chemie-Forschungsgruppe am IST. Mit Carrie Bernecky (Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie) und Florian Schur (European Molecular Biology Laboratory) zieht die Strukturbiologie in das Institut ein. Die beiden erhalten dafür das erste Hochleistungs-Kryoelektronenmikroskop in Österreich, eine "Multi-Millionen-Investition", wie IST-Managing Direktor Georg Schneider sagte.

Im Herbst wurde mit 35 Doktoranden der bisher größte Jahrgang aufgenommen. Ein Höchstwert wurde 2017 auch mit 15 verliehenen Doktoraten erzielt. Angesichts zunehmender Abgänge beginnt das IST seine Alumni zu erfassen: Von den etwa 30 Doktoranden und rund 100 Postdocs, die das Institut bisher verlassen haben, seien rund zwei Drittel in ein akademisches Umfeld gewechselt, der Rest in Industrie und Verwaltung. 14 Prozent hätten Jobs in Österreich bekommen, 13 Prozent in den USA.

Bei den eingeworbenen Forschungsfördermitteln hat das 2009 eröffnete IST heuer die 100-Millionen-Euro-Marke durchbrochen, drei Viertel davon kamen von der EU und der Großteil davon wiederum vom Europäischen Forschungsrat ERC. Insgesamt 38 ERC-Förderpreise hat das IST bisher erhalten. Stolz ist Henzinger darauf, dass jeder zweite beim ERC gestellte Antrag des IST erfolgreich war, während die Erfolgsrate im EU-Schnitt bei zwölf Prozent liegt.

Einmischung seitens der Politik unerwünscht

Von einer neuen Regierung wünscht sich Henzinger, "in Ruhe gelassen zu werden und keine Einmischung". Der IST-Chef kann sich auf diese Unabhängigkeit konzentrieren, ist doch das Institut finanziell bis 2026 abgesichert. Die Gespräche über eine Finanzierung darüber hinaus sollten nach der nächsten geplanten Evaluierung des Instituts im Jahr 2019 angegangen werden, wünschen würde sich Henzinger wieder eine zehnjährige Finanzplanung wie bisher.

Allgemein erwartet sich der IST-Chef von der Wissenschaftspolitik eine Stärkung der Grundlagenforschung, speziell der wettbewerblichen Grundlagenforschung. Helfen könnte dabei, und das hielte Henzinger am wichtigsten für den Wissenschaftsfonds FWF, die Wiedereinführung von Overhead-Zahlungen. Mit diesen werden den Unis und Forschungsstätten die Kosten teilweise abgegolten, die durch ein FWF-gefördertes Projekt entstehen.

Internationalisierung sieht man am IST dagegen nicht als Hauptproblem in der heimischen Forschungslandschaft. "Die Leute kommen wegen der Reputation der beteiligten Wissenschafter, nicht wegen der Willkommenskultur", sagte der stellvertretende IST-Chef Michael Sixt. Verbesserungsbedarf sieht man aber, speziell aus Wien höre man von am IST tätigen ausländischen Wissenschaftern deutlich mehr Beschwerden über administrative Probleme als aus Niederösterreich.

Brexit macht sich auch am IST bemerkbar

"Ganz deutlich" sieht man am IST den Brexit an den Bewerbungen. Speziell aus Großbritannien würden diese stark steigen. Eine "Katastrophe" ist nach Ansicht Henzingers der Brexit für die europäische Forschungsförderung. "Die Briten haben immer sehr auf Exzellenz gepocht, wenn das nun wegfällt, besteht die Gefahr, dass die Exzellenzförderung unter die Räder kommt", so der IST-Chef vor allem im Hinblick auf die Förderung durch den ERC.

Was die Vorbereitungen für das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm betrifft, war Henzinger "extrem enttäuscht" über das österreichische Positionspapier für das Nachfolgeprogramm von "Horizon 2020". Dieses sei völlig "industrielastig" im Sinne einer Forschungsförderung für die Industrie, dagegen finde man nichts zur Stärkung des ERC.

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