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Studie: Digitalisierung kann mehr Energieeffizienz bringen

10.05.2017

Die heimische Energiebranche rechnet durch die Digitalisierung mit massiven Veränderungen und viel Konkurrenz, geht aus einer aktuellen Studie der Österreichischen Energieagentur hervor. Große Chancen werden in neuen Dienstleistungen für die Endkunden gesehen: Energieeffizienz und -management, aber auch Analyse- oder Mobilitäts-Dienstleistungen oder Smarte Tarife stehen hoch im Kurs.

Laut Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann sollte man die Digitalisierung im Energiebereich nutzen, um effizienter zu werden: Sie berge enormes Potenzial, um etwa den Energiebedarf gleichmäßiger zu verteilen. Die Verbrauchspitzen sind nämlich ein großes Problem, sagte er kürzlich bei der Präsentation der Studie. Generell werde sich die Digitalisierung auf die Energiebranche stärker auswirken als einst die Liberalisierung.

Laut dem Leiter des Centers Energiewirtschaft und Infrastruktur in der Österreichischen Energieagentur, Günter Pauritsch, ist aber noch nicht klar, ob es den Unternehmen gelingen wird, die Digitalisierung in ihren Geschäftsmodellen zu nutzen. Die Relevanz der Digitalisierung wird von den Energieunternehmen zwar als sehr hoch angesehen, der daraus resultierende Mehrwert wird aber geringer eingestuft.

Die Skepsis gegenüber der Wirtschaftlichkeit schlägt sich auch bei der Frage nach den Hemmnissen nieder: Eine mögliche geringe Rentabilität, gefolgt von den rechtlichen Rahmenbedingungen sind laut der Studie die größten Stolpersteine für eine erfolgreiche Markteinführung und den Erfolg neuer Dienstleistungen.

Intelligente Energiemanagementsysteme

Potenzielle neue Services stehen besonders im Zusammenhang mit digitalen Stromzählern (Smart Meter). Die gewonnen Daten könnten vor allem zur Effizienzsteigerung verwendet werden. "Mit intelligenten Energiemanagementsystemen könnte man vorhandene Infrastrukturen besser nutzen und würde etwa kein zusätzliches Kraftwerk benötigen", so Traupmann. Dafür müsse man aber auch den Kunden an Bord holen und ihm Anreize bieten.

"Ich ermögliche dem Energieversorger einzugreifen, wann mein Boiler geladen wird", skizziert Traupmann die Idealvorstellung der Energieanbieter. Auch ein Elektroauto würde sich demnach zwischen 23 Uhr und 6 Uhr den günstigsten Tarif zum Laden der Batterie aussuchen. Dadurch könnten Spitzenzeiten verringert werden, Kunden könnten dadurch Kosten sparen. Dafür müssten aber passende Tarifmodelle entwickelt werden.

Die größten Profiteure der Digitalisierung werden im Energiebereich aber andere sein, die Branche rechnet mit hartem Wettbewerb und starker Konkurrenz. Aus Sicht der Energieunternehmen werden erfahrene Informations- und Kommunikationsunternehmen sowie energierelevante Start-ups die Gewinner sein.

Zu energierelevanten Start-ups zählen alternative Stromanbieter, mobile Zähler-Apps oder Unternehmen im Home-Automation-Bereich. Die Energieagentur verweist etwa auf die Easybank und die Post, bei denen Kunden mittlerweile auch Strom beziehen können. Auch Amazon und Google könnten hier bald eine Rolle spielen.

Das Feld räumen will die Branche aber nicht: "Die Energieversorger arbeiten aber hinter verschlossenen Türen mit Start-ups zusammen und arbeiten an Geschäftsmodellen", so Pauritsch.

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