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Wirtschafts-Nobelpreisträger: Marktakteure sind beschränkt rational

09.10.2017

Die Vergabe des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises an den US-Ökonomen Richard Thaler ist keine große Überraschung. "Es ist höchst verdient, dass er gewonnen hat. Er ist schon zweimal zu kurz gekommen", sagte Jean-Robert Tyran, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien, dessen Spezialgebiet Behavioral Experimental Economics ist, im Gespräch mit der APA.

"Das erste Mal ist er zu kurz gekommen, als Daniel Kahnemann den Nobelpreis (2002, Anm.) gewonnen hat. Er ist in Stockholm neben ihm gesessen bei der Verleihung und hat ein saures Gesicht gemacht, er wäre dort schon eigentlich auf der Liste gewesen, aber Kahneman hat sich den Preis geteilt mit Vernon Smith. Und dann hätte er ihn auch für Behavioral Finance verdient, aber da hat Robert Shiller ihn mit zwei anderen (2013 mit Lars Peter Hansen und Eugene Fama, Anm.) geteilt, da ist er auch wieder zu kurz gekommen", sagte Tyran zur APA.

Neue Perspektiven auf Wirtschaftswissenschaften

Behavioral Economics sei ein hochaktuelles Thema, "weil es neue Perspektiven auf die Wirtschaftswissenschaften gibt und bahnbrechende Einsichten liefert in allen Bereichen der Grundlagenforschung, aber auch der angewandten Forschung", sagte Tyran. "Morgen Abend wird zum Beispiel die Verhaltensökonomin Iris Bohnet um 18.30 Uhr in der Oesterreichischen Nationalbank vortragen und genau erklären, wie man Behavioral Economics brauchen kann, um Geschlechtergerechtigkeit herzustellen."

Richard Thaler ist Co-Autor des Buches "Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth and Happiness", in dem er beschreibt, wie man Menschen mit niederschwelligen Maßnahmen dazu bewegt, die richtigen Entscheidungen zu treffen - etwa weniger Energie zu verbrauchen oder die Rundfunkgebühren zu bezahlen. "Das Buch hat die Profession sehr stark bewegt, weil es angewandte Politiklösungen beschreibt, die auf Einsichten von Behavioral Economics basieren", erklärte Tyran. Auch der frühere US-Präsident Barack Obama war ein Anhänger der Nudge-Theorie.

"Behavioral Economics verwirft nicht die traditionelle Ökonomik, sondern sie verbessert sie", sagte der Wirtschaftsforscher. Eine wesentliche Erkenntnis sei: "Die Menschen sind beschränkt rational, sie sind nicht so rational, wie die ökonomische Theorie angenommen hat. Sie machen systematische Fehler in gewissen Situationen, aber es ist nicht so, dass man jetzt sagt alle sind verrückt."

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