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Thurner: "Wissenschaft zur Zeit in Krise"

08.01.2018

In einer Zeit, wo es mancherorts modern ist, Fakten zu "Fake-News" zu degradieren, befinde sich die Wissenschaft in einer gewissen "Krise". Das sagte der Komplexitätsforscher Stefan Thurner bei seiner Präsentation als "Wissenschafter des Jahres". Über Österreich sieht Thurner zwar noch keine "schwarzen Wolken" aufziehen, anders als vor 100 Jahren fehle es aber an visionären Ansätzen.

Vielfach habe er das Gefühl, dass in Österreich gewissermaßen darauf vergessen wurde, "dass wir Weltspitze sein können", sagte der vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten mit der Auszeichnung bedachte Forscher. "Wir müssten in viel mehr Bereichen, viel besser sein", so Thurners Befund, der oftmals eher Anzeichen für ein "Herschwimmen hinter dem Mainstream" ortet.

Bedrohung der Forschung durch "Fake-News"

Anders als etwa in den USA, Russland oder Ungarn - wo wissenschaftliche Fakten seitens der Politik gerne als "Fake-News" abgetan werden und Budgets gekürzt würden - sei es hierzulande um die Forschung besser bestellt. Trotzdem bestehe eine gewisse Gefahr, "dass wir da vielleicht auch hineinlaufen". Daher müsse man immer wieder erklären, wie und zu welchem Zweck Wissenschaft betrieben wird, sagte Thurner. Die Erkenntnisse der vergangenen 300 Jahre seien die Basis für die rasante Entwicklung der Gesellschaft seither. Die Auszeichnung zum "Wissenschafter des Jahres" und die damit einhergehende Aufmerksamkeit möchte der Komplexitätsforscher daher auch dafür nutzen, um aufzuzeigen, dass man "auf 'Fake-News' nichts aufbauen kann".

Sein Forschungsgebiet, die Wissenschaft Komplexer Systeme, sieht Turner jedenfalls dafür geeignet, neue Schnittstellen zwischen Politik und Wissenschaft zu schaffen. Durch die "unfassbare" Menge an Daten, die bereits jetzt weltweit gesammelt werden, entstehe sozusagen eine zweite Version der Welt. Diese fortschreitend umfassende Abbildung am Computer werde den Planeten nachhaltig verändern. Nun gehe es darum, aus diesen nahezu "unkapierbaren" Daten sinnvolle Schlüsse zu ziehen, und zu lernen, die vielfältigen komplexen Systeme zu managen. Mit Hilfe neuer wissenschaftlicher Methoden und den Möglichkeiten, die die Rechenleistung von Computern mittlerweile eröffnen, "geht vielleicht gerade ein Türl" zum Verständnis auf.

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