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v.li.: Wittgenstein-Preisträger Hanns-Christoph Nägerl, FWF-Vizepräsidentin Artemis Vakianis, FWF-Präsident Klement Tockner © APA (FWF/Fröschl-Roßboth)
v.li.: Wittgenstein-Preisträger Hanns-Christoph Nägerl, FWF-Vizepräsidentin Artemis Vakianis, FWF-Präsident Klement Tockner © APA (FWF/Fröschl-Roßboth)

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Wissenschaftsfonds FWF 2016 erneut mit weniger bewilligten Projekten

19.06.2017

Weniger Forschungsprojekte als im Jahr davor konnte der für Grundlagenforschung zuständige Wissenschaftsfonds FWF 2016 fördern. Die Zahl der neubewilligten Projekte sank mangels Budgets auf 624 (2015: 655). Das Gesamtbewilligungsvolumen ging von 204,7 Millionen Euro 2015 auf 188,1 Mio. Euro zurück. FWF-Chef Klement Tockner pochte angesichts dessen auf die Umsetzung der "Forschungsmilliarde".

"Wir sind eine Forschungsnation und eine wissensbasierte Gesellschaft", die politischen Entscheidungsträger müssten das aber auch "klar kundtun", sagte der FWF-Präsident bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien. Ein Schritt in diese Richtung sei die von der Bundesregierung eigentlich beschlossene "Forschungsmilliarde" gewesen, im Zuge derer für den FWF im Zeitraum von 2018 bis 2021 ein Budget-Plus von insgesamt 281 Mio. Euro vorgesehen gewesen wäre. Das hätte bedeutet, dass das FWF-Jahresbudget im Jahr 2021 ansteigen würde. Ob die Mittel aber tatsächlich kommen, ist aufgrund der anstehenden Neuwahlen noch offen. Für Tockner käme es einem massiven Vertrauensverlust gleich, wenn die "zugesagten" Gelder ausblieben.

Abwärtsbewegung spürbar

In der aktuellen Situation "spürt man die Abwärtsbewegung", sagte die kaufmännische Vizepräsidentin des FWF, Artemis Vakianis. Im vergangenen Jahr gingen fast 2.600 Projektanträge mit einem gesamten Fördervolumen von rund 790 Mio. Euro beim Wissenschaftsfonds ein. Mit einer Bewilligungsquote von erneut lediglich um die 20 Prozent sei der heimische Forschungsstandort nur sehr eingeschränkt attraktiv, wie die FWF-Führung erklärte.

International gelte "wer stehen bleibt, der fällt zurück", sagte Tockner, und verwies auf die Schweiz, wo in dem Bereich pro Einwohner und Jahr mittlerweile rund 97 Euro ausgegeben werden. In Österreich seien es ungefähr 24 Euro. Dieses "Auseinanderklaffen" werde sich ohne die Umsetzung der ursprünglichen Vorhaben der Regierung weiter verstärken.

Schlüssel für Erhöhung des Output

In der Förderung der Grundlagenforschung sieht Tockner jedenfalls einen zentralen Schlüssel, um den "Output" des heimischen Wissenschaftssystems zu erhöhen. Am "Input" liege es nämlich eher nicht, wie sich anhand der Tatsache ablesen lasse, dass Österreich bei der F&E-Quote europaweit mittlerweile auf dem zweiten Platz zu finden sei. Während die Schweiz (Platz drei) oder die ebenfalls in der Grundlagenforschung starken Niederlande (Platz elf) hier hinter Österreich zu finden sind, liegen die beiden Länder im "European Innovation Scoreboard" aktuell auf Platz eins und sechs. Für Österreich reicht es momentan in diesen Ranking nur für den elften Rang.

Dass man so vielen Forschern trotz teilweise exzellent beurteilter Forschungsanträge die Förderung nicht gewähren könne, sei vor allem für Junge dramatisch. Im Schnitt dauere es bis zum 43. Lebensjahr, bis heimische Forscher eine langfristige berufliche Perspektive erhalten, so Tockner. Dem müsse auch mit neuen Fördermodellen entgegengewirkt werden.

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