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Czernohorszky sieht "organisatorisch unlösbare Aufgabe" © APA (Schneider)
Czernohorszky sieht "organisatorisch unlösbare Aufgabe" © APA (Schneider)

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Wien lehnt Deutschklassen-Gesetz als sinnlos und undurchführbar ab

12.04.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 14/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Die vom Bund vorgesehen Deutschklassen sind pädagogisch widersinnig, stellen die Schulerhalter vor unlösbare Aufgaben und sorgen dafür, dass bestehende Klassen zerrissen werden - davon ist jedenfalls Wien überzeugt. Bürgermeister Michael Häupl und Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (beide SPÖ) haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz die geplante Regelung zerpflückt. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) verteidigte die geplanten Deutschförderklassen an den Schulen.

"Dieser Entwurf ist undurchführbar", stellte Czernohorszky klar. Er bereite allen - sowohl der Verwaltung als auch Lehrern und Schülern - große Schwierigkeiten. Fast alle Wiener Volksschulkinder seien von der für Herbst geplanten Regelung in irgendeiner Form betroffen, warnte er. Aufgrund der "überstürzten" Einführung müssten rund 15.000 Kinder aller Altersstufen, die bisher eine Deutschförderung erhalten hätten, in eigene Klassen gehen. Damit würden bestehende Klassengemeinschaften zerrissen - und das immer wieder.

Mehr Räume notwendig

Tatsächlich würden die Kids aber für den Lernerfolg stabile Beziehungen brauchen, gab der Ressortchef zu bedenken. Außerdem stelle das Gesetz eine "riesengroße, unlösbare Herausforderung" für die Direktoren dar. Rund 500 Extra-Räume wären in den Pflichtschulen dafür nötig: "Woher man die Klassen nehmen soll, darüber schweigt sich die Bundesregierung aus." Es sei abzusehen, dass Bibliotheks- oder Werkräume dafür herangezogen würden, die dann nicht mehr benutzbar seien. Denn: "Zaubern kann niemand."

Auch die zu erwartenden Kosten sind laut Stadt beträchtlich. Darum werde der im Finanzausgleich vorgesehene Konsultationsmechanismus ausgelöst. Sprich: Die Mehrkosten sollen dem Bund abverlangt werden. Wobei Wien auch mit Protest anderer Länder bzw. Gemeinden rechnet. Allerdings, so wurde betont, sei das Gesetz auch bei Kostenübernahme durch den Bund nicht umsetzbar.

Massive Kritik gab es auch an der Kürzung der Integrationsmittel für die Schulen. Dies bedeute, dass rund 350 Unterstützungspersonen ab 2019 nicht mehr im Einsatz sein würden. Das Konzept der Entlastung für Lehrer werde zunichtegemacht für ein von "allen Experten abgelehntes" Projekt der separaten Deutschklassen. Czernohorszky plädierte für die Evaluierung der bestehenden Förderung. Derzeit wird bei Bedarf in kleinen Gruppen Unterricht erteilt. Wobei der Stadtrat nicht völlig ausschloss, dass Deutschklassen an manchen Standorten sinnvoll sein können. Hier zu unterschiedlichen Lösungen je nach Schule zu kommen, müsse aber möglich sein.

Verfassungsrechtliche Bedenken

Wien hat auch verfassungsrechtliche Bedenken. Denn die im Pflichtschulbereich vorgesehene Ausgestaltungskompetenz der Länder werde damit beschnitten. Der Bund habe nur den Rahmen vorzugeben. Das Rathaus wird seine Bedenken auch im Rahmen der laufenden Begutachtung äußern, hieß es.

Gleichzeitig appellierte Bürgermeister Häupl an die Bundesregierung, die "Befehlsdemokratie" wieder zugunsten der "Konsensdemokratie" zurückzunehmen. Man solle wieder halbwegs vernünftig miteinander reden. Die derzeitige Vorgangsweise werde, so mutmaßte er, tendenziell auch der Regierung schaden - "was aber mein geringstes Problem ist."

Faßmann verteidigt Maßnahme

Diese Maßnahme würde einen dauerhaften Ausschluss von Schülern, die dem Unterricht aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht folgen können, verhindern, so der Minister laut Parlamentskorrespondenz im Budgetausschuss des Nationalrats.

Auch die dafür budgetierten Mittel würden aus heutiger Sicht ausreichen, betonte Faßmann. Der Bund stelle über 400 zusätzliche Planstellen zur Verfügung.

Nicht ganz einig sind sich Elternvertreter: "Das 'Projekt Deutschklassen' wird nicht nur in Wien bestehende Klassengemeinschaften zerreißen und in Kinderfreundschaften eingreifen", befürchtet der Vorsitzende des Landeselternverband Wien, Karl Dwulit, in einer Aussendung. Sein steirisches Pendant begrüßt dagegen die "Erweiterung der Maßnahmen zur Sicherstellung von adäquater Kenntnis der Unterrichtssprache", heißt es in seiner Stellungnahme zum Begutachtungsentwurf. Allerdings müssten die Entscheidungen über die Einstufung als außerordentlicher Schüler bzw. die Feststellung der Schulreife schriftlich begründet und eine Widerspruchsmöglichkeit vorgesehen werden.

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