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Die Budgets einzelner Förderagenturen für Forschung und Entwicklung sollen um bis zu 20 Prozent sinken © APA (Gindl)
Die Budgets einzelner Förderagenturen für Forschung und Entwicklung sollen um bis zu 20 Prozent sinken © APA (Gindl)

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US-Forschung: Die höchsten Budgetkürzungen seit 40 Jahren drohen

09.10.2017

In den USA drohen im Forschungsbereich die höchsten Budgetkürzungen seit 40 Jahren. Wie Joanne Padron Carney von der American Association for the Advancement of Science (AAAS) beim Austrian Research and Innovation Talk (ARIT) in Austin (US-Bundesstaat Texas) erklärte, sollen laut Vorschlag von US-Präsident Donald Trump die Budgets einzelner Förderagenturen um bis zu 20 Prozent sinken.

Die USA wenden nach wie vor weltweit am meisten für Forschung und Entwicklung (F&E) auf, in den vergangenen Jahren gab es aber laufend Rückgänge. "Dieser Trend wird durch die aktuelle Administration deutlich verstärkt, mit vorgeschlagenen Kürzungen, die wir in dieser Höhe seit 40 Jahren nicht gesehen haben", sagte Carney bei dem Netzwerktreffen von in Nordamerika tätigen österreichischen Wissenschaftern.

Dies sei aber nur ein Budgetvorschlag und es hänge nun vom Kongress ab, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Und die Ansichten des Präsidenten und der beiden Kammern des Kongresses liegen weit auseinander: So hat Trump für die National Institutes of Health (NIH), die wichtigste US-Förderstelle für biomedizinische Forschung, Kürzungen von mehr als 21 Prozent (auf knapp 27 Mrd. Euro) vorgeschlagen, während das Repräsentantenhaus über drei Prozent mehr will, der Senat sogar ein Plus von fast sechs Prozent. Würde Trumps Vorschlag umgesetzt, könnten nach Berechnung der AAAS rund 1.600 Projekte weniger gefördert werden und die Erfolgsrate mit 13,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1970 sinken.

F&E-Ausgaben dürften um fast fünf Prozent sinken

Auf die National Science Foundation (NSF) dürften auf jeden Fall Kürzungen zukommen, die Frage ist, wie hoch diese sind. Trump hat ein minus von elf Prozent (auf 6,6 Mrd. Euro) vorgeschlagen, die beiden Kammern im Kongress wollen dagegen nur rund zwei Prozent weniger. Bei der NASA will der Präsident fast drei Prozent einsparen, das Repräsentantenhaus nur 1,1 Prozent, der Senat ist überhaupt für eine leichte Budgeterhöhung.

Insgesamt würden die F&E-Ausgaben der USA Trumps Budgetplänen zufolge um fast fünf Prozent auf 149 Mrd. Dollar sinken. Das Repräsentantenhaus schlägt hingegen ein Plus von fünf Prozent vor (der Senat hat sich noch nicht zu allen Bereichen geäußert).

Hintergrund der Kürzungspläne ist laut Carney der Wunsch nach Erhöhung der Verteidigungsausgaben, "und dafür muss man woanders einsparen". Alle Hoffnungen ruhen daher nun auf dem Kongress, "der hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er um die Bedeutung von F&E-Ausgaben weiß". Carney geht davon aus, dass sich die beiden Kammern bis Ende des Jahres einigen und gibt sich pragmatisch: "Die neue Normalität ist: Es könnte schlimmer sein."

Carney verweist aber auf einen weiteren wichtiger Punkt: "Der wissenschaftliche Fortschritt lebt von Offenheit, Transparenz und dem freien Fluss von Ideen." Die USA hätten in der Vergangenheit davon profitiert, dass es gelungen sei, die besten Köpfe aus aller Welt anzuziehen. Neue Einreisebestimmungen und Pläne zur weiteren Verschärfung würden dies gefährden, weil dadurch hervorragende Leute abgehalten werden könnten, in die USA zu kommen.

"Europa wieder attraktiver"

Die Zuwanderung ist auch für den Chef des österreichischen Forschungsrats, Hannes Androsch, der Grund dafür, dass die USA trotz "lausigen Schulsystems" so erfolgreiche Universitäten haben und führend in Wissenschaft und Innovation sind. "Die klügsten Köpfe weltweit sind das Rückgrat von Silicon Valley, der Boston Area, usw.", sagte er am Rande des ARIT.

Doch die könnten sich zunehmend überlegen, ob sie weiterhin in den USA tätig sein wollen bzw. dorthin wollen. So interessant die USA für Wissenschafter seien - "die ganze (US-Präsidenten-; Anm.)Wahl hat definitiv Europa wieder attraktiver gemacht", meinte etwa die aus Salzburg stammende, an der University of California in Berkeley tätige Molekularbiologin Isabella Rauch. Sie hat beim ARIT einen der diesjährigen ASCINA-Preise erhalten, der an österreichische Forscher für exzellente in den USA entstandene Publikationen vergeben wird.

"Eine Budgetkürzung von 20 Prozent wäre eine absolute Katastrophe für die Universitäten", sagte auch Peter Nagele, Anästhesist an der Washington University in St. Louis, zur APA. Viele Leute müssten entlassen werden, speziell junge Forscher ohne fixe Verträge. Es sei schwer abzuschätzen, was tatsächlich passieren werde, so Franz Franchetti, Computerwissenschafter an der Carnegie Mellon University (CMU) in Pittsburgh, "aber in der Wissenschaft wird mit dem Schlimmsten gerechnet". Es sei unklar, ob damit die besten Leute kommen können oder wollen.

Service: F&E-Budgetanalyse der AAAS: https://www.aaas.org/

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