Politik & Wirtschaft

Partnermeldung

Stadt, Land, Verkehrsfluss

29.09.2017

Arbeiten in der Stadt, wohnen auf dem Land - so sieht das typische Lebensmodell vieler Menschen aus. Die Ersparnis bei Mieten oder beim Immobilienkauf im sogenannten Speckgürtel kostet allerdings Lebenszeit auf den Straßen - allein knapp 70 Stunden steht etwa jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr im Stau - und die Umwelt leidet. Im Gegensatz zu den Städten, wo die Zahl privat genutzter Pkws sinkt, halten Landbewohner eisern am Auto fest. 70 Prozent der Pendler auf dem Land nutzen es. Dabei ist rund die Hälfte der Pendlerwege dort kürzer als zehn Kilometer und damit schnell und kostengünstig mit dem Fahrrad zu bewältigen.

Mobilitätswende auf zwei Rädern

Auch auf dem Land wird die Mobilitätswende kommen. Zunächst mit Pedelecs, vermutet das Institut für Transportation Design in Braunschweig. In einer Langzeitstudie hat es untersucht, wie Besitzer von Elektrobikes ihr Rad nutzen. Im Schnitt fahren sie im Jahr 2500 Kilometer, pro Fahrt 11,4 Kilometer weit; 62 Prozent dieser Strecken wurden vorher mit dem Auto zurückgelegt. Bei jedem Kilometer spart ein Pedelec 148 Gramm CO2 ein. Hilfreich hierbei sind Radschnellwege oder eine grüne Welle für Fahrräder, wie sie die Siemens-App SiBike bieten soll.

Bis zu 87 Prozent aller Strecken auf dem Land können mit den heutigen Batteriereichweiten von Elektroautos bewältigt werden.

Pedelecs könnten Elektroautos den Weg ebnen. Doch die Strecken seien zu groß, die Batteriereichweiten zu gering, sagen Kritiker. Das stimmt aber nicht. Bis zu 87 Prozent aller Strecken auf dem Land können mit den heutigen Batteriereichweiten bewältigt werden. Ähnliches gilt für große Teile des Wirtschaftsverkehrs, etwa Paketlieferdienste.

Hoffnungsträger Bus und Bahn

Auch wenn Elektroautos die lokale Belastung der Luft mit Schadstoffen senken können, im Stau stehen sie genauso. Zusätzliche Alternativen müssen her. Und da spielen Busse und Bahnen weiter die zentrale Rolle. Auch sie haben bei Energieeffizienz und Komfort noch Potenzial.

Beispiel Busse: In den kommenden Jahren werden zunehmend Busse mit Elektroantrieb in den Verkehr kommen. Einen ganzen Tag Pendelverkehr werden sie mit einer Batteriefüllung jedoch nicht bewältigen können, deshalb ist eine dezentrale Infrastruktur mit Ladepunkten nötig, zum Beispiel an den Endhaltestellen, wo die Fahrer Pause machen. Um in den wenigen Minuten möglichst viel Energie in die Batterie zu pumpen, muss der Ladevorgang schnell und sicher sein. Hier bieten sich automatische Ausleger an, die von oben an Dachkontakte am Bus docken. Siemens hat bereits mehrere solche Schnellladestationen in Betrieb, unter anderem in Hamburg und in Montreal.

Schneller fahren und aussteigen

Auch bei Regionalzügen, die die Hauptlast des Pendlerverkehrs tragen, kommt es auf Energieeffizienz an. Beste Voraussetzungen bietet der Regionalzug Desiro HC von Siemens. Seine Leichtbauweise, die spurtstarken Motoren mit Rückgewinnung von Bremsenergie sowie ein digitales Management sämtlicher Funktionen - das alles führt zu einem sparsamen Umgang mit Energie. Im hektischen Berufsverkehr kommt es auf Details an: Die Türen sind besonders breit und erlauben schnelles Ein- und Aussteigen und damit kurze Aufenthaltszeiten an Haltestellen. Ab 2018 werden im Ruhrgebiet 82 Desiro HC dem Verkehrskollaps davonfahren. Etwa 31.000 Personenfahrten pro Werktag soll der Rhein-Ruhr-Express in Nordrhein-Westfalen einsparen.

Enorme Herausforderungen beim Verkehr kennt man auch in China. Dort sind die Ballungszentren noch viel größer: Peking soll mit seinen Nachbarstädten zu einer Riesenmetropole mit 130 Millionen Einwohnern verschmelzen; ähnliche Zentren gibt es bereits am Jangtse-Delta (100 Millionen) oder am Perlflussdelta (40 Millionen). Pendeln bedeutet dort, von einer Millionenstadt in eine andere zu fahren. Zu bewältigen ist das nur mit Hochgeschwindigkeitszügen. Der "Nationale Plan für neuartige Urbanisierung" sieht vor, Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern an das Hochgeschwindigkeitsnetz anzuschließen, Städte mit über 200.000 Einwohnern ans reguläre Eisenbahnnetz. Beim Pendelverkehr über kürzere Distanzen scheint der chinesischen Regierung das Glück zu Hilfe zu kommen: Chinesen lieben Elektrofahrzeuge - egal ob mit zwei oder mit vier Rädern.

Von Bernd Müller

Quelle: Siemens-Newsletter Pictures of the Future

STICHWÖRTER
Wien  | Technologie  | Energie  |
Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung